The Walking Dead Season 2 | "All that remains" im Test

Der Staffelauftakt vergeht viel zu schnell

The Walking Dead Season 2 | "All that remains" im Test: Der Staffelauftakt vergeht viel zu schnell The Walking Dead Season 2 | "All that remains" im Test: Der Staffelauftakt vergeht viel zu schnell
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Die Versoftung von The Walking Dead durch Telltale Games hat bereits im letzten Jahr hohe Wellen geschlagen, jetzt liefern die Kalifornier Nachschub in Form einer neuen Season. Wir haben die erste Folge durchgespielt. Keine Angst vor Spoilern, wir verraten keine wichtigen Details!

The Walking Dead hat als Videospiel definitiv nicht wegen seiner cleveren Spielmechanik begeistert. Das simple Klicken von ausgewiesenen Gegenständen, die Interaktion mit der Umgebung und Action-Szenen im Quick-Time-Format legen damals, wie heute, ein recht trockenes Fundament für ein "Spiel".

Über dieses Gerüst gestülpt wird hingegen eine der besten Geschichten der letzten Jahre, genial im Comic-Stil vorgetragen, von der Atmosphäre teils näher am grandiosen Comic von Robert Kirkman, als beispielsweise die TV-Serie. Veröffentlicht wurde das Spiel im Serienformat: Für gut 20 Euro erhält man Zugang zu allen Episoden, welche über mehrere Monate hinweg veröffentlicht werden. Auch die zweite Season lebt vom gleichen Vertriebsmodell.

Wer Season 1 verpasst haben sollte, für den macht die Anschaffung der zweiten Season wenig Sinn: Das Abenteuer baut auf bekannten Charakteren auf, ergo ist ein Einstieg für Anfänger recht sinnlos. Hier gleich eine dicke Empfehlung der Serie eine Chance zu geben, denn besser und emotionaler wird das Zombie-Genre aktuell - zumindest aus erzählerischer Perspektive - nicht abgedeckt.

"All that remains - Alles was bleibt" ist der Titel der ersten Folge, welche der kleinen Clementine auf ihrem langen Leidensweg durch eine brutale Welt folgt. Aus der ersten Season trifft man einige bekannte Gesichter wieder, außerdem werden sämtliche Entscheidungen von damals übernommen und üben Einfluss auf die neue Geschichte aus.

Überraschend ist die Qualität der ersten Folge: Während die erste Season noch mit einigen technischen Problemen und Bugs zu kämpfen hatte, präsentiert sich "All that remains" als auf Hochglanz poliertes Produkt ohne nervige Soundaussetzer und ohne Bugs. Ob das jetzt einfach "Glück" war, oder ob es auf anderen Rechnern zu Problemen kommen kann, dafür ist das Spiel noch zu "frisch".

Selbst in Sachen Spielfluss wurde viel nachgebessert: Die Quick-Time-Events ("Weiche Zombie X aus, indem Du schnell nach links drückst!") funktionieren erheblich besser, sind präziser auf den Punkt gebracht und bisweilen äußerst spannend. Letzteres liegt natürlich auch an der neuen Hauptprotagonistin: In der Haut der kleinen Clementine wirkt die Zombie-Apokalypse um einiges dramatischer und aufrüttelnder. 

Mit guten zwei Stunden Spielzeit hält sich auch "All that remains" an das Format der Vorgänger. Für die nächsten Monate sind vier weitere Episoden geplant, was die Gesamtlänge dann auf ca. 10 bis 12 Stunden aufplustern könnte. Die Titel der nachfolgenden Episoden lauten: 

Episode 2: A House Divided
Episode 3: In Harm's Way
Episode 4: Amid the Ruins
Episode 5: No Going Back 

Kurzes Fazit: Wer bereits Season 1 gespielt haben sollte, der kommt um die zweite Season nicht umher. Der Titel packt Euch bereits kurz nach Beginn dermaßen hart an den Weichteilen, dass die 120 Minuten wie im Flug vergehen.

Trotz der simplen Spielmechanik ist The Walking Dead im Mikrokosmos der "Visual Novels" oder der - ich schrecke eigentlich vor der Bezeichnung in Verbindung mit diesem Spiel zurück - "Grafik-Adventures" eine absolute Ausnahme-Erscheinung und sollte von jedem gewürdigt werden, der auch nur einen Hauch Interesse für Zombies hat. Nein, streicht das. Ein Hauch Interesse an faszinierenden, menschlichen Geschichten. Alle Daumen hoch!