Rattenscharfe Chaos-Tage bei McHelmgart

"Warhammer: Vermintide 2" im Test

Rattenscharfe Chaos-Tage bei McHelmgart: "Warhammer: Vermintide 2" im Test Rattenscharfe Chaos-Tage bei McHelmgart: "Warhammer: Vermintide 2" im Test Foto: Fat Shark

Ihr schlagt humanoiden Ratten gerne mit einem klotzigen Hammer die Köpfe vom Rumpf? Ihr steht voll darauf einer Horde Untoten mit nur einem Schweif eures kolossalen Zweihänders die Bäuche aufzuschlitzen? Ihr tänzelt gerne mit einem riesigen Speer um kolossale Chaos-Krieger herum? Seid generell eher der Kammerjäger-Typ, und weniger der zartbesaitete Briefumschlagbefeuchter? Dann kommt mal unauffällig näher, wir haben da etwas für euch!

Mit “Warhammer: Vermintide” gelang der Entwicklerschmiede “Fat Shark” aus Stockholm in Schweden anno 2015 ein Achtungserfolg: Beflügelt vom Warhammer-Franchise hob sich das, im Kern stark an “Left 4 Dead” erinnernde Koop-Gemetzel, von der Konkurrenz ab und wird (sicher nicht nur in meinem Bekanntenkreis) bis zum heutigen Tag immer gerne für eine “kurze Runde zwischendurch” rausgekramt.

Vorbildlich seit jeder: Die Betreuung der Marke. Im unüblich langen Rahmen flossen immer neue Updates, Bugfixes und teils vollkommen kostenlose, teils kostenpflichtige Erweiterungen in das Spiel ein - darunter zuletzt im Dezember 2017 noch der dicke “Death on the Reik”-DLC mit zwei neuen Karten und einer neuen Waffe.

Bereits ein halbes Jahr nach Release waren über 500.000 Einheiten des Spiels verkauft. Und nochmal ein halbes Jahr später erschien der Titel auch für PlayStation 4 und Xbox One. Die 500.000 verkauften Einheiten dürfen die Entwickler von “Fat Shark” nun erneut bejubeln - diesmal bereits nach nur wenigen Tagen. Umsetzungen für PlayStation 4 und Xbox One sind erneut in der Mache - und werden sicher sobald wie möglich nachgeschoben.

Artgerechte Rattenhaltung

Teil 2 setzt - wie sollte es anders sein - genau da an, wo Teil 1 aufgehört hat: Erneut stürzt ihr euch zusammen mit drei mutigen Freunden (wahlweise auch alleine, zu zweit oder zu dritt mit Bot-Unterstützung) in die Schlacht, wählt aus fünf unterschiedlichen Helden und kloppt euch munter durch einen dicken Batzen höchst unterschiedlicher Missionen. In den 13 Leveln erwarten euch riesige Wälder mit Redwood-Charme, uralte Elfenruinen, scheinbar endlose Weizenfelder und Dörfer, labyrinthartige Städte samt finsterer Gassen und protziger Plätze, gigantische Burgen und düstere Verliese, sowie unterirdische Höhlensysteme - allesamt vollgepackt mit den fiesen Rattenmenschen (Skaven) und brutalen Chaos-Kriegern.

Der Hauptbestandteil des Spiels: Kämpfen! Schlachten! Schießen! Spießen! Wenn ihr euch mal wieder im Pulk von hunderten Gegnern befindet, glüht die linke Maustaste und das virtuelle Blut eurer Gegner tränkt den Boden - nichts für Zartbesaitete! Egal ob Nahkampf, oder Fernkampf, das Agieren mit den Waffen hat genau den richtigen “Wumms” und fühlt sich stets gut an - dazu tragen auch Animationen, Ragdoll-Verhalten und allen voran die unglaublich gute und dichte Soundkulisse bei.

