Elf Tage Roadtrip quer durch Kalifornien

Tag 10-11: Camping am Wasserfall im Yosemite Nationalpark

Elf Tage Roadtrip quer durch Kalifornien: Tag 10-11: Camping am Wasserfall im Yosemite Nationalpark Elf Tage Roadtrip quer durch Kalifornien: Tag 10-11: Camping am Wasserfall im Yosemite Nationalpark Foto: Lisa Harings

Study at the Beach 2016: Wer bloggt hier? Study at the Beach 2016 Wer bloggt hier? Zum Artikel » Unsere Kollegin Lisa Harings studiert mit ihrer Freundin Maxi für ein Semester in Long Beach. Zusammen sind die beiden elf Tage lang quer durch Kalifornien gereist. Die letzten Tage ihres Trips haben sie im Yosemite Nationalpark verbracht.

Der letzter Stopp unserer Reise ist der Yosemite Nationalpark. Auf dem Weg dorthin wird es immer wärmer. Stellenweise sehen wir sogar Überreste von Waldbränden, so heiß scheint es hier gewesen zu sein. Die Temperaturen in Kalifornien werden leicht unterschätzt. Im Winter kann es stellenweise super heiß werden, anderswo dafür eiskalt mit Schnee. Glücklicherweise haben wir frische Frühlingstemperaturen für unsere zwei Nächte im Yosemite Valley erwischt, so dass wir wie geplant campen können.

Als wir am Camp 4 im Yosemite Village ankommen, steht ein großes Schild an der Einfahrt: CAMPGROUND FULL. Es ist halb sechs abends, man fährt circa eine Stunde, bis man im Tal des Yosemite ankommt, hier gibt es kein Handynetz und nun ist der Campingplatz voll. Wo sollen wir denn jetzt bloß übernachten? Zwei nette Kerle laufen uns über den Weg und ich frage nach Rat. Ihre Lösung ist ganz einfach: "Stellt euer Zelt einfach bei uns auf! Wir haben noch Platz. So läuft das hier!" Man fragt also einfach, ob man sich bei jemanden noch dazuquetschen kann, wenn der Campingplatz voll ist. Finde ich sympathisch!

Die Rezeption des Campingplatzes ist geschlossen. Wir sind außerhalb der Saison hier, deswegen läuft hier alles auf Vertrauensbasis: Man holt sich einen Registrierungsschein und Briefumschlag am Rezeptionshäuschen, trägt alles ein und wirft die Papier zusammen mit dem Geld, das man für den Aufenthalt zahlt, in einen Briefkasten. Wir zahlen sechs Dollar pro Person und pro Nacht. Anschließend hängt man einen Zettel mit der Registrierung ans Zelt, da ein Ranger nachts kontrolliert, ob hier auch alle schön registriert sind.

Wir teilen uns den Platz in den nächsten beiden Nächten mit super netten Leuten. Darunter eine Familie, ein paar verrückte Action-Kletterer, eine Jungstruppe und ein paar Deutsche. Abends sitzen wir beim Lagerfeuer beisammen, jeder legt irgendetwas auf den Grill und wir machen zusammen S'mores. Ich fühle mich unheimlich wohl hier draußen. Wir sind mitten im Wald, hier gibt es sogar Bären und in der Ferne hört man den Yosemite Fall plätschern.

Yosemite - image/jpeg

Am nächsten Morgen stehen Maxi und ich auf, frühstücken am Lagerfeuer und machen uns schließlich bereit für die Wanderung. Unsere Rucksäcke sind gefüllt mit Erdnussbutter-Bananen-Sandwiches, Obst und Müsliriegeln. Unser Ziel heute: Der Upper Yosemite Trail! Wir wollen uns den Wasserfall einmal genauer ansehen. Die Kletterjungs haben uns davon erzählt und der Weg soll für Anfänger bis Fortgeschrittene machbar sein. Es geht immer nur bergauf mit einer atemberaubenden Sicht auf das Tal im Yosemite. Je höher man kommt, desto weiter kann man in die Ferne zwischen die Berge sehen. Der Weg ist unheimlich anstrengend. Es ist ziemlich warm, um die 20 Grad.

