Rapper aus Düsseldorf

Kollegah – seine Karriere, seine Skandale

Rapper aus Düsseldorf: Kollegah – seine Karriere, seine Skandale Rapper aus Düsseldorf: Kollegah – seine Karriere, seine Skandale Foto: Matthias Balk/dpa
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Kollegah ist durch und durch ein Gangsta-Rapper – und eckt damit schon mal in der Öffentlichkeit an. Wie der Rapper wirklich tickt und was hinter den Antisemitismus-Vorwürfen steckt, lest ihr hier.

Wer ist eigentlich Kollegah?

Der Gangster und sein Gangsta-Rap: Wie Farid Bang ist Kollegah ein Gangsta-Rapper. Rappt von Drogen und Gewalt, Gangs und "Bitches". Dabei hat der Gangster einen eher süßen Namen. Felix Blume heißt der Rapper aus Hessen, der Teile seiner Jugend ohne Vater verbrachte.

Er ist der Sohn eines Kanadiers und einer Deutschen. Als er 15 war, konvertierte er zum Islam, auf den ihn sein algerischer Stiefvater brachte. Sein Künstlername Kollegah soll mit seinem Stiefvater zu tun haben. Bis 2005 trat er in der Rapszene noch unter dem Namen "Young Latino" auf.

Beim Bundesländerbattle in Hamburg 2005 trat er erstmals unter dem heute bekannten Künstlernamen Kollegah auf. Sein erstes kostenloses Mixtape ("Zuhältertape") folgte kurz darauf und mit diesem kam auch seine Rapper-Karriere ins Rollen.

Berühmt ist er für seine Doubletime-Raps. Die schnellen Raps, die Punchlines in seinen Rap-Battles und die typischen Gangsta-Texte verhalfen ihm zu einer treuen Fangemeinde. In vielen seiner Raps tritt er als Boss oder Alpha auf. Über das Alpha-Dasein hat der Rapper sogar ein Buch geschrieben.

Seine Raps und sein Auftreten findet aber nicht nur Anhänger. Immer wieder erregt Rapper Kollegah durch seine Texte aufsehen. Schon häufiger wurde Felix Blume Sexismus und Homophobie zum Vorwurf gemacht. Einige Zeilen in seinen Raps schüren sogar Verschwörungstheorien.

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Wie ist Kollegahs echter Name?

Der bürgerliche Name von Kollegah klingt eigentlich ganz nett: Felix Blume heißt der Rapper wirklich. Der Künstlername Kollegah soll mit seinem algerischen Stiefvater geprägt worden sein. Vor 2005 rappte er noch als "Young Latino". In seinen Raps bezeichnet er sich als Boss.

Das Image des "Big Boss" oder Alphas kommt in seinen Texten immer wieder vor. Schon in seinem zweiten Mixtape bezeichnete er sich 2006 als "Boss der Bosse". Sein erstes Solo-Album trug den Titel "Alphagene". 2011 erschien sein drittes Album "Bossaura".

Das Boss-Image setzt Rapper Kollegah strategisch ein. Er inszeniert sich als Boss von organisiertem Verbrechen, zeigt sich mit Reichtum und untergebenem Personal. Bosshaft sind für ihn Männer, die Anführer sind, sogenannte "Alphas", selbstbewusst, respektiert, gutaussehend und trainiert. Über das Boss-sein hat Kollegah sogar ein Buch geschrieben.

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Wann begann Kollegah seine Rapper-Karriere?

Zum Rap kam Kollegah 2004. Dort war er auf dem Internetportal Reimliga Battle Arena aktiv. Seine Punchlines kamen an und er Gewann einen Großteil der Rap-Battles. So wurde er auf der Plattform schnell bekannt, damals allerdings noch unter dem Namen "Young Latino".

2005 hatte er seinen ersten großen Auftritt: Er trat beim Bundesländerbattle in Hamburg an. Jetzt unter seinem heutigen Künstlernamen Kollegah. Daraufhin folgte sein erstes Mixtape, das "Zuhältertape". Das zweite Mixtape "Boss der Bosse" erschien im folgenden Jahr.

Gerade am Anfang seiner Karriere orientierte sich sein Stil an dem amerikanischen Gangsta-Rap. Bekannt ist Kollegah auch für seine Doubletime-Raps. Bei diesem Rap-Stil werden Lines in doppelter Geschwindigkeit gerappt – und das noch immer zum Beat.

