Die Macht ist stark in EA

Star Wars Battlefront im Test für PlayStation 4

Die Macht ist stark in EA: Star Wars Battlefront im Test für PlayStation 4 Die Macht ist stark in EA: Star Wars Battlefront im Test für PlayStation 4 Foto: EA
Von |

Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Filmstart des neuesten Star-Wars-Films. Entwickler Dice und Publisher EA bieten uns aber schon jetzt das Krieg-der-Sterne-Feeling – mit Battlefront.

Von dem Geräusch eines stampfenden, gewaltigen AT-AT Kampfläufers kriege ich nicht genug. Erst recht nicht, wenn das charakteristische Kreischen seiner Blaster-Kanonen ertönt, während Rebellen-Speeder sich nähern und versuchen, ihn zu Fall zu bringen.

Der Klang und die Soundeffekte in Battlefront sind eine tiefe Verbeugung vor den Star-Wars-Fans und eine geniale Meisterleistung. Jedes Mal, wenn ich eine Partie starte, läuft mir ein wohliger, kalter Schauer über den Rücken. Auch optisch sind die vier Hauptkarten, Hoth, Endor, Tatooine und Sullust sowie ihre Abwandlungen, der reinste Genuss. Man fühlt sich wie im Fan-Himmel.

"Die Macht, stark sie ist in diesem Spiel" Star Wars Battlefront - Alle Screenshots auf einen Blick 21 Fotos

Nicht nur, dass sich die Karten deutlich unterscheiden. Sie sind mit so viel Liebe zum Detail gestaltet, dass ich mich nicht sattsehen kann: Auf Tatooine laufen Jawas in einen Lehmbau, auf Endor fliegen Ewoks mit einem primitiven Segelgleiter von Baum zu Baum. Auf Sullust durchziehen gewaltige Magmaströme die Landschaft, und Hoth pendelt zwischen klaustrophobischen Eishöhlen und weiträumigen Schnee-Ebenen. Selbst nach mehreren Durchgängen entdecke ich immer noch etwas Neues. Man sieht, hört und spürt Star Wars an jeder Ecke. Hut ab, Dice.

Aber es ist nicht nur die gelungene Präsentation, die über die Qualität eines Spiels entscheidet. Am Gameplay gibt es wenig auszusetzen. Große Kampfmaschinen fühlen sich schwer und mächtig an. Kampfflieger lassen sich mit etwas Übung sehr leicht steuern. Und mein Infanteristen-Alter-Ego tut das, was ich ihm mit dem Controller sage. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann ist es die etwas zu wohlwollende Zielhilfe. Die erlaubt es mir in der getesteten PS4-Version, dass ich mit einem auf lange Distanzen eigentlich ungenauen Blastergewehr selbst über weite Strecken immer noch treffen kann.

Fantastische Inszenierung, gewollt chaotisches Spiel

Dadurch, dass es keine Squads und keine taktischen Absprachen gibt, ist jeder Spieler zunächst auf sich allein gestellt und er muss doch irgendwie mit den anderen kooperieren. Das gelingt mal mehr, mal wenig gut – ist aber immer wieder unterhaltsam. Und Vieles wie Raketen oder Geschütztürme finden sich nur als Pick-Up auf den Karten. Selbst wenn man weiß, wo man die findet, ist jemand anders vielleicht vorher da. Dadurch regiert der Zufall in jeder Partie.

Aber das ist noch nicht einmal schlimm. Es macht Battlefront tatsächlich abwechslungsreich. Das individuelle Können aber ist dafür nicht mehr so entscheidend. Wer mit diesem Chaos auf Schlachtfeldern einer Galaxie weit, weit entfernt leben kann, hat in Battlefront durchaus seinen Spaß.