Yosemite - image/jpeg

Zwischendurch machen wir eine Pause. Wir treffen auf ein nettes amerikanisches Pärchen, mit dem wir bis zum Aussichtspunkt am Wasserfall wandern. Ist der Weg hier zu Ende? Unser neuer Bekannter ist sich nicht sicher und meint, dass es ab hier nur noch steiler sei und man klettern müsse. Der Weg von ihm und seiner Frau sei hier zu Ende. Wie weit es wohl noch sein mag? So weit kann es doch gar nicht mehr sein! Maxi und ich sind mutig und wandern weiter...

Yosemite - image/jpeg

Wir klettern über Miniwasserfälle und müssen uns teilweise konzentrieren. Der Weg ist glitschig. Nach ungefähr drei Stunden Wanderung wird uns bewusst, was wir uns da eigentlich zugemutet haben. Ein Ende des Weges ist immer noch nicht in Sicht, aber wir wollen doch so gerne auf den Wasserfall rauf! Wir geben nicht auf und wandern schnaufend weiter.

Yosemite - image/jpeg

Nach fünf Stunden haben wir unser Ziel erreicht. Wir sind tatsächlich auf dem Wasserfall. Wir sind sogar ein Stück ÜBER dem Wasserfall, so hoch sind wir gewandert. Lustigerweise habe ich bei unserer Ankunft gestern noch gedacht: "Wir zelten am Fuße des Bergs. Und es gibt echt so verrückte Leute, die da hochwandern …" Doch offensichtlich geht es noch verrückter: Wir sehen jemanden, der über eine Slackline über den Yosemite Fall balanciert. IRRE!

Yosemite - image/jpeg

Ich lasse meinen Blick über den Horizont schweifen und kann gar nicht glauben, wie verrückt wir sind, dass wir hier einfach hochgewandert sind. Ein Blick auf die Karte verrät, dass wir einen Höhenunterschied von 823 Metern geschafft haben. Wir genießen den Ausblick und sammeln unsere Kräfte, bevor es wieder hinuntergeht. Der Weg zurück dauert zwei Stunden.

Yosemite - image/jpeg

Nach unserer siebeneinhalbstündigen Wandern freuen wir uns riesig auf das Abendessen. Wir haben heute 11,6 km zurückgelegt, was angesichts des Höhenunterschiedes echt anstrengend ist. Wir zelebrieren unseren letzten Abend mit den Jungs vom Platz, stoßen mit einem kühlen Bier an und grillen uns die besten Würstchen seit langem.

Gegen Mitternacht kommt ein Ranger vorbei und macht uns darauf aufmerksam, dass wir unsere Lebensmittel nun in den Bärenboxen verstauen sollen. Die Bären würden zu dieser Zeit des Jahres gerade aufwachen und sich auf die Suche nach etwas Essbarem machen. Ein witziger und zugleich wahnsinniger Gedanke, dass wir all das Essen verstauen, aber ganz entspannt weiterhin am Lagerfeuer sitzen bleiben können und hier auch noch zelten …

Yosemite - image/jpeg

Unser Roadtrip ist nun zu Ende. Was wir in den vergangenen Tage erlebt haben, wird mir nicht nur in Erinnerung bleiben, sondern auch in meinem Herzen. Ich habe mich so wohlgefühlt an all den Orten, die wir in Mittel- und Nordkalifornien gesehen haben und träume schon davon, wieder zurückzukehren. Maxi und ich haben so viel erlebt und auch gemeistert, dass unsere Freundschaft weiter und weiter gewachsen ist. Eine bessere Reisepartnerin kann man sich nicht wünschen ;-).

Lisa Harings (24) schreibt auf TONIGHT.de darüber, wie sie es geschafft hat, ihr Auslandssemester komplett alleine auf die Beine zu stellen und teilt all die Momente, Eindrücke und verrückten Erlebnisse, die ihr in ihrem Auslandssemester und auf dem Weg dorthin begegnen werden. Alle Texte von Lisa findet ihr auf TONIGHT.de/travel!