Girardet-Brücke in Düsseldorf

Heute heißt es "Pokémon go home"

Girardet-Brücke in Düsseldorf: Heute heißt es "Pokémon go home" Girardet-Brücke in Düsseldorf: Heute heißt es "Pokémon go home" Foto: Ruhnau
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Die Brücke wird an diesem Mittwoch zum letzten Mal für die Monsterjäger gesperrt. Mülleimer, Toiletten und Bänke werden weggeräumt. Der OSD wird dafür sorgen, dass beim Gourmet-Festival die Smartphone-Spieler niemanden stören.

Am Ende ging's noch mal um alles: Touristen kamen, um kopfschüttelnd die Massen anzugucken, die auf der Girardet-Brücke auf ihre Handys starren ("Ach, das ist also diese Spiele-Brücke?"), auswärtige Pokémon-Jäger ließen sich eilig die Koordinaten der Königsallee ("Wie heißt die Straße?") aufs Navi schicken, um wenigstens einmal an Deutschlands wohl berühmtesten Pokéstop gejagt haben zu können und ein Jung-Unternehmer warb mit Riesen-Pikachu und Reisebus für einen Ausflug nach Paris.

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Am Mittwochmorgen lässt das Gartenamt die Bänke, die anfangs ordnungswidrig, später mit oberbürgermeisterlicher Erlaubnis von der Kö auf die Girardet-Brücke geschleppt worden waren, zurück an ihre Plätze stellen. Einzeln fährt ein kleiner Radlader die Bänke zurück zwischen die Bäume entlang des Kö-Grabens, die Awista hat bereits den groben Dreck der Nacht entfernt. Unbeeindruckt sitzen zunächst noch Jan und Thomas mit ihren Handys auf einer Bank.

"Wir arbeiten in der Nähe und haben uns seit einer Woche hier morgens getroffen", sagt Jan, dem es abends zu voll und dreckig war. "Da konnte man den Asphalt vor lauter Leuten nicht mehr sehen", sagt auch Thomas. Die beiden müssen zwar in Zukunft auf die Sitzgelegenheit mitten auf der Brücke verzichten, wollen sich aber weiter dort treffen - noch hat Entwickler Niantic nicht auf die Bitte der Stadt reagiert, die Pokè-Stops abzuschalten.

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Nachmittags werden die Mietklos und die Abfalleimer abgeholt, letztere waren ohnehin nicht sonderlich konsequent von den Spielern genutzt worden. Immer öfter war die Brücke, die die Stadt seit Wochen täglich für die Jäger virtueller Comic-Monster sperren ließ, am späten Abend völlig vermüllt. Anwohner und Passanten störten sich an Marihuana-Wolken und Musik, die bisweilen nicht nur zu laut, sondern auch von verfassungsfeindlichem Inhalt gewesen sein soll.

Gourmetfestival auf der Kö startet

Die sich häufenden Beschwerden aber sind nicht allein der Grund dafür, dass Schluss sein wird mit Pikachu & Co. Das Gourmetfestival auf der Kö war bereits geplant, als die Jagd auf die Pokémon noch lange nicht eröffnet war, zum NRW-Geburtstag werden am Wochenende Tausende Menschen erwartet, kurz: Der Platz wird gebraucht.

Und auch wenn der selbst ernannte Sprecher der Spieler, die die Girardet-Brücke Anfang Juli gewissermaßen im Hand(y)streich übernommen haben, am Dienstag dramatisch im Internet verkündete, die letzten Tage der Brücke seien gekommen: Die Girardet-Brücke bleibt. Die Stadt möchte auch nicht, wie der junge Mann, der sich Mike Pernox nennt, mitteilte, "die Kö für immer auflösen". Sie möchte nur, dass die Spieler gehen.

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Wenn am Mittwoch zum letzten Mal die Sperrschilder abgeräumt werden, wird der OSD darauf achten, dass kein Pokémonjäger sich selbst oder andere gefährdet, indem er auf der Fahrbahn oder zu dicht an deren Rand steht, um weltvergessen im Handydisplay Monster zu suchen. Wer freundlichen Aufforderungen nicht nachkommt, muss mit Ärger rechnen. Gleiches gilt beim Gourmetfestival, das schon seine ersten Schlemmerzelte aufgeschlagen hat. Sollten sich Gäste und Veranstalter durch rücksichtslose Spieler gestört fühlen, kann das sogar zum Platzverweis durch die Polizei führen.

Dass der OSD sich mit verstärkten Streifen darauf einstellt, ist wohl nicht unbegründet: Der Standort hat auch ohne Dixi-Klo seine Attraktivität für die Spieler nicht verloren. Der Wunsch aus dem Rathaus, zumindest einen Teil der vier so genannten Pokéstops abzuschalten, ist beim Spieleentwickler Niantic in San Francisco bislang unerhört geblieben.

In den verschiedenen Spieler-Netzwerken werden deshalb bereits Wege diskutiert, wie man das städtische Aus für den gesperrten Spielplatz umgehen kann. Dabei bietet der eingangs erwähnte Düsseldorfer eine Alternative: Er hat eine Firma gegründet, einen Bus gechartert und will möglichst viele Spieler für kleines Geld an den Eiffelturm bringen. Freitag geht's los – wie das Gourmetfest an der Kö.

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Quelle: RP