Seine Doubletime-Raps und die harten Punchlines verhalfen Kollegah zu einem wachsenden Bekanntheitsgrad. Schon sein zweites Mixtape "Boss der Bosse" wurde von dem Szene-Magazin "Juice" zum Mixtape des Monats ernannt.

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Seinen ersten großen Erfolg feierte Kollegah dann mit seinem im August 2008 veröffentlichtem zweitem Solo-Album "Kollegah", dass es auf den 17. Platz der deutschen Albumcharts schaffte. Daraufhin folgten Hip Hop Auszeichnungen für die beste Punchline und das beste Mixtape und 2014 das erste Album, das es auf Platz eins der Albumcharts schaffte.

Regelmäßig stand Rapper Kollegah in der öffentlichen Kritik aufgrund seiner sexistischen und homophoben Texte. Sogar Antisemitismus wird dem Rapper aufgrund einiger Lines in seinen Songs und antisemitistischen Symbolen in seinen Musik-Videos vorgeworfen. Seinem Erfolg tat die Kritik keinen Abbruch. Im Gegenteil: Trotz Kritik und Indizierung des Albums "Jung Brutal Gutaussehend" hat der Gangsta-Rapper viele junge Fans.

2018 erschien Kollegahs Buch "Das ist Alpha!: Die 10 Boss Gebote". Das Buch ist eine Anleitung zum Boss-sein. In diesem Buch schreibt Kollegah über sein Leben und erzählt, wie sich ein Alpha verhält. Es geht um selbstbewusstes Auftreten, Fitness und Motivation.

Ausgerechnet der Gangster-Rapper Kollegah fordert in seinem Buch zum Respekt gegenüber Frauen auf und distanziert sich vom Drogenkonsum. Sexistisch bleiben seine Ratschläge über Frauen dennoch. Das Buch spricht vor allem seine junge, männliche Fangemeinde an.

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Was sind die erfolgreichsten Alben und Songs von Kollegah?

2007 veröffentlichte Kollegah sein erstes Solo-Album "Alphagene", dass sich über 20.000 Mal verkaufte. Den ersten Platz der Albumcharts erreichte der Rapper dann 2014. Das Album "King" schaffte es in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz eins und verkaufte sich 315.000 Mal.

"King" ist sein bisher erfolgreichstes Album, das sich am häufigsten verkaufte und am längsten den ersten Platz der Albumcharts hielt. Auch die nächsten Alben erreichten jeweils den ersten Platz der Albumcharts und hielten sich dort über mehrere Wochen. Kollegah wurde von HipHop.de mehrmals für das beste Album, die beste Punchline und den besten Rap-Solo-Act nominiert.

Seinen ersten und bisher einzigen Nummer eins Hit in den Charts landete der Rap-Song "Sturmmaske auf" aus dem Album "Jung Brutal Gutaussehend 3", dem gemeinsamen Kollaboalbum mit Rapper Farid Bang. Weitere Raps des Albums wie "Gamechanger" und "Ave Maria" waren 2017 ebenfalls in den Top 10 anzutreffen.

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Kollegah bedient das Genre Gangsta-Rap – was bedeutet das?

Sex und "Bitches", Waffen, Gewalt, Kriminalität – beim Gangsta-Rap geht es um diese Themen. Ursprünglich stammt der Rap-Stil aus den USA. Er zeichnet sich durch aggressive Texte mit vielen Schimpfwörtern aus. Eine Stilrichtung die Kollegah seit Beginn seiner Karriere mit harten Punchlines bedient.

Sein Gangsta-Rap brachte ihn schon so manches Mal in Schwierigkeiten: Homophobie, Gewaltverherrlichung und Frauenfeindlichkeit werden Kollegah immer wieder vorgeworfen. Sätze wie "ich beauftrage erlaubte Vergewaltigung von Bordsteinschlampen" und "Kid, ich würde lügen, wenn ich sagen würde: Nein, ich habe nie 'ne minderjährige Bitch missbraucht" sehen viele Hörer als höchst problematisch.

Andere erklären die frauenfeindlichen, gewaltverherrlichenden und homophoben Zeilen als künstlerische Darstellung des Gangsta-Raps, dessen Stil sich dieser Sprache bedient. Vor allem ginge es in den Rap-Battles darum, das Gegenüber zu beleidigen.

