"The Order: 1886" im Test für PlayStation 4

Großes Kino, kleines Spiel

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"The Order: 1886" im Test | PlayStation 4 Großes Kino, kleines Spiel 16 Fotos

Das von Ready at Dawn entwickelte The Order: 1886 wandelt auf einem schmalen Grat: Auf der einen Seite verzückt der Titel durch extrem aufwendige und beeindruckende Charakterdarstellung und den Aufbau einer alternativen Welt, auf der anderen Seite gibt sich das Spiel als klassischer Deckungsshooter ohne kreative Ausreißer. Wir zeigen im Test, ob sich der Ausflug nach London lohnt.

Zu Beginn gleich ein dickes Sorry, dass unser Test zu The Order: 1866 so spät erscheint: Die erste Test-Version von Sony ist den Werwölfen der Post zum Opfer gefallen, die zweite Version trudelte stark verspätet in der Redaktion ein. Bei der Wartezeit war es natürlich schwierig, sich nicht im Vornherein von den Meinungen der werten Konkurrenz mitreißen zu lassen. Egal was kritisiert wurde, in einem Punkt schienen sich beinahe alle Spieler einig zu sein:

"The Order: 1866" bietet zu wenig "Spiel" und zu viel "Film".

Doch fangen wir vorne an: In der alternativen Welt des Spiels wachen die Nachfahren der Ritter der Tafelrunde über ein von moderat modernen Erfindungen beherrschtes, viktorianisches Steampunk-London, indem der Kampf zwischen Menschen und Halbblütern in den Schatten ausgetragen wird. Letztere haben nicht nur übermenschliche Fertigkeiten, sondern verwandeln sich auch gerne in fiese Kreaturen – im Spiel selbst meist Lykaner, alias Werwölfe.

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Die Helden auf der anderen Seite tragen die bekannten Namen ihrer Vorgänger, flauschige Oberlippenbärte, recht unbequeme Militär-Anzüge und die Errungenschaften der industriellen Revolution: Bewaffnet mit Gewehren, Pistolen, Granaten und Waffen, die Energieblitze verschießen können, geht es den Halbblütern an den Kragen. Dabei machen Held Sir Galahad und sein Team Sebastian Malory, Marquis de Lafayette und Isabeau D´Argyll allen voran visuell eine hervorrangende Figur: Die Klamotten strotzen nur so vor Details und die Gesichtsanimationen gehören mit zum Besten, was wir bislang auf Konsole erleben durften.

Da ist es beinahe Schade, dass die Charaktere im Spiel dennoch „blass“ bleiben, denn wirklich in die Tiefe geht keine der vielen, vielen Zwischensequenzen. Dafür wird der Fokus auf die filmische Wiedergabe gelegt: Zig Kameraperspektiven fangen das Geschehen stets perfekt ein, von der Nahaufnahme von Galahads ruppigem Gesicht bis hin zum atemberaubenden Panorama-Shot über London, hier klappt die Kinnlade gerne und oft auf den Boden.

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Apropos London: Auch die Aufbereitung der Kulissen steht dem Detailwahn der Charaktere in nichts nach: Egal ob Texturen, Objekte oder Beleuchtung, alles wurde mit so viel Liebe zum Detail gestaltet, dass es ein Traum ist den Helden bei ihrem Abenteuer zuzuschauen.

Einzig der thematisch bedingte Hang zur Dunkelheit könnte hier angekreidet werden, viele Details versinken in den schummrigen Schatten. Außerdem extrem nervig und unausgegoren sind die Unschärfe-Effekte, welche die Entwickler auch im laufenden Spiel eingesetzt haben. Das Ergebnis: Beim Zielen müsst Ihr Euch öfters damit abfinden, dass Eure Gegner verschwommen dargestellt werden. So verhindert die visuelle Wiedergabe im schlimmsten Fall einen perfekten Kopfschuss. Doof das.

Auch die dicken, schwarzen Balken ober- und unterhalb der Bildes dürften nicht unbedingt bei allen Spielern für Jubel sorgen: The Order: 1886 wird in einer Auflösung von 1920x800 Bildpunkten abgebildet, was dem Kinoformat von 2.40:1 entspricht. Um in diesem Format keine schwarzen Balken zu sehen, benötigt Ihr eine Bildschirmauflösung von 2592x1080, um keine Balken angezeigt zu bekommen.