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Verfeinert wird die Kampfmechanik durch die Möglichkeit in Deckung zu gehen (ein dickes Schild gewährt euch natürlich mehr Schutz, als zwei Dolche), Gegner von euch wegzuschubsen (gerne in Abgründe!) und vor mächtigen Attacken einen Ausweichschritt zur Seite oder nach hinten zu vollführen - letzteres ist insbesondere bei einigen der mächtigen Bossgegnern das "A und O" um länger zu überleben.

Apropos Überleben: Wer im Kampf fällt, kann von seinen Mitspielern wiederbelebt werden. Dies funktioniert jedoch nur dreimal (auf dem zweiten Schwierigkeitsgrad zweimal, ab dem dritten Schwierigkeitsgrad gar nur einmal) - danach dürft ihr nur noch zuschauen, bis euer Charakter an einem bestimmten Levelpunkt aus den Klauen des Gegners befreit werden kann.

Neben den Kämpfen und Bosskämpfen bietet euch Vermintide 2 an einigen Stellen auch kleine “Rätsel” an - wobei das Wort “Rätsel” hier schon sehr weit geht. Tatsächlich sind es meist nur Aufgaben der Marke “Halte den Knopf gedrückt, während dir deine Kollegen den Rücken freihalten”. So verrückt ihr eine elfische Apparatur, bestückt eine Kanone mit Kanonenkugeln oder ladet mehrere explosive Fässer auf einen Karren.

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Am Ende jeder Mission gibt es dann nicht nur einen dicken Batzen Erfahrungspunkte, welche euren gewählten Helden im Level aufsteigen lassen, sondern auch jede Menge Loot (bloody Loot!). Je nachdem, wie ihr euch schlagt, und welche Zusatzziele ihr erreichen könnt (beispielsweise finden sich in jedem Level versteckte Buchbände und sogenannte “Grimoires”, finstere Zauberbücher) kommt ihr in den Genuss einer aufgewerteten Beutetruhe.

Und ja, ich habe wohlweislich den Begriff Beutetruhe gewählt, und nicht “Lootbox”. Keine Sorge: Die Entwickler von Fat Shark haben das Thema “Monetarisierung” komplett aus dem Spiel gelassen. Einen nervigen InGame-Shop, Lootboxen für Echtgeld oder sonstigen, neuzeitigen Tinnef müsst ihr nicht befürchten - in dieser Hinsicht ist der Titel beinahe “klassisch”. Da überrascht es bei der Qualität und Quantität an Inhalten, dass Vermintide 2 insgesamt auch nur 27,99 Euro kostet - ein Schnäppchen!

Wohlgemerkt ist “Fat Shark” aber auch kein Wohltätigkeitsverein: Spätestens für zukünftige Karten (die ersten sollen bereits im April aufschlagen) werdet ihr dann doch zur Kasse geboten. Manchmal wünsche ich mir die Zeiten zurück, in denen jeder Entwickler diese DLC-Pfade gegangen ist…

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Treffen sich ein Zwerg, ein Hexenjäger, ein Söldner, eine Waldelfe und eine Pyromantin…

Von den Skaven (das ist der offizielle Name der Rattenmenschen) gefangen und verschleppt, können unsere Helden ihrem sicheren Tod nur durch einen Zufall entkommen: Dass von den Ratten errichtete “Skittergate”, ein riesiges Warp-Portal, welches die finstere Chaos-Fraktion aus ihrem Reich per Teleportation in Massen herbeirufen soll, geht nach seinem ersten Start zu Bruch.

Dabei lässt es nicht nur zahlreiche Chaoskrieger als dampfende Haufen zurück, sondern gewährt den Helden auch eine unplanmäßige Flucht aus dem Gemäuer. Jetzt heißt es schnell zurückschlagen - und dafür sorgen, dass das Skittergate nicht erneut gestartet werden kann!

