Omer Klein

"Ich kann zu Fuß zu meinem Konzert gehen"

Omer Klein: "Ich kann zu Fuß zu meinem Konzert gehen" Omer Klein: "Ich kann zu Fuß zu meinem Konzert gehen" Foto: Hildener Jazztage
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Der Düsseldorfer Jazz-Pianist veröffentlicht am Freitag sein neues Album. Tags drauf präsentiert er die Stücke im Robert-Schumann-Saal.

Den israelischen Jazzpianisten Omer Klein in seiner Wahlheimat Düsseldorf zu treffen, ist nicht leicht. Er ist viel unterwegs. Doch trotz des engen Zeitplans ist der 32-Jährige beim Interview entspannt und gut gelaunt. Er freut sich auf das Ende des Monats. Am 27. Februar erscheint sein sechstes Album "Fearless Friday", das erste mit neuem Trio. Am 28. wird er im Rahmen des neuen Festivals "Spot on Jazz" mit diesem neuen Programm zum ersten Mal im Robert-Schumann-Saal auftreten und damit eine große internationale Tournee starten.

Was bedeutet der Titel Ihres neuen Albums "Fearless Friday"?

Klein Ich gebe meinen Stücken meist Titel, die mir spontan beim Komponieren einfallen. Oft kommen sie aus dem Unterbewussten und lassen sich nicht erklären. Wie die Musik selbst haben auch sie einen eigenen Klang. Bei "Fearless Friday" gefiel mir das zweifache "F". Und was die Bedeutung betrifft: Eine CD "Furchtlos" zu nennen, wäre zu hoch gegriffen. "Furchtloser Freitag" dagegen schien mir durchaus passend, zumal in dem Wort "furchtlos" - anders als bei "mutig" - die Furcht noch enthalten ist.

Sie haben einen neuen Schlagzeuger. Was hat sich dadurch geändert?

Klein Es ist ein und dasselbe Stück, "Turquoise Memories". Die erste Hälfte davon habe ich bereits mit 16 geschrieben. Und dann habe ich 16 Jahre lang nach der Fortsetzung gesucht. Plötzlich, als wir schon in der Planungsphase für CD und Tour waren, fiel mir der zweite Teil ein. Ich stand unter der Dusche, pfiff den Anfang vor mich hin und auf einmal war alles da: Melodie, Harmonien und Rhythmuswechsel. Ich brauchte es nur noch niederzuschreiben.

Was bedeutet Ihnen Ihr Auftritt beim neuen Festival "Spot on Jazz" am Wochenende?

Klein Seit dem Tag, an dem ich hierhergezogen bin, habe ich mir gewünscht, im Schumann-Saal zu spielen. Dass Peter Weiss mich nun gefragt hat, macht mich glücklich. Es ist etwas Besonderes, vor so vielen Menschen aus unserer Region spielen zu dürfen, und dann auch noch bei einem Festival, bei dem das Klavier im Mittelpunkt steht. Zugleich ist dieses Konzert unser Tourneestart. Dass unsere internationale "Fearless Friday"-Tour von Düsseldorf ausgeht, wo ich die meisten der Stücke komponiert habe, hat für mich symbolische Bedeutung. Und wissen Sie, was das Beste ist? Ich kann zu Fuß zum Konzert gehen.

Sie wurden in Israel geboren, waren eine Zeit lang in New York und leben seit fünf Jahren in Düsseldorf. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Klein In meiner Wohnung. Das erinnert mich an ein Zitat von Woody Allen. Zu dem Gedanken, dass es ein Vorteil von Künstlern sei, nach ihrem Tod in den Herzen der Menschen weiterleben zu können, soll er gesagt haben: "Vielen Dank! Aber ich bevorzuge es, in meinem Apartment weiterzuleben!"

Spielt das Land, in dem sich dieses Apartment befindet, eine Rolle?

Klein Scherz beiseite: Dass ich als international auftretender Musiker so viel reise und auf drei verschiedenen Kontinenten gelebt habe, wirkt sich natürlich auf das Heimatgefühl aus. Was ein bisschen traurig erscheinen mag, ist, dass ich einerseits nirgendwo ganz zu Hause bin. Andererseits aber fühle ich mich dadurch auch an vielen Orten wohl.

Nennen Sie mir drei Dinge, die Sie an Ihrer Wahlheimat Düsseldorf besonders lieben?

Klein Wenn ich joggen gehe, bin ich von meiner Wohnung aus in fünf Minuten am Rhein. Das ist ein schönes Bild: Der Sonnenuntergang, der sich im Rhein spiegelt, der Fernsehturm, die Gebäude im Hafen und die Menschen, die wie ich am Wasser entlanglaufen. Das ist einer meiner Düsseldorf-Momente.

Zweitens?

Klein Natürlich liebe ich die Jazz-Schmiede. Neben den Kirchen, Moscheen und Synagogen gibt es einen weiteren Sakralbau in jeder Stadt. Das ist der Jazz-Club. Seine Religion ist sehr liberal. Die Leute kommen dort zusammen, um etwas zu hören, etwas zu sehen und über etwas zu sprechen, was sie alle interessiert. Das ist der Jazz.

Und drittens?

Klein Ich mag es, ins K20 zu gehen und mich mit den Kunstwerken zu unterhalten. Denn all diese großartigen Künstler des 20. Jahrhunderts haben sich mit abstrakten Ideen auseinandergesetzt. Auch sie sagen dir etwas, das sich in Worten nicht mitteilen lässt. Das hat viel mit Musik zu tun. Wenn ich diese Bilder betrachte, höre ich oft im Kopf eine deutliche Melodie, an die ich mich aber später nicht mehr erinnern kann. Das ist wie Musik in einem Traum.

Quelle: RP