"Heiß und kalt" Star Wars Battlefront - Screenshots 53 Fotos

Und man kann seine eigene Figur mit der Zeit durchaus ausrüsten. Die Waffen- und Fähigkeiten-Auswahl ist recht gut ausbalanciert und bietet genug taktische Tiefe, um nicht alles dem Zufall zu überlassen. Auch die vier Hauptkarten erlauben unterschiedliche Vorgehensweise: Hoth mit seinen weiten Eis-Flächen zwingt mich dazu, in Bewegung zu bleiben. Auf Tatooine mit seinen verwinkelten Schluchten und Höhlensystemen sind Überraschungsangriffe möglich. Endor wirkt wie eine Spielwiese für Scharfschützen. Und Sullust ist eine Mischung aus Hoth und Tatooine.

Wenn man dann noch auf einer der Karten erst einmal das Pick-Up geschnappt hat, um einer der Helden oder Schurken zu sein, wird es zudem ein völlig anderes Spiel. Luke Skywalker, DarthVader, Imperator Palpatine, Prinzessin Leia, Han Solo und Boba Fett haben unterschiedliche Stärken und Schwächen.

Es macht jede Menge Spaß, als einer von ihnen in den Reihen des gegnerischen Teams zu wüten – oder einem Mitspieler dabei zuzusehen, wie er als Boba Fett mit dem Jump-Pack plötzlich zwischen den Rebellen landet und „aufräumt“. Weniger gut gelungen sind dafür ihre Filmzitate, die auf Dauer etwas nerven und im grandiosen Soundgefüge tatsächlich stören.

"Mehr Inhalt es braucht.": Star Wars Battlefront: Diese Helden wollen wir als nächstes sehen! "Mehr Inhalt es braucht." Star Wars Battlefront: Diese Helden wollen wir als nächstes sehen! Zum Artikel »

Nicht alle Spielmodi sind gelungen

Beim Test konnten mich auch nicht alle Spielmodi überzeugen. Fangen wir mit dem Positiven an: In "Abwurfzone" kämpfen jeweils acht Spieler in zwei Teams darum, Kapseln zu erobern. Es ist ein schnelles Spiel, in dem rasch reagiert werden muss. Das macht Spaß und hat sogar ein taktisches Element.

In "Vorherrschaft" müssen dann 20 Rebellen gegen 20 Stormtrooper Kontrollpunkte erobern und halten. Da kommen dann auch AT-ST-Läufer ins Spiel oder Kampfflieger. Die Dynamik einer Schlacht verändert sich deutlich, wenn aus dem Gefecht der Infanteristen ein Kampf gegen Maschinen wird: Auf einmal werden Lasertürme und Ionen-Kanonen ziemlich wichtig.

Am meisten beeindruckt hat mich aber "Kampfläufer-Angriff": 20 Stromtrooper versuchen 20 Rebellen daran zu hindern, Up-Link-Stationen zu aktivieren. Die wiederum ermöglichen es den Rebellen, mit Y-Wing-Kampfliegern die Schilde der AT-AT-Kampfläufer auszuschalten. Denn nur dann sind die verwundbar. Das Ergebnis sind epische Schlachten.

"Platz nehmen du musst, entspannen du wirst!": Star Wars Event: Boeing 787 im R2D2-Design hebt ab! "Platz nehmen du musst, entspannen du wirst!" Star Wars Event: Boeing 787 im R2D2-Design hebt ab! Zum Artikel »

Danach aber nimmt die Qualität der Modi schnell ab. "Jägerstaffel" wirkt eher wie eine Übungseinheit, um endlich die Steuerung der Kampfflieger zu lernen. Das macht ein paar Runden lang Spaß, danach aber empfand ich es als langweilig. Die einzigen Überraschungsmomente: Wenn es einem Mitspieler gelingt, Han Solos "Millennium Falcon" oder Boba Fetts "Slave I" über Pick-Ups freizuschalten.

"Fracht" erinnert zu sehr an das klassische "Capture the Flag" und ist wenig innovativ. "Droidenalarm" ist überspitzt gesagt ebenfalls ein "Capture the Flag"-Modus, in dem es aber um mobile Droiden geht. "Heldenjagd" oder "Helden gegen Schurken" sind ganz nett für eine Runde, wirken aber hektisch und aufgesetzt – so als ob man für die im Spiel präsenten Star-Wars-Promis noch eine eigene Bühne schaffen wollte.

