Lass das mal die Chloe machen!

"Uncharted: The Lost Legacy" im Test

Lass das mal die Chloe machen!: "Uncharted: The Lost Legacy" im Test Lass das mal die Chloe machen!: "Uncharted: The Lost Legacy" im Test Foto: SIE
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Eigentlich sollte mit "Uncharted 4: A Thief’s End" die Reihe enden. Doch nun gibt es ein neues Lebenszeichen mit "The Lost Legacy". Allerdings ohne die bisherige Hauptfigur Nathan Drake. Ob das funktioniert, verrät unser Test.

Nach mehr als zehn Stunden lege ich den Controller zur Seite. Etwas erschöpft, aber auch glücklich und immer noch leicht aufgekratzt von dem Adrenalin in meinen Adern, rollt endlich der Abspann über den Bildschirm. Und nichts trifft es besser als "a Hell of a Ride", ein Wahnsinnsritt.

Dabei macht "Lost Legacy" nichts wirklich Neues. Wenn ich ehrlich bin, hat es sogar etwas von einem Best-of der Reihe. Gerade das letzte Kapitel erinnert sehr stark an eine ganz ähnlich legendäre Sequenz in "Uncharted 2". Aber was soll ich sagen: Ich habe mich trotzdem nicht gelangweilt. Und dafür gibt es mehrere Gründe.

Lost Legacy komprimiert das Prinzip der Serie auf wenige Stunden. Ich habe zehn Stunden nur deswegen benötigt, weil ich mir Zeit gelassen und eine optionale Auftragskette abgeschlossen habe. Wer es darauf anlegt, wird es in der Hälfte der Zeit bis zum Ende schaffen. Zudem hat das Spiel die richtige Balance zwischen Action-, Schieß-, Kletter- und den Rätsel-Einlagen. Und gerade die Rätsel in "Lost Legacy" zählen zu den besten, die Uncharted zu bieten hat. Man muss tatsächlich nachdenken und die Logik dahinter verstehen.

Wenn man eins gelöst hat, freut man sich regelrecht auf die nächsten Schusswechsel. Und die funktionieren wie gewohnt: In Deckung gehen, feuern, in Bewegung bleiben und über die stets zu knappe Munition fluchen. Zugegeben: Wer Uncharted 4 gespielt hat, erlebt das eine oder andere Déjà-vu. Aber es macht immer noch Spaß. Und das liegt auch an der wunderschönen Optik und Grafikpracht. Ich habe immer wieder eine Pause eingelegt, nur um den Blick auf das virtuelle Tal in Indien zu genießen.

Uncharted TLL (2) - image/jpeg

Grandiose Grafik, packende Story, sehr gute Hauptcharaktere

Die Hauptgründe indes, die mich so begeistert haben, sind die Story und die beiden Hauptcharaktere Chloe Frazer und Nadine Ross. Die haben sogar Unbeteiligte gefesselt, die mir einfach nur beim Spielen zusahen, um zu erfahren, wie es weitergeht. Chloe und Nadine waren bislang nur Nebencharaktere, die nicht immer auf der Seite von Nathan Drake standen. Nun arbeiten sie auf der Suche nach einem mystischen Stoßzahn zusammen.

Nicht nur die Story ist packend inszeniert und bietet einige spannende Wendungen. Die beiden weiblichen Hauptfiguren haben ihren eigenen Humor und ihre Dialoge wirken lebensecht und natürlich. Zumal sie fast schon nebenbei Chloe und Nadine wachsen lassen und ihnen eine neue Tiefe verleihen. Schon nach kurzer Zeit habe ich beide gemocht und mit ihnen gefühlt. Zumal ihre Geschichte in Lost Legacy sich sehr, sehr gut zwischen Düsternis und Schwere, zwischen Leichtigkeit und Witz bewegt.

Ich habe Nathan Drake nicht eine Sekunde vermisst. Und das ist das größte Kompliment, das ich den beiden Figuren machen kann - in einer Reihe, die bislang auf diesen einen Hauptcharakter zugeschnitten war. Mehr noch: Würde Naughty Dog eine neue Trilogie mit Chloe und Nadine ankündigen, ich wäre sofort dabei.

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Da spielt es für mich keine große Rolle, dass Lost Legacy das Rad nicht neu erfindet. Und ich blicke wohlwollend darüber hinweg, dass der Bösewicht einfach nur da ist, um böse zu sein. So wirklich wird seine Motivation nicht klar. Ich kann auch damit leben, dass ich das wunderschön inszenierte Tal zwar frei erkunden kann. Aber so viel zu entdecken gibt es dort abseits der Hauptmission und der einen optionalen Aufgabe nicht - bis auf die obligatorischen versteckten kleinen Schätze. Für die Sammler unter den Spielern.

Dennoch: "Lost Legacy" macht einfach Spaß, es reißt mit und fühlt sich wie großes Hollywood-Actionkino an. Ganz genießen können das aber nur die Gamer, die auch die Uncharted-Reihe kennen. Alle anderen werden die kleinen Referenzen in den Dialogen nicht verstehen. Das ginge zwar noch in Ordnung. Aber im letzten Drittel gibt es dann einen Konflikt, den tatsächlich nur jene nachvollziehen können, die auch "Uncharted 4" gespielt haben.

Und noch etwas ist mir negativ aufgefallen: In der deutschen Version klingen die Synchronsprecherinnen von Chloe und Nadine manchmal so ähnlich, dass ich ohne Untertitel nicht auf Anhieb hätte sagen können, wer da nun spricht.

"Uncharted: The Lost Legacy" bekommt von uns acht von zehn Kletterhaken, 28 von 35 Ganesha-Figuren und 17 von 21 Shiva-Äxten.

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