"Ich habe mich noch nie so klein gefühlt!"

Allein unterwegs in den Weiten Alaskas

"Ich habe mich noch nie so klein gefühlt!": Allein unterwegs in den Weiten Alaskas "Ich habe mich noch nie so klein gefühlt!": Allein unterwegs in den Weiten Alaskas Foto: Lisa Harings
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Study at the Beach 2016: Wer bloggt hier? Study at the Beach 2016 Wer bloggt hier? Zum Artikel » Am Ende ihres Auslandssemesters macht unsere Kollegin Lisa Harings (24) noch einen Trip: ALASKA! Das erste Mal ist sie alleine unterwegs. Heute berichtet sie euch von ihren schönsten Erfahrungen und warum Alaska sie besonders verzaubert hat.

Als mein Auslandssemester im Januar 2016 begann, hatte ich mir eine Liste mit Orten gemacht, die ich gerne besuchen würde. Zugegebenermaßen waren da auch sehr utopische Ziele bei – zumindest dachte ich, sie seien utopisch. Alaska war eines davon. Einfach reisen, wohin mein Herz mich führt? Egal wie weit? Ich hatte mir lange Zeit immer eingeredet, dass Reisen geldabhängig ist. Und damit waren bis dato solche Reiseziele auch meist flach gefallen.

Wenn man aber sieben Monate lang im Ausland lebt, merkt man irgendwann, dass sich die Einstellung zu vielen Dingen ändert und man plötzlich offener wird. Spontan reist, weil man sich nicht mehr so viele Gedanken macht und kreativer bei der Umsetzung von Träumen wird. Bei mir hat hat unter anderem damit zu tun, dass ich über die Zeit hinweg oftmals in unerwartete Situationen geworfen worden bin, in denen ich gelernt habe, spontan zu handeln.

Wie ich nach Alaska reiste, um meine Träume zu erfüllen

Vier Wochen, bevor mein Auslandssemester zu Ende ist, fällt mir meine Liste wieder in die Hände. Ich habe noch vier Wochen übrig, die ich nach Herzenslust mit Reisen füllen kann. Alaska. Ein Ziel, das ich bisher belächelt habe. Wer fliegt denn schon nach Alaska? Ich. Ich werde hinfliegen.

Wer auf „normalem“ Wege eine Reise nach Alaska bucht – mit Unterkunft, Mietwagen, Verpflegung, Touren etc. – der kommt wahrscheinlich schnell auf mehrere tausend Euro. Da ich aber weder so viel Geld noch die Lust auf so eine vorgeplante Tour habe, werde ich kreativ. Ich erwische glücklicherweise einen relativen günstigen Flug für ca. 280 Dollar (Seattle – Anchorage – Long Beach). Unterkunft? Die Hostels in Anchorage sind wahnsinnig teuer. Also werde ich etwas ausprobieren, was ich mich vorher noch nie getraut habe: Couchsurfing.

Die Unterkunft finde ich auf der Website www.couchsurfing.com. Dort werden Gastgeber von Couchsurfern bewertet und man kann eine offizielle Buchungsanfrage schicken. Wie man sich für seinen Aufenthalt revanchiert, ist jedem selbst überlassen. Ich koche für meinen Gastgeber.

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Ich fliege an einem Montag nach Alaska, gleich im Anschluss an den Roadtrip mit meinen Freunden. Als wir uns in Seattle voneinander verabschieden, bin ich wahnsinnig traurig, da ich ein paar von ihnen sogar erst wieder in Deutschland sehen werde. Ich verpasse in all unserem Flughafen-Stress sogar beinahe meinen Flug. Völlig aufgeregt sitze ich im Flieger und versuche, ein wenig ruhiger zu werden. Glücklicherweise habe ich einen netten Sitznachbarn, der in Anchorage wohnt und mir anbietet, mir in den nächsten Tagen ein wenig von der Innenstadt zu zeigen.

Als wir landen, laufe ich wie benommen durch den Flughafen. Bin ich wirklich gerade in Alaska? Ich befinde mich auf gleicher Höhe wie der südlichste Punkt Grönlands. Der Gedanke daran lässt mein Herz tanzen.

Auf dem Weg zu meiner Unterkunft wird meine Freude ein wenig durch einen Zwischenfall getrübt: Meine Kreditkarte wird im Taxi abgelehnt. Und ich habe kein Bargeld dabei … Der Taxifahrer will die Polizei rufen! Glücklicherweise kann mir mein Gastgeber aushelfen. Als ich jedoch in meinem Zimmer ankomme und gerade alles geklärt ist, merke ich, dass meine Kreditkarte plötzlich weg ist! Ich bin also nun alleine in Alaska, habe kein Bargeld und nun auch keine Kreditkarte mehr. Ich könnte heulen. Im letzten Moment aber können mir meine Freunde in Long Beach aushelfen: Sie schicken mir Geld per Western Union!

Fotografie-Workshop in der Natur rund um Anchorage

Am selben Abend noch steht ein Fotografie-Workshop auf dem Plan, den ich im Internet gebucht habe. Ich versuche, den chaotischen Einstieg zu vergessen und mich ganz auf die Tour einzulassen.

