Alter Mann versucht zu überleben

Call of Duty: Black Ops 3 - Beta-Eindrücke

Alter Mann versucht zu überleben: Call of Duty: Black Ops 3 - Beta-Eindrücke Alter Mann versucht zu überleben: Call of Duty: Black Ops 3 - Beta-Eindrücke Foto: Activision

Verschiedene Klassen, deftige Spezialfähigkeiten und ein bunter Sack vollgepackt mit tödlichen Drohnen und einer Armee aus Robotern: Wir haben das Wochenende mit der Closed Beta verbracht und berichten, warum das Spiel noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

„Ich bin zu alt für Call of Duty!“ Diese Einstellung habe ich in den letzten Jahren nicht nur stets öffentlich verkündigt, sondern auch immer mehr in mich selbst hinein gefressen. Ich bin ein gemütlicher Spieler geworden, jemand der Spaß an billigen Quick Time Events und simplen Mechaniken gefunden hat, jemand, der schon lange nicht mehr präzise zielen, geschweige denn im Millisekunden-Takt reagieren kann.

„Call of Duty“ verlangt mir im Mehrspieler-Modus dementsprechend viel ab: Die Kids da draußen rennen wie auf Steroiden über die Maps, erkennen mein Pixelhaupt binnen weniger Sekunden und setzen Headshot nach Headshot. Ich küsse öfters den Asphalt, springe in bodenlose Abgründe, oder jage mich mal wieder selbst mit einer Granate hoch, weil ich den Auslöser zu lange gedrückt halte.

"Paint It Black!" "Call of Duty: Black Ops 3" 39 Fotos

Nach fast 7 Jahren Call of Duty – damals zockte ich noch Runde um Runde im ersten Modern Warfare, welches 2007 erschienen ist – bin ich der Serie überdrüssig geworden. Black Ops 2 habe ich links liegen lassen (ein Fehler!), „Advanced Warfare“ konnte mich nur kurzfristig unterhalten. Lange nicht genug, um meine motorischen Fertigkeiten so zu schulen, um tatsächlich „mitspielen“ zu können.

Immerhin (und da mag ich alleine auf weiter Flur sein) mag ich die Einzelspieler-Erfahrung der Serie, der schnelle Action-Fick für zwischendurch, das Hollywood-Explosions-Inferno, zelebriert über mehrere kurze Sessions, oder durchgespielt an nur einem Abend. Hirn aus, Ballermann an.

In der Closed Beta zu Black Ops 3 muss ich umdenken, mich meiner alten „Skills“ besinnen: „Call of Duty ist wie Fahrrad fahren, verlernt man nicht so schnell.“ denke ich, und sterbe tausende Tode. Eine K/D-Rate von Nullkomma-Nullstens begleitet mich durch die ersten Runden, doch langsam kommt es wieder, dieses Kribbeln in den Fingern, dieses ungemein befriedigende „Pfft, Pfft, Pfft“ wenn mein Fadenkreuz tatsächlich mal auf einem Gegner landet... und diesen in den seltensten Fällen sogar umnieten kann.

Mit Pfeil und Bogen... oder Granatwerfer

Die größte Neuerung: Gleich zu Beginn muss ich mich für eine von mehreren Klassen entscheiden. Oder besser: Einen von mehren Helden. „Ruin“ ist ein fieser Söldner, der aus dem Sprung heraus seine „Gravity Spikes“ hervorholt und auf den Boden krachen lässt. Dieser Angriff tötet praktisch alles, was sich um den Explosionsradius befindet.

Outrider“ hingegen trägt einen Cyber-Bogen mit sich und huscht verborgen unter ihrer Kapuze über das Schlachtfeld. Jeder Pfeil ist ein Garant für gute Laune: Die Geschosse bohren sich durch jede Rüstung und explodieren nach wenigen Millisekunden. Das Ergebnis: Hackfleisch. Und Gegner, die aufgrund der Explosion mehrere Meter weit zurück geschleudert werden.

Prophet“ kommt mit einem Lasergewehr ins Spiel, „Battery“ greift zur passend benannten „War Machine“, einem Granatwerfer, der ganze Flure von Gegnern bereinigen kann. Der Clou: Jede Klasse kommt mit zwei besonderen Fertigkeiten daher, ins Spiel übernehmen dürft ihr jedoch nur eine davon.

Wirklich nutzen dürft ihr Bogen, Lasergewehr und Granatwerfer erst nach einer gewissen „Cooldown“-Zeit, einmal aktiviert tut ihr gut daran nicht zu sterben und die Fertigkeit so effektiv wie möglich zu nutzen. Wer stirbt, darf dem Cooldown-Balken wieder erneut dabei zuschauen, wie er sich langsam auflädt.

