Nazis, Terror Billy und ein Roboterhund namens Liesel

“Wolfenstein II: The New Colossus” im Test für PlayStation 4

Nazis, Terror Billy und ein Roboterhund namens Liesel: “Wolfenstein II: The New Colossus” im Test für PlayStation 4 Nazis, Terror Billy und ein Roboterhund namens Liesel: “Wolfenstein II: The New Colossus” im Test für PlayStation 4 Foto: Bethesda
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Mit “Wolfenstein: The New Order” feierte Bethesda 2014 einen Überraschungserfolg. Einer der ältesten virtuellen Ballermänner brachte das von vielen Spielern geliebte Old-School-Shooter-Feeling zurück - und hatte dabei einen Haufen cooler Charaktere und Ideen an Bord. Ob Teil 2 daran anschließen kann, verraten wir im Test.

“The New Colossus” setzt in Sachen Handlung praktisch direkt an “The New Order” an, den Serienableger “The Old Blood” müsst ihr nicht zwingend kennen. Wie gewohnt spielt die Serie weiterhin in einer alternativen Welt, in der die Nazis die Herrschaft übernommen haben.

In Deutschland müssen wir hingegen mit einer etwas veränderten Geschichte leben: In dieser komplett deutsch vertonten Version ballern wir nicht auf Nazis, sondern auf das “Regime”, aus dem fiktiven Hitler wird “Kanzler Hailer”, aus dem Kreisau-Widerstand der Wiesenau Kreis.

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Dank der noch immer nicht vorhandenen Gesetzesänderung in Bezug auf Videospiele müssen Hakenkreuze weiter draußen bleiben - und kosten dem Spiel in dieser Hinsicht einige Punkte in Sachen Umsetzung der Welt und seiner Charaktere. Ein wenig “cooler” ist es dann doch schon, den bösen Nazis in den Arsch zu treten, als “nur” irgendeinem “Regime”. Schade, dass Videospiele dem Film-Medium in dieser Hinsicht noch immer hinterherhinken müssen.

In Sachen Übersetzung und Wortwitz wurde viel Aufwand betrieben, dennoch punktet für uns die englische Version mit ein wenig mehr Charme - und die ist aufgrund der Nazi-Thematik mal wieder nicht (!) auf der Disc vorhanden. Für Fans der Originalversion bleibt also nur der mittlerweile ziemlich leichte Import aus dem Ausland.

Coole Sprüche, dicke Wummen

1961: Die Nazis beherrschen die Welt. Auch die USA mussten sich der Macht des Regimes beugen. Doch der Untergrund ist noch aktiv und wehrt sich mit jedem Mann gegen die Unterdrückung durch die Besatzer. Allen voran die bereits aus dem ersten Teil bekannte Frau Engel ist eine Fanatikerin, die jedes einzelne Mitglied des Untergrunds vom Antlitz der Erde entfernen möchte.

Der Held den die Welt braucht, B.J. Blazkowicz, gefürchtet vom Regime, soll der Retter in der Not werden - doch dieser muss nach seinen schweren Verletzungen nach dem Ende von “The New Order” genesen, um erneut durchstarten zu können.

Und so schwingt ihr euch erstmal in einen Rollstuhl - und ballert euch an Bord eines Schiffes durch anrückende Regime-Horden. Der verrückte Start ins Spiel zeigt bereits, wohin die Reise geht: Vollkommen übertriebene Action im Tarantino-Stil! Ihr ballert auf Soldaten, Kampfhunde, riesige Roboter und Krokodile (!), spaltet Köpfe mit Beilen, reist in das Ghetto von New Orleans, ins atomar verseuchte New York, fliegt (mal wieder) ins All und macht den Nazis gewaltig Feuer unter dem Allerwertesten.

Im Gegensatz zu den Schnitten bezüglich der Nazi-Thematik, kommt die deutsche Version von Wolfenstein II in Sachen Gewaltgrad übrigens komplett ungeschnitten daher - was aufgrund der vollkommen übertriebenen, beinahe Comic-mäßigen Gewaltexzesse auch nachvollziehbar ist. Vor einigen Jahren wäre so etwas in Deutschland noch undenkbar gewesen.

Wie bereits im Vorgänger ist die Spielmechanik simpel und macht einfach nur Spaß - ist nach Spielen wie “Doom” und dem Vorgänger “The New Order” aber auch kein allzu großes Alleinstellungsmerkmal mehr. Dennoch harmonieren das Gunplay, die markigen Sprüche von Blazkowicz und die teils überdrehte, aber immer spannende Story prächtig miteinander.

So beweist auch Wolfenstein II, dass es keiner ausgeklügelten Skill-Bäume bedarf, um einen guten Shooter zu produzieren. Nein, ein paar ordentliche Wummen, gutes Leveldesign, ein peitschender Soundtrack und ausreichend Munition sind alles was das Shooter-Herz begehrt!

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Starke Frauen, große Frauen, fiese Frauen

Doch das ist noch nicht alles, denn Wolfenstein 2 liefert euch auch eine durchaus unterhaltsame Geschichte inklusive einiger lustiger, einiger dramatischer und einiger ziemlich düsterer Momente. Sogar eine Liebesgeschichte ist mit an Bord!

