6 Länder - 8 Städte - 17 Tage

Marlenas Roadtrip durch Osteuropa

6 Länder - 8 Städte - 17 Tage: Marlenas Roadtrip durch Osteuropa 6 Länder - 8 Städte - 17 Tage: Marlenas Roadtrip durch Osteuropa Foto: Marlena Schönfeld

Nach ihrem Auslandssemester in Prag ist unsere Autorin Marlena zu einem Roadtrip durch Osteuropa aufgebrochen. Hier berichtet sie von den schönsten Perlen, die sie unterwegs gefunden hat! Alle Bilder findet ihr in der unteren Fotostrecke.

Mein Erasmus-Semester in Prag ist vorbei. Schon im Januar habe ich die letzten Seminare besucht, die letzten Klausuren geschrieben und in verzweifelten Nächten die letzten Last-Minute-Essays verfasst. Kommt aber auch immer alles so plötzlich… Im Grunde hätte ich also schon längst zurück in die schöne Heimat fahren können, allerdings fehlte mir noch etwas, um mein Auslandssemester offiziell abzuschließen: Der obligatorische Roadtrip.

Durch meine Standortwahl hatte ich was das angeht zugegebenermaßen einen kleinen Nachteil. „Roadtrip durch Kalifornien“ klingt schon etwas mondäner als „Busreise durch Ostböhmen“, aber auch ich wollte meinen Instagram-Followern endlich meine abenteuerlustige Weltbürgerlichkeit beweisen und mein Tinderprofil mit Weisheiten wie „Eternal Traveller <3“ oder „In der Welt zuhause“ füllen. 

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Gemeinsam mit meiner Erasmus-BFF Nicole plante ich also eine Route, die uns gleichzeitig günstig, interessant und Social-Media-tauglich erschien. Von Prag aus startend wollten wir uns über Polen und das Baltikum bis nach Helsinki hocharbeiten. Hauptstadt-Hopping quasi. Also wenn das nicht cool klingt. Am 27. Januar 2017 machten wir uns also auf zu unserem ersten Halt - bei -8°C im PolskiBus nach Wroclaw. #sophisticated

Tag 1-3: Wroclaw, Polen

Wroclaw (früher Breslau) haben die meisten wahrscheinlich nicht als Reiseziel auf dem Schirm. Uns ging das nicht anders, unsere Erwartungen waren also entsprechend niedrig - zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Wroclaw hat eine wunderschöne Altstadt, jede Menge Craftbeer und etwa 300 willkürlich in der Stadt rumstehende Gartenzwerge aus Bronze. Besonders nach ein paar Gin-Tonic sind die eine wahre Freude.

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Tag 3-5: Krakau, Polen

Von den drei polnischen Städten, in die es uns verschlagen hat, war Krakau definitiv unser Highlight. Die Stadt ist nicht nur hübsch, sondern hat auch eine faszinierende Geschichte und die perfekte Kurztrip-Größe. Besonders gut gefallen hat uns das jüdische Viertel Kazimierz, wo es mit Abstand das beste Nightlife zu finden gibt. Unbedingt probieren solltet ihr außerdem Pierogi, die traditionellen polnischen Teigtaschen, die in der Regel als lieblos angerichteter und fettig glänzender Haufen serviert werden. Schmecken tun sie trotzdem.

Tag 5-7: Warschau, Polen

Als Hauptstadt hat natürlich auch Warschau einiges an Kultur, Geschichte und veganer Tempeh-Burger-Szene zu bieten. Vor allem das alternative Viertel Praga mit vielen netten Kneipen, Clubs und Cafés ist einen Besuch wert. Bei der AirBnB-Wahl sollte man allerdings im Vorfeld gut recherchieren, sonst landet man womöglich aus Versehen in einem Betonklotz in der Vorort-Pampa. Ups! Wenigstens gabs einen Hund.

Tag 7-10: Vilnius, Litauen

Nach einer Woche Polen ging es für uns dann weiter gen Norden. Für die 7-stündige Fahrt im LuxBus mit Ledersitzen, stabilem WLAN, eigenem Fernseher an jedem Sitz und gratis Heißgetränken zahlten wir übrigens ganze 5 Euro pro Person. Werde ich sicher gerne dran zurück denken, wenn ich das nächste Mal für 17,50 Euro mit dem RE5 von Bonn nach Düsseldorf fahre und mir ein geschäftstüchtiger Junggesellenabschied lallend ein Kondom mit Erdbeergeschmack verkaufen möchte.

IMG_20170203_115621 - image/jpeg Vilnius ist schön. Grün und ruhig und irgendwie friedlich. Besonders Užupis ist eine nettes Fleckchen Erde, mit vielen Cafés und Kneipen (Ŝpunka hat uns gut gefallen) und so viel individuellem Eigensinn, dass die Bezeichnung „Stadtviertel“ den Bewohnern einfach nicht mehr genug war. Vor gut 20 Jahren gründeten ein paar ansässige Künstler deswegen die Republik Užupis inklusive Verfassung, Präsident und Armee und erklärten sich unabhängig von Vilnius und Litauen. Rechtlich vermutlich fragwürdig, aber trotzdem ein echter Crowd-Pleaser auf alternativen Stadtführungen. Haben wir natürlich auch mitgemacht.