Neben Prophet, Outrider, Ruin und Battery spielt ihr im abermals anwesenden Level-up-Rennen auch neue Klassen frei, darunter den Roboter „Reaper“ oder den gerissenen „Spectre“, der über eine aktive Tarnung verfügt. Da fällt die Auswahl gar nicht so leicht: Wo soll ich meine pro Level up erspielten Münzen am besten hineinstecken? Schalte ich einen neuen Helden frei? Eine neue Fähigkeit? Oder packe ich meine Ersparnisse doch besser in neue Waffen, Perks oder Killstreaks?

Richtig, da war doch noch was: Während simple Spieler wie meiner einer noch immer gerne zur Standard-Ausrüstung greifen, die einfach mit dem gewählten Helden gekoppelt wird (von Sniper-Gewehr bis zum leichten MG), stehen euch abermals gleich fünf Slots für komplett selbst zusammengestellte Loadouts zur Verfügung.

Parkours-Profis am Werk

Genug gebastelt, kommen wir fix zum Spiel: Basierend auf dem Pfad, den bereits „Advanced Warfare“ vorgegeben hat (Drohnen, Jetpacks, schnelle Bewegungen), entpuppt sich „Black Ops 3“ schnell als akrobatisches Ballervergnügen mit hohem Skillcap. Wer die Sprung-Taste gedrückt hält kommt mit einem Schub ziemlich hoch, wer die Sprung-Taste mehrere Male für kurze Zeit triggert, schwebt mühelos von Gebäude zu Gebäude, oder über tiefe Abgründe hinweg.

Auch der schnelle „Slide“ über den Boden ist wieder mit dabei, ebenso wie der aus Titanfall-bekannte „Wallrun“: Parkour-Profis rennen an Wänden lang, springen mit ihrem Jetpack über die Köpfe der Gegner und landen auf dem Boden, um gleich in einen „Slide“ überzugehen. Das hat in der Abfolge der Akrobatik durchaus Vergleichswert mit Tony Hawk, lediglich ein 900er, oder ein „Kickflip McTwist“ fehlen im Arsenal.

Genial: Selbst bei komplexen Wallruns finde ich irgendwie die Zeit mein Fadenkreuz auszurichten und gleichzeitig auf Gegner zu ballern – natürlich frei von jeglichem Baller-Realismus, würde mich der Rückstoß meines LMG ansonsten doch sicher nicht am Gebäude „kleben“ lassen.

Das Wichtigste: Selbst ich als Über-Noob finde schnell Spaß an der flüssigen Bewegung, werde angespornt den Ablauf und den Elan miteinander zu kombinieren und weiter zu perfektionieren. Was mir immer wieder dazwischenfährt ist die extrem kurze Zeit, die ich überhaupt am Leben bin: Ein virtuelles Leben in "Call of Duty: Black Ops 3" dauert meist zwischen 5 bis 30 Sekunden, keine gute Grundlage für akrobatische Verknüpfungen. Dennoch: Der Wille ist da, nur das Fleisch ist schwach.

Jede Menge Modi

Für mich am besten funktioniert auch Black Ops 3 in eben den Modi, in denen ein konkretes Ziel vorgegeben ist: Während ich im Team-Deathmatch-Dauerfeuer untergehe und kaum Land sehe, unterhalten mich Modi wie „Uplink“ („Bringt den „Ball“ ins gegnerische Tor“) und „Hardpoint“ mit stets neuen Spielbedingungen über Stunden.

Schade nur, dass die Sony-Server dem Ansturm der Beta nicht gewachsen zu sein scheinen: Spiel-Abbrüche und Verbindungsfehler nehmen einen Großteil meiner Geduld für sich ein, zur Prime-Time am Abend funktioniert kaum etwas so, wie es eigentlich sollte.

Noch ein kurzes Wort zu den Maps der Closed Beta: Man merkt dem Spiel deutlich an, dass diesmal wieder die Jungs von „Treyarch“ ans Zeichenbrett durften! Die Karten sind clever aufgebaut, nicht zu groß, nicht so ausschweifend wie in „Advanced Warfare“ und teils perfekt auf den Punkt gebracht.

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Visuell dürften sich die Geschmäcker jedoch an den teils klinisch sauberen Interieurs der Gebäude und den Sci-Fi-Tapeten stören: Das gewährt die Übersicht im hektischen Treiben, sieht aber zu oft nach billiger Kulisse aus. Visuelle Highlights setzen die „natürlichen“ Umgebungen wie das Unterwasser-Areal auf „Hunted“, oder die verschneiten Landschaften auf „Stronghold“. Zerstörbare Umgebungsdetails fehlen weiterhin im regen „Call of Duty“-Treiben und tragen wesentlich zur statischen Kulisse bei. Schade!

Nach mehreren Stunden zusammen mit der Beta kann ich zusammenfassen: Ich bin nicht zu alt für Call of Duty, sondern bin der Serie nur überdrüssig geworden. Was sich nach all dem Spaß, den ich in den letzten Tagen mit der Beta hatte, durchaus wieder ändern kann, denn das Spiel selbst liefert keinen Grund zur Kritik.

Kurz: Der 6. November kann nicht schnell genug kommen!

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