Doch auch jenseits von Rap-Battles überschreitet Kollegah bewusst Grenzen und bricht Tabus. Als Konsequenz wurde das erste Kollaboalbum mit Farid Bang "Jung Brutal Gutaussehend" indiziert. 2018 drohte ihm sogar ein Strafprozess aufgrund von antisemitistischen Sätzen in seinen und Rapper-Kollege Farid Bangs Raps. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt.

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Hat Kollegah eine Freundin?

Lange war nichts bekannt um das Privatleben des Rappers Kollegah, außer ein paar Zeilen im Song "Das Licht" von 2011. 2018 erwähnt er seine Freundin erneut. Im Outro von "Monument" des gleichnamigen Albums rappt er:

"Und all das wäre nie passiert, wenn du nicht da wärest / Wie oft sagst du, 'Schütz unseren letzten Rest Privatsphäre! / Erwähn mich nicht, keiner soll ahn'n, dass es mich gibt!'? / Doch ich hab' 2011 schon gesagt, 'Du bist mein Licht!'"

Aus dem Rap-Song von 2011 ist bekannt, dass die Frau an Kollegahs Seite pechschwarze Haare und ein goldenes Herz hat. Mehr weiß man über die Angebetete des Rappers nicht. Aus den zwei Raps lässt sich jedoch schließen, dass er seit 2011 mit der gleichen Frau zusammen ist.

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Was hat Kollegah mit Verschwörungstheorien zu tun?

Kollegah wird immer wieder mit Antisemitismus in Verbindung gebracht. Der Rapper soll in Songs wie "N.W.O." von 2013 und "Apokalypse" von 2016 antisemitistische Symbolik verwenden. Er rappt hier von einer neuen Weltordnung und einer geheimen aber mächtigen Gruppe, die das Weltgeschehen lenkt.

Problematisch im Video zu "Apokalypse" ist, dass der Teufel mit einem Ring mit Davidstern abgebildet wird. Die Schlacht gegen das "Böse" mit Kollegah als der Anführer der "Guten" findet außerdem in Ostjerusalem statt. Das Video wurde von YouTube entfernt.

Antisemitismus-Debatte: Kollegah bei der Echo-Verleihung 2018 – was ist passiert?

Das Kollaboalbum "Jung Brutal Gutaussehend 3", dass Kollegah zusammen mit Farid Bang veröffentlicht hatte, wurde für den Musikpreis Echo 2018 nominiert. Trotz Kritik aufgrund antisemitistischer Zeilen in einigen Songs gewannen sie diesen am 12. April 2018 – ausgerechnet am Holocaustgedenktag in Israel.

Die Zeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" und "Mache wieder mal nen Holocaust, komm an mit dem Molotow", die Kollegahs Rap-Kollege Farid Bang im Song "0815" rappte stoß schon vor der Echo-Verleihung auf Kritik.

Die von Kollegah gerappte Zeile "Ich fick' sie, bis ihr Steißbein bricht" stoß ebenfalls auf Empörung. Er selbst erklärt in einem Stern-Interview, dass die Zeile als Ganzes angesehen werden muss. Denn es handelt sich um ein Wortspiel mit dem englischen Begriff "Broke-Ass-Bitch", was übersetzt "arm" bedeutet, wörtlich übersetzt jedoch "Steißbeinbruch-Bitch".

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Dass die beiden Rapper nicht von der Verleihung ausgeschlossen wurden und den Echo Musikpreis auch noch gewannen, stoß bundesweit auf Empörung. Viele Musiker und Echo-Gewinner kritisierten die Verleihung nicht nur, sie gaben auch ihren Echo zurück. Daraufhin wurde die Preisverleihung eingestellt. Die Nominierung und Verleihung des Musikpreises soll von Grund auf überarbeitet werden.

Nach der Echo-Preisverleihung wurden Farid Bang und Kollegah wegen Volksverletzung angezeigt. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt, da die Zeilen zur künstlerischen Freiheit gehören und beleidigende und verletzende Zeilen im Gangster-Rap nicht unüblich sind.

Im Juni lud das Internationale Auschwitz-Komitee die beiden Rapper zur KZ-Gedenkstätte nach Auschwitz ein, damit diese die Geschichte des Holocausts mit eigenen Augen ansehen konnten. Kollegah beschreibt den Auschwitz-Besuch in einem Stern-Interview als eine "aufwühlende, klärende Erfahrung" und beteuert nicht mehr über den Holocaust zu rappen. In seinem 2018 erschienenen Buch erwähnt Kollegah den Echo-Eklat nicht.

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