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Alle Helden sind bereits aus dem ersten Teil bekannt: Söldner Markus Kruber ist der Mann für’s Grobe, Zwerg Bardin Goreksson hält nicht nur viel aus, sondern kann auch gut austeilen. Die Feuermagierin Sienna Fuegonasus hat einen Hang dazu sich selbst in die Luft zu jagen, während Waldelfe Kerillian (ohne Nachname, "because who cares") auf Geschick, Geschwindigkeit und Fernkampf setzt. Last but not least hätten wir da noch Hexenjäger Victor Saltzpyre, der mit großem Zylinderhut, Degen und Pistole in den Kampf zieht.

Neu hingegen ist die Möglichkeit auch innerhalb des gewählten Helden eine von drei Klassen zu wählen: So wird ab Level 7 die zweite Klasse und ab Level 12 noch eine dritte Variante freigeschaltet. Zwerg Bardin beispielsweise startet als “Ranger Veteran” und wechselt später zum “Ironbreaker” oder “Slayer” - dabei ändert sich nicht nur das Aussehen drastisch, sondern auch die aktive Karriere-Fertigkeit (Rauchbombe, Verspotten oder “Ins Getümmel springen”) und die passiven Boni. So lässt sich die kleine Metzelmaschine wahlweise als Schadensausteiler mit Fernkampfwaffen, als klassischer Tank oder als Nahkampf-Berserker spielen.

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Diese hohe Variabilität zieht sich auch durch die anderen Klassen: Selbst Waldläuferin Kerillian wird als “Handmaiden” zur Lanzenschwingenden Nahkämpferin. Toll: Jeder Held verfügt über eine eigene Auswahl von wählbaren Waffen - und beim Leveln werden weitere Blaupausen freigeschaltet.

Reicht euch noch immer nicht? Dann tobt euch doch im Talentbaum aus! Ja, richtig gelesen, jede der 15 Klassen verfügt noch einmal über einen eigenen Talentbaum mit 5 Stufen á 3 Talenten, die ihr vor den Missionen frei wechseln dürft. Zusammen mit der großen Auswahl an Waffen ist da Experimentierfreude für mehrere Wochen und Monate garantiert!

Partikel-Party zwischen dichtem Rattenfell und purzelnden Ragdolls

Audiovisuell ist Vermintide 2 ein Fest für die Augen und Ohren gleichermaßen: Insbesondere die Licht- und Partikeleffekte sorgen in den überwiegend düsteren Umgebungen für eine bedrückend dichte Atmosphäre. Ganz egal ob dichter Wald, Höhle oder eisiges Gebirge, optisch bekommt ihr immer extrem viel geboten.

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Der wahre Star der Grafik-Engine ist aber ihre Stärke so viele Charaktere gleichzeitig abzubilden: Wenn eine Horde Skaven, Untoter oder Chaoskrieger auf euch zurennt, Fackeln schwingt und Schwerter hebt, während im Hintergrund die Kampfhörner erklingen, dann rückt man am heimischen Schreibtisch automatisch etwas zurück.

Der Sound ist überdies auch in Sachen Spielmechanik wichtig: Durch die perfekte Geräuschkulisse lassen sich insbesondere fiese Feinde wie der “Gutter Runner” besser orten. Und die lustigen Sprüche und Dialoge zwischen den Helden sorgen immer wieder für ein dreckiges Grinsen.

Für den eindrucksvollen Soundtrack ist übrigens abermals Jesper Kyd verantwortlich: Der dänische Komponist und Sound-Profi arbeitete bereits am Vorgänger hinter den Kulissen und ist bekannt für Hit-Serien wie Assassin’s Creed und Borderlands, Darksiders II und die Hitman-Serie. Kurz: Der Mann weiß, was er tut! Und das hört ihr!

