Need for Spielspaß

Need for Speed Payback im Test

Need for Spielspaß: Need for Speed Payback im Test Need for Spielspaß: Need for Speed Payback im Test Foto: EA
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Der große Name "Need for Speed" hat über die letzten Jahre einige Schrauben auf dem Asphalt gelassen. Der neueste Ableger heizt jetzt mit dem Untertitel "Payback" um die Ecke - und diesmal will EA alles besser machen. Wirklich! Ganz bestimmt! Schlechte Nachrichten: Im Test verraten wir euch, wieso das erneut nicht funktioniert hat.

Was ist bloß aus "Need for Speed" geworden? Ende der 90er und in den frühen 2000er Jahren war der Name der Inbegriff für packendes Action- und cooles Rennspielflair. Doch das war einmal.

Etliche Studios haben sich mittlerweile durch die Entwicklung diverser NfS-Spiele ihren guten Ruf kaputt gemacht. Jüngstes Opfer: Die schwedische Entwicklerschmiede Ghost Games, die sich aus vielen ehemaligen Profis der Studios Black Box (Need for Speed Underground), Criterion (Burnout) und Playground Games (Forza) zusammensetzt. Bei so viel Talent überrascht es umso mehr, dass davon in Payback leider nichts mehr zu sehen ist. Aber fangen wir von vorne an.

Die goldene Handbremse für die schlechteste Story aller Zeiten

Zugegeben: Niemand hat eine Handlung erwartet, welche einen Spiele-Oscar für die besten, virtuellen Figuren und das komplexeste Innenleben eines Hauptcharakters absahnt. Was uns EA mit "Payback" jedoch in Sachen Handlung auftischt ist bemerkenswert schlecht - selbst für ein Rennspiel.

Insgesamt gibt es drei Hauptcharaktere. Allesamt sind der Inbegriff der plakativen Renn-Stereotypen. Markige Einzeiler und coole Sprüche findet ihr in Need for Speed Payback zuhauf. Doch leider kann man die Protagonisten niemals ernst nehmen, wodurch diese Sprüche einfach nur aufgesetzt wirken.

Insbesondere Tyler ist wohl einer der am schlechtesten geschriebenen Protagonisten der letzten Jahre: Flach wie der Asphalt in der Wüste! Hinzu kommt, dass er, wie ich persönlich finde, einfach nur unglaublich unsympathisch ist: Egal ob Aussehen, miese Sprüche, oder sein Verhalten gegenüber seiner Umwelt - Nein, so jemandem will man nicht zum Freund haben! Und erst recht nicht in seine virtuelle Haut in einem Videospiel schlüpfen. "Urghs!"

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Was die eigentliche Geschichte angeht, klingt das Ganze nach einem schlechten Abklatsch von "The Fast and the Furious" und bedient sich schamlos an allen Action-Szenen, welche ihr in den letzten Jahren zuhauf im Kino gesehen habt. Die im Verlauf des Spiels wieder zusammen getrommelte Crew wurde durch einen Betrug bei einem fehlgeschlagenen Heist auseinandergesprengt. Nun sind alle auf Rache aus und steigen folglich richtig auf das Gaspedal.

Diese Open World nützt niemanden

Um euch einen Namen zu machen, müsst ihr mit allen Charakteren, die im Übrigen spezialisiert auf bestimmte Autotypen sind, Rennen absolvieren. Die große Karte des Spiels gibt euch hierzu viele Anlaufstellen, wirkt trotz ihrer Größe aber erstaunlich "leer" - und das liegt nur bedingt am Wüsten-Setting.

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Die offene Spielwelt steht euch öfters mehr im Weg, als dass sie euch nützen würde: Wenn man schon versucht, eine vernünftige Geschichte in ein Rennspiel zu packen, sollte der Spieler aus meiner Sicht recht linear durch die Spielwelt geführt werden. Das ist hier nicht der Fall. Immerhin unterhält euch das bereits aus Forza Horizon bekannte Suchen von versteckten Autowracks.

Unterschiedliche Events erfordern unterschiedliche Autos. So könnt ihr zum Beispiel nur mit einem Driftauto an entsprechenden Events teilnehmen. Klingt logisch und wäre auch nicht schlimm, wenn man sein Auto einfach zu jeder Zeit wechseln könnte. Das geht aber nicht. Stattdessen müsst ihr erst einmal die nächste Garage auswählen, ein entsprechende Auto für das Event aussuchen und dann wieder zu eurem Ziel fahren. Wirklich sehr unkomfortabel und nervig.

