Turm aus Elfenbein

RiME im Test für PlayStation 4

Turm aus Elfenbein: RiME im Test für PlayStation 4 Turm aus Elfenbein: RiME im Test für PlayStation 4 Foto: Tequila Works

Bereits beim ersten Trailer auf der Gamescom 2013 staunten viele Spieler nicht schlecht: Eine Prise ICO und eine Scheibe Journey, fein abgeschmeckt mit süßem Zelda-Gewürz, fertig ist der potentielle Indie-Hit. Ganze vier Jahre später haben wir das Gericht nun vor uns liegen und kosten vorsichtig Probe.

Der kleine, namenlose Junge mit dem roten Umhang, der an einem mysteriösen Eiland angeschwemmt wird, hat eine beschwerliche Reise vor sich. Das Spiel selbst hat eine mindestens ebenso beschwerliche Reise bereits hinter sich: Von Microsoft als Download-Titel für XBLA abgelehnt, schnappte sich Sony den Titel als PlayStation 4 Exklusiv-Indie. Wieder einige Jahre später, im März 2016, konnte sich Entwickler Tequila Works die Rechte zurückkaufen – Publisher Grey Box und Six Foot sprangen für sie in die Bresche.

Von dem Vermarktungschaos im Hintergrund profitieren nun alle Spieler: RiME ist mittlerweile nicht nur für PlayStation 4, sondern auch für Xbox One und den PC (via Steam) erhältlich – selbst eine Version für die Nintendo Switch ist geplant und aktuell mit "drittes Quartal 2017" ausgezeichnet.

Harte Konkurrenz für einen kleinen Jungen

Das spanische Indie-Entwicklerteam Tequila Works ist lange kein Unbekannter mehr in der Szene: Bereits der finstere Survival-Horror Deadlight begeisterte Spieler 2012 weltweit – und mit The Sexy Brutale schoben sie erst vor kurzer Zeit, im April 2017, einen weiteren Indie-Hit nach, der sich mit großer Sicherheit in vielen "Best of Indie 2017"-Listen wiederfinden wird.

RiME hingegen kommt die lange Entwicklungszeit sichtbar in die Quere: Wäre der Titel kurz nach seiner ersten Enthüllung auf der Gamescom 2013 erschienen, wäre die Welt noch um einiges hellhöriger gewesen, als sie es in der heutigen, von unzähligen ähnlich gelagerten Abenteuern dominierten Szene ist. Damals nannte man "ICO" und "Journey" als Ideen-Geber, heute muss sich RiME mit Schwergewichten wie dem visuell ähnlich gelagerten und weitaus umfangreicheren Rätsel-Abenteuer "The Witness", sowie Spielen wie "The Last Guardian", "ABZU", "The Talos Principle" und "The Legend of Zelda: Breath of the Wild" anlegen.

Natürlich wird es wohl kaum das Ziel der Entwickler gewesen sein, sich überhaupt mit solch "großen" Titeln zu messen. Der vorgeschlagene Preis von 30 Euro (35 Euro auf Steam) liegt jedoch weit über der üblichen Indie-Grenze von 15 bis 20 Euro – und ist unserer vorgegriffenen Meinung nach zu hoch angesetzt.

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Vom Drang Dinge zu verschieben

Im Kern ist RiME ein klassisches Rätsel-Abenteuer: Wer mit Schwertern und Äxten gegen riesige Fantasy-Wesen kämpfen will, ist hier definitiv an der falschen Adresse. Anstelle dessen dürft ihr Wildschweine mit Beeren füttern, Kisten verschieben und jede Menge mal mehr, mal weniger knifflige Rätsel lösen.

Nachdem ihr an den Strand einer mysteriösen Insel geschwemmt wurdet, kommt ihr erst mal nicht darum umher die optische Pracht des Spiels in euch aufzusaugen: Kleine Krebse krabbeln über den Sand, das Meer lädt zum Schwimmen (und Tauchen!) ein, deftig grüne Sträucher wiegen sich im Wind und Möwen fliegen über eurem Kopf in Richtung Sonne – dabei simuliert RiME übrigens auch einen Tag-Nacht-Wechsel mit wunderbaren Sonnenauf- und Untergängen.

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Dabei bleibt das Spiel meist erstaunlich "still" und lenkt euch durch visuelle Hinweise von einem Ort zum nächsten. In Sachen Mechaniken wird der Ball ebenfalls flach gehalten: Der kleine, indianisch angehauchte Junge kann springen und sich per Ausweichrolle aus brenzligen Situationen retten. Wichtig ist nur seine Stimme: Mit dem Summen diverser Lieder erweckt ihr Statuen und lasst bläuliche Flammen auflodern.

Nach einem ruhigen Anfang mit viel Knobelkost wird RiME im Laufe der gut 6 bis 8-stündigen Kampagne merklich düsterer und bedrohlicher – und auch die Handlung wird konkreter, die Spielmechaniken komplexer. Was jedoch fehlt ist ein Alleinstellungsmerkmal – viele Dinge haben wir bereits in ähnlichen Varianten bei der Konkurrenz gesehen.

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Es ruckelt im Karton

Trotz der pittoresken Grafik und der wunderschönen Soundkulisse, welche uns im Laufe des Abenteuers immer mehr an die Filme der japanischen Animations-Profis von Ghibli erinnert, ist RiME technisch (noch!) eine harte Probe für Technik-Fetischisten. Gleich der erste Aufstieg einen Hang hinauf empfängt euch auf der PlayStation 4 mit herben Ruckelanfällen, welche die Frame-Rate quer von 25 bis 45 FPS springen lässt. Auf der PS4 Pro sind die Probleme ebenfalls sichtbar, nur läuft der Titel hier immerhin an einigen Stellen mit bis zu 60 FPS über den Bildschirm. Die Xbox One Version erobert technisch sogar den letzten Platz.

Diese Ausfälle sind leider keine Seltenheit, sondern ziehen sich quer durch das gesamte Abenteuer: Da muss man selbst wenig geschulte Augen lange zudrücken, um sich die hinter Rime werkelnde Technik schönzureden. Ähnliche Eindrücke werden auch in den Foren der PC-Version diskutiert. Die große Frage bleibt: Wie soll Rime auf der technisch schwächeren Nintendo Switch laufen, wenn bereits die "großen" Versionen sichtbare Probleme haben?

Grafik-Probleme mal beiseite gewischt: Der Soundtrack ist fantastisch!

Fazit

Bei aller Liebe zum recht einzigartigen, audio-visuellen Stil, der spannenden Handlung und der über allem schwebenden Leichtigkeit, bietet RiME letztendlich doch "nur" mehr vom Selben. Schreckt euch der recht hohe Preis von 30 Euro nicht ab, findet ihr hier einige spaßige Spielstunden, welche jedoch fast vollkommen ohne Wiederspielwert daherkommen.

Legt man dann noch die technischen Probleme obendrauf, lautet das harsche Urteil: Wartet besser noch ein wenig ab, bis sich die Entwickler ihrem Spiel nochmal mit einem technischen Update angenommen haben – dann gibt es RiME garantiert auch bereits zu vernünftigen „Sale“-Preisen. So, oder so lohnt der Ausflug auf die Insel.

RiME bekommt von uns 3 von 5 knuffigen Wildschweinen, 7 von 10 mit einem erleichterten Grinsen im Gesicht gelöste Licht-Schatten-Rätsel und 78 Prozent pure Stimmgewalt.

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