Tag 10-12: Riga, Lettland

Nachdem wir uns 10 Tage lang in verschiedenen neugentrifizierten Craftbeer-Barbershop-Bezirken rumgetrieben hatten, erwartete uns in Riga ein kleiner Schock. Unsere Unterkunft, günstig gelegen in der Altstadt zwischen McDonald’s, Pizza Hut, zwei Irish Pubs und einer Karaoke Bar namens Funny Fox holte uns unsanft zurück in die kapitalistische Realität. Festentschlossen dieser Touristenhölle so schnell wie möglich zu entkommen, zogen wir am Abend aus, um das wahre authentische Riga zu finden und in all seinen Facetten in uns aufzunehmen, scheiterten jedoch kläglich und fanden uns schließlich Apfelvodka trinkend und Artic Monkeys grölend zwischen zwei britischen Sauftouristen auf der Bühne des Funny Fox wieder. Oh well. Morgen dann wieder Avocadotoast.

Riga – stylisch meets bodenständig meets Bier: 48 Stunden in der lettischen Szenestadt Riga – stylisch meets bodenständig meets Bier 48 Stunden in der lettischen Szenestadt Zum Artikel »

Tag 12-15: Tallinn, Estland

Um die Schmach von Riga so schnell wie möglich zu vergessen, betrieben wir in Tallinn im Vorfeld akribische Recherche über die angesagten Hipster-Hotspots des Nachtlebens. Als uns beim Betreten der auserkorenen Weinbar ein bebrillter Undercut-tragender junger Herr in fescher Pelzweste entgegenkam, atmeten wir erleichtert auf. Über die Rückkehr zu westeuropäischen Getränkepreisen konnten wir dann auch fast hinwegsehen.

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Auch ansonsten ist Tallinn eine wirklich lohnenswerte Stadt. Sowohl der historische Ortskern mit seinen mittelalterlichen Stiegen und Gassen, als auch die Randbezirke mit jeder Menge Streetart, kleinen Läden und diversen Etablissements mit dem Wort „Concept“ im Namen (heutzutage scheinbar ein echter Indikator für Qualität) sind einen Besuch wert. Für einen Städtetrip also auch absolut empfehlenswert!

Tag 15-17: Helsinki, Finnland

Weil wir von Eis, Schnee und Minusgraden einfach nicht genug bekommen konnten und es von Tallinn nur ein Katzensprung ist, machten wir uns zu guter Letzt auf den Weg nach Finnland. Circa zwei Stunden dauert die Fährüberfahrt von Tallinn nach Helsinki - dank der Top-Performance einer flotten finnischen Schlager-Liveband fühlten die sich allerdings an wie vier.

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Abgesehen von einem fragwürdigen musikalischen Angebot hat Helsinki allerdings einiges zu bieten. Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich einen traditionell finnischen Saunabesuch. Mit unseren deutschen Flauschpantoffel-Wellness-Höllen haben die öffentlichen Saunas (oder doch: Saunen?) in Helsinki nämlich so gar nichts gemeinsam - statt Gesichtsmassagen gibt es einen Abbrauseservice, statt nach Aloe Vera riecht es nach Schweiß und statt Rote-Bete-Saft gibt es Bier. Meine Empfehlung ist die Kotiharjun Sauna in Kallio, dem Hipster-Viertel von Helsinki. Also mir hat’s gefallen! Auch sonst ist Kallio übrigens definitiv einen Besuch wert. Neben vielen Cafés und Restaurants gibt es hier auch jede Menge Bars, Boutiquen und Second-Hand-Shops.

Ein großer Minuspunkt sind dabei allerdings die gigantisch hohen Preise. Für einen halben Liter Bier zahlt man schnell an die 10 Euro und ein Abendessen ist kaum unter 25 Euro pro Gericht zu bekommen. Besonders für verwöhnte Osteuropa-Reisende ist das natürlich mehr als happig. Leider kompensiert die Stadt die Preise unserer Meinung nach nicht so richtig. Spaß kann man hier haben, keine Frage, aber das konnten wir in allen anderen Städten auch - und zwar für einen Bruchteil der Ausgaben.

Das Fazit

Nach einem ausgiebigen Sampling kann ich nun mit Gewissheit sagen: Auf in den Osten! Klar, London ist cool, Paris ist romantisch und Rom hat diese ganzen alten Steine - aber Tallinn, Vilnius und Krakau sind für einen Kurzurlaub mindestens genauso lohnenswert (und außerdem nur halb so teuer). Meine persönliche Nummer Eins ist und bleibt aber Prag, die Goldene Stadt, in der ich nach fünf Monaten auf jeden Fall ein Stück meines Herzens lasse. Schön war’s, Tschechien! Hoffentlich auf bald! #EternalTraveller

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