Und "Gefecht" ist ein Team-Deathmatch. Da bieten mir Kampfläufer-Angriff und Vorherrschaft allerdings deutlich mehr Spaß. Daneben gibt es zwar keine Einzelspieler-Kampagne, aber den Überlebens-Modus: Man tritt alleine oder mit einem Mitspieler gegen Wellen von Gegnern an. Das ist indes nur so lange interessant, bis man es einmal bis zum Ende geschafft hat. Danach wiederholt es sich.

Karten, Modi, Missionen, Vehikel, Helden und Bösewichte: Star Wars Battlefront - Alle Infos auf einen Blick Karten, Modi, Missionen, Vehikel, Helden und Bösewichte Star Wars Battlefront - Alle Infos auf einen Blick Zum Artikel »

Fazit (Ludwig)

Was bleibt nun von Battlefront nach der Euphorie über die grandios gelungene Inszenierung und das Star-Wars-Feeling, das wie eine Welle über den Spieler zusammenschlägt: Das Gameplay ist gelungen, und der Einstieg fällt sehr leicht. Wer nur gelegentlich mal eine Runde spielen will, findet sich in Battlefront schnell zurecht.

Das gewollte Chaos und das Zufallsprinzip über die Pick-Ups auf den Schlachtfeldern lassen auch weniger geübten Spielern genug Chancen, einfach nur Spaß zu haben im Star-Wars-Universum. Zumindest für eine gewisse Zeit. Die vier großen Karten sind neben ihren Abwandlungen für die diversen Spielmodi auf Dauer etwas wenig.

Aber die nächste Erweiterung steht bereits fest: Auf dem Planeten "Jakku" aus dem neuen Star-Wars-Film "Das Erwachen der Macht" können sich Multiplayer-Fans bald austoben. Ab dem 1. Dezember dürfen Vorbesteller des Hauptspiels dort landen, ab dem 8. Dezember ist es dann für alle Spieler freigegeben. Und danach wird noch mehr nachgeschoben. Es muss ja einen Grund für den Season-Pass geben. Wahrscheinlich wird es dann noch einige neue, vielleicht innovativere Spielmodi geben.

Derzeit hält Battlefront bei der Inszenierung, was Dice versprochen hat. Und es macht in Abwurfzone, Vorherrschaft und Kampfläufer-Angriff jede Menge richtig. Darum: Man kann zugreifen und wird als Gelegenheitsspieler nicht enttäuscht sein. Ein Pflichtkauf für einen Star-Wars-Fan oder einen erfahrenen Battlefield-Veteranen ist es aber nicht.

Neue Szenen mit Rey, Finn und Han Solo: "Star Wars 7: Das Erwachen der Macht" - ABC zeigt neuen Trailer Neue Szenen mit Rey, Finn und Han Solo "Star Wars 7: Das Erwachen der Macht" - ABC zeigt neuen Trailer Zum Artikel »

Fazit (Michael)

Für mich steht vor allem eines fest: Als Star Wars Fan wird einem in "Star Wars Battlefront" das Herz aufgehen. Besonders dann, wenn man mit den Helden der Spielfilme über die Schlachtfelder ziehen kann.

Das Spektakel auf dem Bildschirm ist dabei ein echter Augenschmaus. Egal ob es die Waldgebiete von Endor oder die Winterlandschaften auf Hoth sin – die Frostbite 3 Engine gibt alles. Freunde von lokalen Koop-Spielen werden sich zudem die Hände reiben, denn alle Missionen die nicht online gespielt werden können, können über den Splitscreen-Modus gespielt werden. Und dass ganz ohne optische Einbußen.

Leider hat das Spiel aber dennoch einige nicht wegzudiskutierende Schwächen, allen voran der geringe Umfang. Die Auswahl der Helden ist etwas gering, insgesamt 12 Maps im Mehrspielermodus sind zu wenig um länger zu unterhalten. Darüber kann auch die große Auswahl an Waffen und Upgrades für unser Alter Ego nicht hinwegtäuschen.