Schön: In Zeiten von #metoo und anhaltenden Feminismus-Debatten schütteln sich die Entwickler und Schreiber von MachineGames einige der eindrucksvollsten weiblichen Charaktere der letzten Jahre aus den Fingern. Egal ob BJs starke und selbst im Angesichte ihrer Schwangerschaft stets mutige Frau Anya, Fiesling Irene Engel und ihre Tochter Sigrun, oder die Anführerin des Widerstands Grace Walker, jeder Charakter bleibt in Erinnerung und bietet meist mehr als “nur die eine Seite”. Das gilt natürlich auch für die Männer!

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Die Umgebungen sind mit viel Liebe entworfen, insbesondere die unterirdischen Bunkeranlagen wirken aber meist doch eher trist und karg - dafür läuft die Action meist mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde über den Bilschirm. Die Charakter-Modelle sind gut bis sehr gut, Kopfschütteln bereitet uns nur die mangelhafte Lippensynchronität der deutschen Version. Das sieht in einigen Zwischensequenzen einfach albern aus und zerstört jegliche Atmosphäre!

Richtig gut gefallen hat uns hingegen der fetzige und zum hohen Tempo des Spiels passende Soundtrack inklusive toller Soundeffekte. Hier kommt im Gefecht richtig Stimmung auf!

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Mehr Spielzeug für den Hünen Max

Mit rund 10 Stunden Spielzeit ist die Kampagne von “Wolfenstein II: The New Colossus” zwar kein epochales Meisterwerk, überholt im direkten Spielzeit-Vergleich aber beinahe die gesamte Shooter-Konkurrenz der letzten Monate. Zudem gibt es einige weitere Anreize im Spiel, die durchaus erwähnenswert sind - und die Spielzeit für Spieler, die alles gesehen haben wollen, auf gut 16 bis 20 Stunden strecken können.

So gibt es in jedem Level eine ganze Menge Sammelkram zu finden, insgesamt warten über 200 Objekte auf euch: Mal mehr oder weniger gut versteckt findet ihr Schallplatten, Sammelkarten und Gold, oder Spielzeug für den “sanften Riesen” Max. Die sogenannten “Todeskarten” gibt es für den Abschuss hochrangiger Offiziere. Der viele Sammelkram sorgt nicht nur für die benötigte Abwechslung, sondern hat auch positive Auswirkungen auf das Spiel selbst - beispielsweise durch die Upgrade Kits für eure Waffen.

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Übrigens, keine Sorge: Sammelobjekte verpassen könnt ihr in “Wolfenstein II” nicht! In der Kommandozentrale der "Hammerfaust" lassen sich alle bereits besuchten Level erneut anwählen - inklusive meist neuer Areale. Und nach dem großen Finale landet ihr erneut auf der Hammerfaust - und könnt das Spiel so in aller Ruhe komplettieren. So muss das!

Wem der Sammelkram nicht ausreicht, der kann das Spiel mit dem “Season Pass” zusätzlich erweitern: Für gut 25 Euro gibt es drei DLC-Episoden, in denen ihr in die Haut neuer Charaktere schlüpfen könnt. Die sogenannten “Freiheits-Chroniken” beleuchten “Die Abenteuer des Revolverhelden Joe”, “Die Tagebücher von Agentin Stiller Tod” und “Die unglaublichen Taten von Captain Wilkins”. Zumindest der erste, bereits erhältliche DLC rund um den Revolverhelden Joe fällt qualitativ allerdings merklich ab - wartet also besser noch etwas ab!

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Fazit Daniel

Zu Beginn hatte ich so meine Probleme mit “Wolfenstein II”: Ballern in Rambo-Manier wird euch schnell untersagt, denn das Ableben von BJ erfolgt meist schneller, als ihr blinzeln könnt. Also erstmal den Schwierigkeitsgrad runterdrehen… das nagt an meinen Gefühlen als “Ego-Shooter-Halbgott”, kommt dem Spielfluss aber dann doch sehr entgegen.

Denn, und das ist irgendwie Schade: Das Geballer in Wolfenstein II kommt für mich nicht an die fantastische Verbindung aus wüsten Nahkampf-Finishern und den prallen Schrotflinten Ladungen eines “Doom” heran. Dafür punktet DER Shooter 2017 ausgerechnet auf einem Gebiet, wo ich es am wenigsten erwartet hätte: Der Aufbau der Welt, die Charaktere, die Handlung - all das fesselt mich bis zur letzten Sekunde vor den Bildschirm.

Und bei aller Ehre des Aufwands, den Bethesda für die Lokalisierung betroffen hat: Für mich funktioniert Wolfenstein II dank mangelhafter Lippensynchronität und fehlender Nazis einfach nicht auf deutsch. Tut euch den Gefallen, importiert das Spiel und genießt es auf Englisch!

Fazit Michael

“Wolfenstein II: The New Colossus” macht richtig Spaß. Der Shooter überzeugt durch seine hohe Geschwindigkeit und dem damit einhergehenden Old-School-Gefühl á la Quake oder Duke Nukem.

Auch nicht zu verachten sind die gute Geschichte mitsamt ihrer vernünftig ausgearbeiteten Charaktere. Hier haben die Entwickler einen wirklich guten Job gemacht. Einziger Wermutstropfen: der Spaß ist leider bereits nach gut 10 Stunden vorbei.

Wertung

“Wolfenstein II: The New Colossus” bekommt von uns 4 von 5 getötete Regime-Offiziere auf dem goldenen Tablett serviert, 8 von 10 zarte Streicheleinheiten für Liesel und 84 auf amerikanischem Boden verteilte Liter Nazi-Blut obendrauf.

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