"Forest full of drums2

Zwei Musiker vertonen den Aaper Wald

"Forest full of drums2: Zwei Musiker vertonen den Aaper Wald "Forest full of drums2: Zwei Musiker vertonen den Aaper Wald Foto: ddp
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Für Spaziergänger muss das komisch ausgesehen haben: Ein Mann sitzt im Wald am Schlagzeug und trommelt, ein anderer steht abseits und fängt den Klang mit einem Mikrofon ein. Vier Mal konnte man Stefan Schneider und Paul Wirkus in den vergangenen 18 Monaten beim Einsatz unter Bäumen beobachten. Dann war sie fertig, die Vertonung des Aaper Waldes, die nun unter dem Titel „Forest full of drums“ als Platte erscheint. Sie wollten zuerst bloß wissen, wie ein Schlagzeug im Wald klingt, sagt Stefan Schneider, der bei Bernd Becher an der Akademie studiert hat, Mitglied der Band Kreidler war, zu To Rococo Rot gehört und solo unter dem Namen Mapstation musiziert. „Reggae-Musiker gehen ähnlich vor, sie hören sich Sounds in der Natur an und versuchen sie dann nachzuspielen.“ Das war das Ziel: Natur in Klang übersetzen. Also karrten sie Trommeln in den Wald, es regnete an diesem Tag, und das war ein Glück.

„Als die Tropfen auf die Felle klatschen, merkten wir, was für ein interessanter Klangraum der Wald ist.“ Blätterrauschen, Hundegebell, von Ferne das Summen der Autobahn, das Motorengeräusch eines Treckers, ein Flugzeug im Vorüberflug: Alles kann man hören auf „Forest full of drums“, dazu verhaltene Electronica. Dabei funktioniert das Album nicht als Live-Aufnahme. „Wir haben verschiedene Elemente aus den vier Sitzungen variiert und bearbeitet und neu zusammengesetzt“, sagt Schneider.

Die Platte startet mit einer Feldaufnahme, mit Gewitter im Wald, und nach und nach kommt Percussion hinzu. „Irgendwann benutzten wir nicht mehr nur das Schlagzeug , sondern Dinge, die herumlagen.“ Das klingt charmant und fesselt, es beruhigt. Jazz-Schlagzeuger Paul Wirkus baute ein Xylophon aus Stöckchen, spielte auf dem Wald, spielte den Wald. „Wie Land Art“ sei das gewesen, sagt Schneider. Man gehe an einen Ort, schaffe dort mit dem Vorhandenen etwas und verlasse ihn wieder, ohne etwas zu hinterlassen.

Schneider und Wirkus bewegen sich mit ihrem Projekt in einer Tradition, die in die 70er Jahre reicht. Damals begaben sich die Free-Jazzer Peter Brötzmann und Hans Bennink auf „Schwarzwaldfahrt“. In den 90er Jahren verwendete Techno-Musiker Wolfgang Voigt Geräusche aus dem Kölner Stadtwald für das Album „Königsforst“.

Der Wald macht Musik. Wenn man so will, ist es also kein Duo, das da musiziert, sondern ein Trio. Auf die Plattenhülle schrieben Schneider/Wirkus denn auch: „Thanks to the forest“.

Info: „Forest full of drums“ von Mapstation und Paul Wirkus erscheint am 28. März als LP und Download. Bereits jetzt kann man das Album bei „A&O“ in den Schadow Arkaden kaufen.

Quelle: rpo