Hut up, Nintendo, Hut up!

Super Mario Odyssey im Test

Hut up, Nintendo, Hut up!: Super Mario Odyssey im Test Hut up, Nintendo, Hut up!: Super Mario Odyssey im Test Foto: Nintendo

Fast vier Jahr dauerten die Entwicklungsarbeiten am neuen Mario-Titel, jetzt steht das Schmuckstück endlich in den Regalen. Folgt uns im modisch mutigsten Mario-Titel aller Zeiten auf eine ganz besondere Weltreise.

“Openworld” und “Sandbox”: Das sind gleich zwei Begriffe, welche unter Gamern längst nicht mehr nur mit positiven Genre-Eigenarten verbunden sind. Wer sich daran wagt eine offene, virtuelle Welt zu gestalten, muss diese auch mit Inhalten füllen, die selbst nach weit über 10 bis 20 Stunden Spielzeit nicht langweilig werden und sich am besten nicht dauernd wiederholen. Viele Entwickler sind daran bereits gescheitert - und selbst auf Hochglanz polierte Produkte wie das aktuelle Assassin’s Creed Origins haben im Laufe ihrer Spielzeit dann doch mit dem ein oder anderen “Och nö, nicht schon wieder!”-Moment zu kämpfen.

Da ist es schon äußerst respektabel, dass Nintendo 2017 gleich zwei Spiele mit ehrgeizigen Openworld- und Sandbox-Anleihen aus dem Hut zaubert und so sehr mit den virtuellen Welten zu glänzen weiß, wie kaum ein anderer Entwickler. In “The Legend of Zelda: Breath of the Wild” hieß das Motto noch “Tu was du willst, wann du willst!”. Eingebettet in die riesige Abenteuerwelt von Hyrule gibt es keine Bergspitze, kein verborgenes Tal und keine weite Wüste, welche ihr nicht nach eigenem Gusto erreichen könnt.

In Super Mario Odyssey hingegen widmet man sich dem Thema “Überraschung”: Jeder Teil des Spiels soll euch nach Yoshiaki Koizumi und Kenta Motokura, Produzent und Direktor, überraschen, zum Lächeln bringen, erstaunen und immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. So viel bereits vorab: Die Überraschung ist ihnen gelungen.

Meine Braut, mein Bowser und ich

Die Story ist (mal wieder) fix zusammengefasst: Bowser kidnapped Prinzessin Peach und will die Gute diesmal sogar heiraten! So eine Heirat will natürlich geplant werden - deswegen jettet Bowser mit seinem Luftschiff quer über den Globus um einige der wertvollsten Gegenstände in den jeweiligen Welten zu stibitzen und seiner zukünftigen Braut als Hochzeitsgeschenk zu unterbreiten. Ihm immer auf den Fersen: Mario!

In den folgenden Absätzen halten wir uns in Sachen “Spoiler” so bedeckt wie möglich und reden allen voran über die wesentlichen Spielmechaniken. Die bunten und wunderbar gestalteten Level von Super Mario Odyssey dürft ihr danach komplett für euch selbst entdecken!

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So groß mit Hut!

Die wohl wichtigste Neuerung im Mario-Kosmos ist “Cappy”: Die Mütze des Klempners hat nun ein Eigenleben! Und dieses bindet ihr nicht nur gekonnt in den Spielablauf ein, indem ihr das werte Cappy quer durch die Gegend schleudert, es kurzzeitig in der Luft rotieren lasst und darauf springen könnt, sondern auch, indem ihr mit einem gezielten Hutwurf sowohl Gegenstände, als auch Gegner “übernehmen” könnt.

Vorbei sind die Tage der Powerpilze, Feuerblumen und Waschbärenkostüme, in “Super Mario Odyssey” verwandelt ihr euch kurzerhand selbst in einen Goomba, einen Kettenhund, einen Frosch, einen Oktopus und sogar einen verdammten T-Rex - die Möglichkeiten scheinen endlos und überraschen immer wieder!

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Noch besser: Viele der übernommenen Viecher bieten euch nach der Übernahme ein komplett neues Skill-Set, welches erstmal gemeistert werden will. Und wem die vielen Viecher nicht reichen, der blitzt mit Mario als Stromschlag über Stromleitungen oder entdeckt als Minirakete versteckte Mini-Level - Wahnsinn!

Mario’s Mütze ist übrigens nicht die einzige Kopfbedeckung, welche euch in Super Mario Odyssey begegnet: Das gesamte Spiel ist dem “hutigen” Thema gewidmet! So schwebt ihr in dem Luftschiff, der Odyssey, wortwörtlich in einem fliegenden Hut von Welt zu Welt, grinst über kleine Goombas mit Piratenhüten oder Kochmützen, und stellt euch im Kampf mit Bowser und seinen Schergen immer neuen “bösen” Hut-Erfindungen. Kurz: Die Hüte sind überall!

