Verleihung in Köln

Deutsche Comedy-Branche feiert sich selbst

Verleihung in Köln: Deutsche Comedy-Branche feiert sich selbst Verleihung in Köln: Deutsche Comedy-Branche feiert sich selbst Foto: dpa, hka kde / O. Maschke
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In Köln wurde am Dienstagabend die Verleihung des Deutschen Comedy-Preises ausgetragen. Die Sendung extra3 (NDR) wurde als beste Satire-Show ausgezeichnet. An der Unabhängigkeit der Jury kommen indes Zweifel auf.

Wenn sich die deutsche Humorbranche zum Deutschen Comedypreis trifft, gleicht das einem Klassentreffen: Jahr für Jahr die gleichen bekannten Gesichter.

Es gibt die schüchternen Pullunder-Träger, das sexy Alphaweibchen und die aufgedrehte Ballermann-Sängerin. Kurz: Es trifft sich, worüber Fernseh-Deutschland lacht. Und worüber die Zuschauer besonders lachen, konnte in Köln die begehrte Trophäe abstauben. In zwölf Kategorien wurde das metallische Ei verliehen.

Moderiert wurde der Comedypreis in diesem Jahr zum ersten Mal von dem Comedian Max Giermann. Der 41-Jährige löste Carolin Kebekus nach zwei Jahren ab, wie RTL mitteilte.

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Kebekus war selbst gleich zweimal nominiert - mit ihrer WDR-Show "Pussyterror" in der Kategorie "beste Comedyshow" und als "beste Komikerin". In Letzterer sahnte die Komikerin den begehrten Preis tatsächlich ab. Durchgesetzt hat sie sich gegen Mirja Boes und Enissa Armani, die 2015 als beste Newcomerin geehrt wurde. 2015 nahm Kebekus das metallische Riesen-Ei zudem für Programm "Pussyterror" mit nach Hause.

Frei nach dem Motto "das Beste kommt zum Schluss" gab es - begleitet von tosendem Beifall - den Deutschen-Comedy-Sonderpreise für das Format "Zimmer frei!" (WDR). Damit wird das Team für die 20-jährige Erfolgsgeschichte geehrt. ";Zimmer frei!‘ hat Fernsehgeschichte geschrieben", betonte Moderator Max Giermann, der charmant durch den Abend führte. "Ich weiß nicht, ob wir mit unserer heutigen Show Fernsehgeschichte schreiben werden, auf jeden Fall war dies der beste Deutsche Comedypreis des Jahres", scherzte er weiter.

extra3 (NDR) freut sich über Preis

Dieter Nuhr hielt die Laudatio für die Auszeichnung "Beste Satire-Show". Mit politischer Aussage: "Ich hatte schon Sorge, dass wir die Beste-Satire-Show nicht auszeichnen dürften, denn bis vor Kurzem schien es, als sei Satire nicht mehr erlaubt", sagte der Komiker. "Natürlich geht auch in der Satire nicht alles, Satire darf zum Beispiel keine Ziegen ficken, da habe ich mich informiert."

Den Preis räumte extra3 (NDR) ab und ließ damit das Neo Magazin Royale (ZDFneo) und die heute-show (ZDF) hinter sich. Dankend nahm der in Düsseldorf lebende extra3-Moderator Christian Ehring den Preis entgegen. Der sei ein Trost. "Unsere Beziehung zu Erdogan sind nun leider abgekühlt", sagte er. "Aber gut, wir sind ein kleines Satire-Magazin, er ist der größte Komiker seines Landes."

Auch Dieter Nuhr konnte sich über eine Auszeichnung freuen. Mal wieder. Er wurde zum vierten Mal als "Bester Komiker" Deutschlands ausgezeichnet. Insgesamt hat er schon fünf Eier in der Vitrine stehen. Pech für Luke Mockridge und Ralf Schmitz.

Als Beste Sketch-Show wurde Sketch History ausgezeichnet, die vom Urzeitmenschen bis zu den wilden 70ern alles verulkt, was zum Kanon der Menschheitsgeschichte gehört.

Grüße aus dem Wasserbecken

Deutscher Comedypreis 2016: Lustige Menschen auf dem roten Teppich Deutscher Comedypreis 2016: Lustige Menschen auf dem roten Teppich Deutscher Comedypreis 2016: Lustige Menschen auf dem roten Teppich Deutscher Comedypreis 2016 Lustige Menschen auf dem roten Teppich 8 Fotos Beste Stand Up-Show wurde NightWash (ONEI). Unter Ovationen wurde Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser auf die Bühne gebeten, der die Fernsehshow elf Jahre lang moderierte. "Wir haben schon Stand-Up-Comedy gemacht, als der Begriff noch nicht bekannt war. Und wir werden weitermachen", sagte er stolz.

Der Tatortreiniger setzte sich als Beste Comedyserie durch. Zwar konnte Tatortreiniger "Schotty" (Bjarne Mädel) aufgrund eines "Einsatzes" nicht persönlich die Trophäe abholen, aus einem Wasserbecken heraus dankte er jedoch für die Ehrung. "Was soll ich sagen, Arbeit ist die wärmste Jacke", entschuldigte er sein Fehlen.

Auch Mario Barth holte seine Auszeichnung als bester Live-Act nicht persönlich ab. "Er wollte gerne kommen, aber er hatte keine Lust", merkte Laudator Olaf Schubert an. Vielleicht werden Mario Barth die ständigen Besuche im Coloneum – es ist inzwischen sein zehnter Preis – langsam auch zu stressig. Per Live-Schaltung dankte er dann aber doch dafür.

Als Beste Innovation setzte sich die Dramedy-Serie Familie Braun (ZDF) durch. "Als wir damals anfingen, sagte man uns, zwei Nazis und ein Kind, das will doch keiner sehen. Macht doch lieber eine schöne Folge Traumschiff", sagten die Hauptdarsteller Vincent Krüger und Edin Hasanović. "Gut, dass sich diese Leute geirrt haben."

Die Dauer-Preisträger

Insgesamt gab es wieder wenige Überraschungen: Böse Zungen mögen gar sagen, dass sich Jahr für Jahr dieselben deutschen Comedians gegenseitig einen Preis überreichen. Tatsächlich kommen an der Unabhängigkeit der Jury Zweifel auf, bedenkt man, dass Dieter Nuhr deren Vorsitz innehat.

Und dass Jurymitglied Ralf Günther nicht nur Geschäftsführer der Köln Comedy Festival GmbH ist, sondern auch Gesellschafter und Mitgründer der Produktionsfirma Brainpool, die wiederum mehrere der nominierten Sendungen produziert, tut sein Übriges.

Aber gut: Wenn uns die deutschen Comedians eines gelehrt haben, dann wohl, dass man nicht immer alles so ernst nehmen sollte. Das gilt letztlich auch für eine Preisverleihung.

Der Deutsche Comedypreis wird am kommenden Samstag ab 22.15 Uhr bei RTL ausgestrahlt.

Quelle: RPO