Mit Sicherheit werden kostenpflichtige DLCs oder Mappacks den Umfang in Zukunft zwar erhöhen, dennoch ist das Gebotene für ein Triple-A Vollpreisspiel fast schon frech. EA setzt darauf, dass viele Fans der Science Fiction Saga dennoch zuschlagen werden – und laut den ersten Verkaufszahlen tun sie das auch.

Um mit etwas positivem abzuschließen: Die Multiplayer-Schlachten sind kurzweilig und Battlefield-Entwickler Dice bringt sein ganzes Know How in das Spiel ein. Wer sich online messen möchte wird mit Battlefront sicherlich ein gutes Spiel bekommen, mit dem man sich viele Stunden gut beschäftigen kann. Wer allerdings einen Bogen um Online-Shooter macht, der sollte auch bei Star Wars Battlefront keine Ausnahme machen.

Vorhaut Uncut: Fallout 4 im Test Vorhaut Uncut Fallout 4 im Test Zum Artikel »

Fazit (Daniel)

Da ist es endlich, das meist gehypte Spiel des Jahres. "Und? Wie isses nun?" Eines gleich vorweg: Die Publisher machen es Spieletestern heutzutage wirklich nicht mehr einfach. Day-1-Patches, nachgereichte Inhalte und Season-Pass-DLC-Gesummse sei Dank, lässt sich kaum noch ein Titel vernünftig innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Veröffentlichung bewerten. Andererseits wollt ihr da drauße ja genau das von uns: Ein verlässliche Hilfe, ob ein Titel nun "lohnt", oder besser nicht angerührt werden sollte.

Wenn ich eben auf diesem Standpunkt ansetze, solltet ihr Star Wars - und das tut weh - erstmal links liegen lassen. Allen voran weil es aktuell genug Spiele gibt, die mehr Inhalt auf die Waage bringen und euch nicht gleich den Season Pass aufzwängen.

Eines sollte JEDEM potentiellen Stars Battlefront Spieler klar sein: OHNE den Season Pass für separate 50 Euronen macht der Titel keinen Sinn. Die 12 Karten und 6 Helden sind schneller durchgenudelt, als ein Jawa "Utini" und ein Ewok "Kush drojh" rufen kann. Wieso also nicht gleich auf die "Game of the Year"-Edition warten, welche 2016 so sicher auf unserem Planeten landen wird, wie das Amen in der Kirche? 

Um's kurz zu machen: Das Grundgerüst steht auf stabilen AT-AT-Beinen und ist eine Freude für Gelegenheitszocker, Profis und Strategen dürften sich aber schnell langweilen. In seiner Simplizität erinnert Battlefront bisweilen an alte Ego-Shooter-Klassiker der 90er Jahre - und das ist als großes Lob gemeint. Für den Preis bietet es abseits der bereits zigfach gelobten, audiovisuellen Kulisse aber zu wenig. 

Abschließende Wertung

Insgesamt vergeben wir 22 von 30 Wookie-Strähnen, 75 von 100 Wompratten, 4 von 5 Kesselflügen, 37 von 50 Wampa-Hieben und ein Jawa-"Utinni" obendrauf.

Mit Bleifuß durch Ventura Bay: Need for Speed im Test für PlayStation 4 Mit Bleifuß durch Ventura Bay Need for Speed im Test für PlayStation 4 Zum Artikel »

Wildes Sibirien: Rise of the Tomb Raider im Test für Xbox One Wildes Sibirien Rise of the Tomb Raider im Test für Xbox One Zum Artikel » Wiederentdeckte Abenteuerlust in 1080p: "Uncharted: The Nathan Drake Collection" im Test für PlayStation 4 Wiederentdeckte Abenteuerlust in 1080p "Uncharted: The Nathan Drake Collection" im Test für PlayStation 4 Zum Artikel » Assassinen in bester Form: Assassin's Creed Syndicate im Test für PlayStation 4 Assassinen in bester Form Assassin's Creed Syndicate im Test für PlayStation 4 Zum Artikel »