Schottische Insel "Lewis and Harris"

Wo das Glück zu Hause ist

Schottische Insel "Lewis and Harris": Wo das Glück zu Hause ist Schottische Insel "Lewis and Harris": Wo das Glück zu Hause ist Foto: VisitScotland / Kenny Lam
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Strände wie in der Karibik, jede Menge Schafe und ein Gefühl, als ob die Zeit stehen geblieben wäre - auf der schottischen Insel "Lewis and Harris" leben laut einer Umfrage die glücklichsten Menschen Großbritanniens. Das merkt man ihnen an.

Schon die Anreise gehört zu den zahlreichen Anekdoten, mit denen man nach einem Urlaub Familie und Freunden auf die Nerven zu gehen pflegt. Denn "Lewis and Harris", die größte Insel der Äußeren Hebriden, am westlichen Zipfel Schottlands gelegen, ist nicht per Direktflug zu erreichen. Ein kleines Propellerflugzeug mit Platz für etwa 70 Passagiere fliegt ab Edinburgh nach Stornoway.

Harris und Lewis (5) - image/jpeg Einer der schönsten Strände der Insel Harris und Lewis ist der Seilebost Beach.

Der Flieger muss so klein sein, mehr würde die Landebahn auf Lewis nicht hergeben. Und da in dieser Region der Welt ein ziemlicher Wind pfeift, schüttelt es das Flugzeug ordentlich durch. Um den richtigen Winkel für die Landebahn zu erwischen, muss der Pilot entsprechend rangieren. Vorteil für die Passagiere, denen so etwas nichts ausmacht: Sie können in ausgeprägter Schräglage einen perfekten Blick auf die spektakuläre Küstenlinie und kilometerlangen Strände der Insel werfen.

Der winzige Flughafen - ein Gepäckband, eine Anzeigetafel, ein Kiosk - ist neben den Fährhäfen enorm wichtig für die Insel. So kommen Lebensmittel und alles, was man für den Alltag braucht, auf die Insel. Zum Beispiel die Tageszeitung. Sie wird jetzt immer vormittags eingeflogen, gegen 11 Uhr ist sie auf der Insel erhältlich. "Früher kam sie immer erst nachmittags, wenn überhaupt", sagt Peter MacLennan und lacht. Er ist einer von knapp 20.000 Menschen, die auf der Insel leben. Und auch die Welt des (langsamen) Internets ist auf "Lewis and Harris" fast überall zugänglich.

Harris und Lewis (3) - image/jpeg In Schottland stehen die meisten Steinkreise. Sie liegen auf Talsohlen, auf Flussterrassen, auf niedrigen Pässen und in der Nähe von Gewässern.

Dennoch: Wer auf diese Insel kommt, hat erstmal Pause. Entschleunigung nennen das gestresste Bewohner deutscher Großstädte. Vielleicht ist sie das Geheimnis, warum die Schotten hier so zufrieden sind. Das nationale Amt für Statistik hat 2016 bei einer Umfrage herausgefunden, dass die Menschen auf der Insel die glücklichsten in ganz Großbritannien sind.

Die meisten von ihnen leben auf dem größeren nördlichen Teil Lewis und dessen Hauptstadt Stornoway (6000 Einwohner). Im Süden auf Harris teilen sich nur etwa 2000 Menschen das Land mit Schafen, Rindern und vielen, vielen Vögeln. Das einzige Geräusch, das man hier hört, ist der Wind. Und der pustet einen selbst an vermeintlich ruhigen Tagen jederzeit richtig durch. Urlaubern wird hier eine Postkarten-Idylle aus kilometerlangen Stränden mit weißem Sand und türkisblauen Wasser sowie spektakulären Klippen, an denen sich meterhohe Wellen brechen, und eine karge Hügellandschaft geboten. Und überall, wirklich überall, laufen Schafe herum.

Harris und Lewis (9) - image/jpeg Das Herrenhaus Lews Castle in Stornoway hat ein historisches Äußeres, nebenan überrascht die Besucher ein modernes Museum. Geleitet wird es von einem Deutschen.

Das liegt an den sogenannten Croftern. Viele Bewohner der Hebriden haben nebenberuflich ein Stück Land gepachtet, das sie bewirtschaften. Die meisten halten Schafe, von denen sich allerdings kaum welche an die Grundstücksgrenzen halten und die lieber frei umherwandern. Deshalb sind die meisten Tiere mit quietschbunten Markierungen gekennzeichnet.

MacLennan ist einer dieser Crofter. Er hält etwa 100 Tiere. Bei der Schafhaltung handelt es sich allerdings eher um ein Hobby als um einen Beruf. "Bei der letzten Schur habe ich gerade mal 80 Pfund für die Wolle bekommen", sagt er. Deshalb hat MacLennan neben der Schafzucht gleich zwei Jobs, mit denen er sich über Wasser hält. Denn der Arbeitsmarkt ist das große Manko am Leben in der Abgeschiedenheit.

Harris und Lewis (4) - image/jpeg Die keltischen Kreuze sind Teil der frühmittelalterlichen und mittelalterlichen sakralen Kunst im keltischen Kulturraum der britischen Inseln und Irlands. Ursprünglich waren sie keine Grabsteine, sondern markierten heiliges Land.

Viele haben mehrere Jobs, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Morgens bringt Mac-Lennan mit dem Bus die Kinder in die Schule, mittags fährt er bei Bedarf auf einer der wenigen Linien. Oder er transportiert Touristen über die Insel. Immer je nach Bedarf. "Unsere Kinder finden hier auf den Inseln kaum Jobs, sie müssen dafür rüber aufs Festland", erläutert McLennan. Ein Grund, warum der Altersdurchschnitt relativ hoch ist. Trotz der Umstände sind die Menschen glücklich auf der Insel.

Es gibt Versuche, die Umstände zu ändern. Eines dieser Projekte ist die "Harris Distillery", in der der erste Whisky der Insel gemacht wird. Und da es bis zur ersten Flasche noch dauert, wird auch Gin hergestellt. Das Besondere: In der Brennerei arbeiten ausschließlich Einwohner der Insel. Sie wurden vom Besitzer extra aufs Festland geschickt, um dort das notwendige Handwerk zu lernen. Dann sind sie zurückgekommen und haben das Unternehmen aufgebaut.

Harris und Lewis (6) - image/jpeg Der Ort Garenin ist vor allem für das Blackhouse Village bekannt. Es besteht aus neun restaurierten Häuschen mit traditionellen Strohdächern. In dem Dorf leben weniger als 100 Menschen.

Ein anderer Arbeitgeber, der nur Leute von der Insel beschäftigt, ist Lews Castle. Das alte Gemäuer in Stornoway hat gerade nebenan ein modernes Museum bekommen, das Schloss selbst wurde restauriert. Dort sind jetzt Ferienwohnungen untergebracht. Nur ein Mitarbeiter ist nicht von der Insel - der Manager. Der kommt aus Berlin, lebt seit 13 Jahren in Schottland und heißt Markus Riebicke-Carrington. Er möchte das Leben auf der Insel nicht mehr missen, trotz schleichendem Internet und der generellen Langsamkeit der Dinge. Denn auch er gehört mittlerweile zu den glücklichsten Menschen in Großbritannien.

Die Redaktion wurde von Visit Scotland zu der Reise eingeladen.

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Quelle: RP