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Fly me to the Moon

Kein Mario-Abenteuer ohne dazugehörige Sammelgegenstände: Wo wir in Super Mario 64 noch 121 Sterne gesammelt haben, um das Spiel zu komplettieren, dienen diesmal Monde als Treibstoff für die Odyssey rund um den Globus. In jeder Welt gilt es zunächst eine bestimmte Anzahl von Monden zu erlangen, um das Luftschiff startklar für die nächste Welt zu machen, danach geht es (später) ans Komplettieren. So finden sich bereits in der allerersten Welt, dem Hutland, stolze 31 Monde, größere Welten wie das Wüstenland kommen auf 89 Monde.

Erlangt werden die Monde durch spezifische Aufgaben wie “Erreicht die oberste Ebene des Turms”, oder aber durch viel Erkundung: Vergraben im Sand, hinter Mauern, beim Seilspringen, unter Wasser, über den Wolken, überall werdet ihr fündig! Insgesamt erwarten euch in Super Mario Odyssey weit über 800 Monde zum Sammeln - weniger als die Hälfte sind nötig, um das Spiel abzuschließen.

Übrigens, keine Sorge: Wer Monde verpasst und diese partout nicht findet, kann auf einige charmante Hilfen innerhalb des Spiels zurückgreifen: Tipp-Toad beispielsweise gibt euch für 50 Münzen einen Hinweis und markiert den Ort auf eurer Karte, der Papagei “Schnackehlchen” rückt ebenfalls den ein oder anderen praktischen Tipp heraus und wer ein Herausforderungslevel ein zweites Mal betritt, erhält von Cappy selbst einen Hinweis darauf, ob ihr noch Monde oder lila Münzen innerhalb der Herausforderung finden könnt. Kein Grund also sich bereits vorher im Internet zu spoilern oder einen Ratgeber heranzuziehen!

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Mario, die stylische Shopping Queen

In jedem Level versteckt sich zudem ein Shop, in dem neue Klamotten für Mario und Deko-Gegenstände für euer treues Luftschiff angeboten werden. Dabei zückt ihr einerseits Goldmünzen, andererseits die Welten-spezifische Währung, die zusätzlich zu den Monden als Sammelgegenstand in den Welten verteilt ist.

Die neuen Outfits von Mario sehen allen voran niedlich aus, bringen sonst aber nur in seltenen Fällen wirklichen Mehrwert für das Spiel: Als Mexikaner verkleidet schleicht ihr euch zum Beispiel in die Hintertür eines exklusiven Clubs hinein, um dort einen Mond zu erbeuten. Neue Mechaniken bringen die Klamotten jedoch nicht mit sich.

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Liebevolle Retro-Hommage und neue Mechaniken

Nintendo hat an seine alten Fans gedacht und liefert innerhalb einer jeden Welt Fan-Service pur in Form zweidimensionaler “Pixel”-Abschnitte, welche wie eine Tapete auf die dreidimensionalen Fassaden der Welt gekleistert sind. Meist erreicht ihr diese Abschnitte über eine Warpröhre - und springt dann ganz im Stil des klassischen 2D-Marios von links nach rechts über Abgründe hinweg und weicht Kanonen Willis aus.

Was im ersten Trailer noch wie ein kleines Gimmick gewirkt hat, wird dabei in jeder Welt meist mehrfach verwendet, um den Spielablauf perfekt zu variieren und um eine neue Dimension zu ergänzen. Herrlicher Stoff, der nicht nur alten Gamer-Hasen das Glückshormon in die Brust schießen lässt.

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Zu Mario’s neuen Fertigkeiten gehört neben dem obligatorischen Hutwurf eine Vorwärtsrolle, die sich beliebig verlängern lässt (“Hallo Sonic!”) und euch geschwind durch das komplette Level kullern lässt, sowie ein hoher Sprung nach der bekannten Stampfattacke. Die Steuerung ist dabei stets auf den Punkt genau und äußerst präzise - alleine der Level-Aufbau und falsche Kameraperspektiven können euch einen Strich durch die schwierige Sprung-Tour von Plattform zu Plattform machen.

Der Tod des Klempners wurde weiter entschärft: Dreimal dürfen euch Gegner und Hindernisse treffen, bis Mario dahinscheidet und am (meist sehr nahe gelegenen) Speicherpunkt erneut ins Abenteuer startet. Dabei verliert ihr lediglich einige Goldmünzen aus eurer meist prall gefüllten Geldbörse. Mit einem dicken Extra-Herz verdoppelt ihr die Lebenspunkte auf stolze 6 - so lassen sich auch größere Bosse meist ohne allzu viele Versuche knacken.