Anfänger-Tipps für Warhammer: Vermintide II

  • Bleibt zusammen, geht niemals auf Solo-Tour!
  • Ihr müsst nicht alle Gegner töten! Es gibt tatsächlich keine zusätzlichen Erfahrungspunkte für getötete Gegner - Hauptsache ihr erreicht lebendig das Level-Ziel. Lasst einige Patrouillen am besten links liegen, um euren Lebensbalken für den nächsten Bosskampf zu schonen!
  • Die Wiederbelebung von gefallenen Kameraden hat oberste Priorität - nicht aber, wenn diese euch auch in tödliche Gefahr bringen. Tipp: Vor der Wiederbelebung zusätzlich die Blocktaste gedrückt halten!

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  • Sucht die Level genau ab, um die besagten Buchbänder und Grimoires zu finden. Diese erhöhen die Wahrscheinlichkeit für besseren Loot deutlich! Bedenkt aber, dass Buchbänder euren Slot für Heiltränke sperren - und Grimoires die Lebensenergie der GESAMTEN Gruppe verringern.
  • Typische Verstecke in der Spiellogik sind sogenannte “Sprung Rätsel”: Wenn ihr irgendwo einen kleinen Vorsprung entdeckt, der wieder auf einen anderen Vorsprung führt (große Steinwände, Kisten, etc…), dann lässt sich dieser meist auch nutzen um zu einem geheimen Ort zu gelangen.
  • Meistert so früh wie möglich das “Blocken” mit gehaltener Maustaste und das Ausweichen (Leertaste + Richtungstaste gleichzeitig). Wer mit dem Ausweichen nicht klar kommt, sollte sich vielleicht eine andere Tastenbelegung überlegen (Ausweichen mit der rechten Maustaste, Shift für Blocken beispielsweise), oder auf eine Gamepad umsatteln. Präzises “Maus-Aiming” ist in Vermintide 2 nur selten von Vorteil.
  • Viele Kleinigkeiten in Bezug auf die gewählte Klasse enthält euch das Spiel leider vor - beispielsweise die “Abkühl”-Mechanik der Feuerzauberin. Sucht euch am besten einen Guide - und konzentriert euch erstmal nur auf eine Klasse!

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Fazit

Nach den ersten 20 Stunden Spielzeit lässt sich sicher noch kein finales Urteil zu “Vermintide 2” fällen, dafür habe ich noch nicht genug vom “Endgame” gesehen. Dennoch bin ich guter Dinge bereits jetzt beide Daumen (und den Kriegshammer) weit nach oben zu strecken: Die Kämpfe sind wuchtig und unterhalten selbst beim wiederholten Besuch der Level, während die K.I. im Hintergrund für stets neue Überraschungen sorgt. Die Loot-Spirale macht binnen kürzester Zeit süchtig, wobei euch die fünf wählbaren Klassen sicher für längere Zeit hervorragend beschäftigen werden.

Und auch mein größter Kritikpunkt am ersten Teil ist Geschichte: Dank der Chaos-Fraktion wächst die Anzahl unterschiedlicher Feinde endlich auf ein Maß, welches für stete Abwechslung sorgt. Ach ja: Grafisch und akustisch ist Vermintide 2 einfach eine Wucht und lässt mich noch spät abends adrenalingeladen die virtuelle Axt schwingen. Müdigkeit will hier einfach keine aufkommen!

“Warhammer: Vermintide 2” bekommt von uns 9 von 10 mit Pfeilen durchsiebte Rattenoger, 4 von 5 in düsteren Verliesen gefundene Grimoires und 89 Liter auf dem Boden des Imperiums vergossenes Skaven-Blut.

Damit ist Vermintide 2 schon jetzt ein ganz heißer Kandidat für den Titel “Koop-Spiel des Jahres”. Wir sind gespannt, was Fat Shark in den kommenden Wochen und Monaten noch nachlegen kann, um die Begeisterung der Spieler aufrecht zu erhalten. Bis dahin können wir - insbesondere zu DEM Preis von gerademal 27,99 Euro - nur eine dicke Empfehlung aussprechen!

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