Ein Fotograf holt mich im Kleinbus zusammen mit einer anderen Teilnehmerin ab. Der Kurs ist eine gute Möglichkeit, die schönsten Plätze im Umkreis von Anchorage auch ohne eigenes Auto zu erkunden. Man erhält außerdem eine individuelle Einweisung in die eigene Kamera und wertvolle Tipps, wie man mit den verschiedenen Einstellungen arbeitet. Der Fotograf bringt uns zu den spektakulärsten Aussichtspunkten. Da es so wie gut gar nicht dunkel wird zu dieser Jahreszeit, können wir sogar um halb eins nachts den Sonnenuntergang sehen!

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Einmal sehen wir sogar einen Mama-Elch mit zwei Babys in freier Wildbahn. Elche sind wahnsinnig gefährlich, gefährlicher als die hier lebenden Schwarz- und Braunbären. Wenn man einem Elch begegnet, sollte man auf die Ohren achten: Sind sie aufgerichtet, ist alles gut. Hat er sie angelegt, sollte man so schnell wie möglich das Weite suchen! Bei Bären verhält es sich anders. Bei einer Begegnung mit einem Braunbären stellt man sich tot. Trifft man hingegen einen Schwarzbären, muss man ihn laut anbrüllen und versuchen, zu verjagen.

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Unterwegs in Anchorage – Coastal Trail, Parks und Downtown

Ich erkunde Anchorage in den nächsten Tagen auf den unterschiedlichsten Wegen: An einem Tag spaziere ich zehn Stunden lang durch die Nachbarschaften und über den Coastal Trail, einem Wanderweg am Meer, der nach Downtown führt. An einem anderen Morgen fahre ich mit dem Fahrrad über die wunderschönen Fahrradwege nach Downtown Anchorage und treffe mich mit meinem netten Flugzeug-Nachbarn, der mir ein beeindruckendes Antiquitäten-Geschäft und ein Café zeigt.

In meiner Couchsurfing-Unterkunft wohnen außer mir drei weitere Couchsurfer (eine Woche vorher hatte mein Gastgeber 16 Leute da …), sowie der WG-Mitbewohner meines Gastgebers. Dieser nimmt uns netterweise an einem Nachmittag zu den Thunderbird Falls mit, zu denen man nach einer kleinen Wanderung schnell gelangt.

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Auf Roadtrip mit fremden Couchsurfern

An meinem letzten Tag geht der Flug erst nach Mitternacht. Das heißt, ich habe noch einen ganzen Tag zur Verfügung. Da das Pärchen, das ebenfalls in der gleichen Unterkunft zum Couchsurfing da ist, ein Auto gemietet hat, ergibt sich die perfekte Möglichkeit, gemeinsam auf einen Roadtrip zu gehen. Wir fahren drei Stunden lang Richtung Süden nach Seward und machen unterwegs Halt beim Exit Glacier.

Was wir auf unserer Strecke sehen, ist atemberaubend. Ich habe keine Worte für das, was ich hier sehe. Über Kilometer erstrecken sich gigantische Berge und Seen, deren Ausmaß ich nicht mal in Bildern ausdrücken kann. Wir halten immer wieder an, um Fotos zu machen. Der Weg führt uns am Cook Inlet entlang. In der gigantischen Bucht laufen die Wellen bei Flut über riesige Strecken endlos entlang. Wir sehen, wie zwei winzige Figuren auf einem Stand-Up-Paddle-Board über Kilometer einfach nur mit den Wellen dahingleiten.

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Ich nehme Platz auf einem der Felsen und lasse die Berge, das Meer, den Himmel und die Wälder auf mich wirken. Ich habe mich noch nie so klein gefühlt. Umgeben von solch einer Kulisse fühle ich mich plötzlich als Teil dieser großen, unendlichen Natur, in der alles eins ist.

Alaska ist zu einem großen Teil unberührt. Hier gibt es wenige Straßen und Gebäude und damit wenig menschlichen Einfluss. Die Wälder, die man hier sieht, sind so gewachsen. Die Seen und Flüsse und das Meer, deren Größe wir nur erahnen können, sind so entstanden. Die Bären und Elche und all die anderen Tiere, denen man hier begegnet, leben ganz natürlich in ihrer freien Wildbahn. All die Natur, die man hier sieht, ist selbst so schön gewachsen, ohne dass ein einziger Mensch bestimmt hat, wie sie aussehen soll. Das ist das allerallerschönste an Alaska.

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Als mein Tag zu Ende geht und ich in den Flieger steige, blicke ich auf vier unglaubliche Tage zurück. Das war der erste und einzige Trip, den ich in meinem Auslandssemester ganz alleine gemacht habe. Es ist eine völlig andere Erfahrung alleine zu reisen und ich bin dankbar, dass ich sie machen konnte. Alaska hat mich im Herzen berührt.

Lisa Harings (24) schreibt auf TONIGHT.de darüber, wie sie es geschafft hat, ihr Auslandssemester komplett alleine auf die Beine zu stellen und teilt all die Momente, Eindrücke und verrückten Erlebnisse, die ihr in ihrem Auslandssemester und auf dem Weg dorthin begegnen werden. Alle Texte von Lisa findet ihr auf TONIGHT.de/travel!

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