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Überhaupt hält sich der für 3D-Jump’n’runs doch recht typische Frust beim Versagen angenehm zurück: Erst spätere Level bieten einige doch recht knackige Aufgaben, die jedoch allesamt meist optional sind und euch den Weg zum Ziel nicht versperren. Wer einmal gar nicht weiterkommt, kann einfach auf andere Monde ausweichen, um die Odyssey für das nächste Level startklar zu machen.

Profis hingegen jubilieren insbesondere über die stark erweiterte Spielmechanik rund um Cappy herum: Wer mal einem Spieler dabei zugeschaut hat, wie er Mario von einem Rückwärtssalto hinein auf sein drehendes Cappy zu einem weiteren Sprung in die Höhe und einem anschließenden Hechtsprung nach vorne gelenkt hat, entdeckt plötzlich ganz neue Seiten an dem Spiel. So lassen sich einige scheinbar unerreichbare Plattformen erreichen - umso schöner, dass auch die Entwickler daran gedacht haben und dort zusätzliche Geheimnisse versteckt haben! Da kommt man nicht darum umhin, sich bereits jetzt über die ersten Speedrun-Versuche zu freuen: Diesbezüglich bietet Super Mario Odyssey eine Menge Potential!

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Technisch läuft Super Mario Odyssey sauber mit 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm, in Sachen Art-Design begeistert beinahe jede Welt durch ein äußerst eigenständiges Aussehen und die Konzentration auf ein bestimmtes Thema (Schnee, Wüste, Stadt...). Das heimliche Highlight im Technik-Check sind die Animationen von Mario und Cappy: So liebevoll hat gut gekleidet hat sich der Klempner noch in keinem anderen Spiel gezeigt. Wahnsinn!

Last but not least könnt ihr die schönsten Momente des Spiels nun auch mit einer virtuellen Kamera als Bild einfangen und dieses mit unzähligen Filtern (vom Pixel-NES-Look bis zum Fischauge) versehen. Dann noch schnell als Postkarte ausdrucken und an die heimische Wand damit! Perfekt!

Fazit

Willkommen zurück Super Mario, du hast mir gefehlt! Es ist tatsächlich stolze 7 Jahre her, dass ich zuletzt so viel Spaß mit einem neuen Mario-Spiel gehabt hatte. Umso erstaunter bin ich, dass letztendlich doch kein "perfektes" Spiel für mich dabei herausgekommen ist - immerhin sind die Anforderungen und Erwartungen an ein neues 3D-Mario auch so hoch wie der Himalaya.

Vielleicht liegt es an meinem Alter? Ich habe bereits so viele Mario-Spiele gezockt, so vieles gesehen. Da ist doch nur natürlich, dass sich langsam einige leichte Abnutzungserscheinungen bei mir breit machen. Meine Reaktionen sind nicht mehr so flink und die Versuche einen dieser “Profi-Jumps” hinzubekommen mit nur wenig Erfolg versehen.

Es fehlt einfach dieser “Aha!”-Moment, den seinerzeit ein Super Mario 64 mit der bloßen Darstellung dreidimensionaler Hüpf-Welten einheimsen konnte. Oder ein Super Mario Galaxy mit der grandiosen Planeten-Mechanik, bei der der Klempner auch gerne mal kopfüber stand. Nein, auch Super Mario Odyssey geizt nicht mit coolen Momenten - allein die Retro-Reminiszenzen in den kultigen 2D-Pixel-Leveln ließen ein Grinsen nach dem nächsten über mein Gesicht wandern. Da kommt die Hut-Mechanik inklusive der Verwandlungen für mich persönlich leider nicht ganz ran.

Dennoch steht fest: Nintendo hat einfach ein Gespür für kleine Details! Versteckte Pixel-Graffitis auf den Wänden, ein im Sand spielender Hund am Strand, die ganzen ins kleinste Design-Detail eingearbeiteten Hüte, die nahezu perfekt aufgebauten und stets überraschenden Welten - es ist einfach so viel in diesem Spiel, in was man sich ohne Probleme sofort verlieben kann!

Nach rund 40 Stunden Spielzeit habe ich noch immer nicht alles gesehen, wohl aber genug um mein finales Urteil ziehen zu können: Super Mario Odyssey macht “The Legend of Zelda: Breath of the Wild” den ersten Platz auf der Hitliste zum Spiel des Jahres leider NICHT streitig, gehört aber dennoch als sicherer Pflichtkauf auf die Liste eines jeden Gamers, der sich mal wieder von vorne bis hinten in ein Spiel verlieben will. Wer dabei - wie meiner einer - bereits seit Super Mario Bros. dabei ist, sollte seine Erwartungen aber zum Selbstschutz etwas zügeln. Besser als hevorragend geht dann halt auch nicht.

Wir ziehen 10 von 10 Hüten vor Super Mario Odyssey, verleihen - Trompetenwirbel! - 92 von 100 lila strahlenden Monden und machen vor Freude 5 von 5 Rückwärtssalti durch die Luft.

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