Pay-2-Zeitsparen

Nervig ist auch, dass ihr eure Autos für viel Ingame-Geld kaufen müsst. Das wäre nicht weiter schlimm, könntet ihr euch diese mit dem normal verdienten Geld der Rennen leisten. Leider ist auch dies nicht der Fall. In der Regel müsst ihr Events mindestens zweimal wiederholen, um euch ein entsprechendes Auto für ein neues Event kaufen zu können.

Hier kommt der Grind ins Spiel, den es eigentlich nicht geben sollte. Aber halt, zum Glück gibt es eine Möglichkeit den Prozess abzukürzen. Echtgeld! Loot Boxen! Wie mittlerweile üblich, ist die leider eure einzige Option euch viel repetitives Gameplay zu ersparen. Traurig, dass eine Spieleserie mit solch einem Namen wie Need for Speed zu so etwas verkommen ist. Immerhin werdet ihr mit solchen Angeboten während des Spiels nicht aufdringlich gestört und das Feature ist nur über das Pausenmenü zu erreichen.

Mit 0815 Km/h durch die Wüste

Doch schauen wir aufs Spielerische. Vielleicht sieht es hier besser aus. Und in der Tat macht Need for Speed Payback auf der Straße eine vernünftige Figur. Man bedenke, dass es sich hier um einen reinrassigen Arcade-Racer handelt. Entsprechend heizt ihr ohne realistische Fahrphysik über die Straßen und driftet die Berge hinauf. Das funktioniert bis auf einige Kleinigkeiten gut. Das Drift-System hingegen ist extrem gewöhnungsbedürftig und widerspricht eigentlich allem, was man beim echten Drifting beachten muss.

Dennoch kommt ein gutes Geschwindigkeitsgefühl auf und besonders Missionen, in denen ihr nicht eure eigenen Autos fahrt machen viel Spaß. Die vielen extra PS der besonders ausgestatteten Boliden machen sich dann doch bemerkbar. Umso trauriger, wenn ihr danach wieder in eure eigenen Autos einsteigen müsst. Aber hey, ihr könnt euch die Verkürzung der Wartezeit ja auch kaufen.

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Die unterschiedlichen Rennmodi spielen sich selbstverständlich auch sehr verschieden. Die Drift- und die Drag-Events brauchen besonders im späteren Verlauf des Spiels einiges an Übung - und natürlich den richtigen Wagen. Denn hier liegt der Hund begraben: Im weiteren Verlauf des Spiels erfüllt euer Auto nicht zwangsläufig den Leistungsempfehlungen des Spiels. Das heißt, die Events können zur echten Geduldsprobe werden.

Das Tuning eurer Karren erfolgt übrigens durch sogenannte "Speedkarten" - beinahe komplett zufällige Ausbeute, welche sechs Bauteil-Kategorien bedient. Das Problem: Euer Einfluss auf das Tuning der Karren ist vom Glück abhängig. Wer beispielsweise drei Karten einer bestimmten Marke verwendet, freut sich über einen zusätzlichen Speed-Boost. Nicht verwendete Karten könnt ihr in einer Lotterie gegen Gutscheine eintauschen. Natürlich ist das ganze, ziemlich konfuse System auch mit Echtgeld-Käufen verzahnt. Wer sich das ausgedacht hat, gehört wortwörtlich in die Wüste geschickt. 

Technisch gut

Wo man dem Titel keinerlei Vorwurf machen kann ist die Technik. Die Grafik sieht besonders in 4K ausgezeichnet aus und die Raserei läuft nahezu immer flüssig und konstant mit 30 Bildern pro Sekunde über den Bilschirm. Auch die Soundkulisse inklusive der Motorengeräusche ist mehr als in Ordnung. Die Fahrzeugmodelle haben zwar nicht die besten Schadensmodelle, sehen aber sehr schick aus.

Ebenfalls sehr schick: die Lichtstimmungen in der Stadt und auf dem Land. Hier kann die von DICE gelieferte Frostbite-Engine ihr ganzes Potenzial entfalten. Eigentlich könnte man sagen, dass Need for Speed Payback ein deutlich besseres Spiel geworden wäre, wenn die spielerische Qualität durchweg der technischen Qualität des Titels entsprechen würde.

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Fazit

Das war wieder mal nix! Electronic Arts liefert mit dem neuen Need For Speed leider erneut kein gutes Spiel ab. Die Geschichte ist unglaublich dünn und schlicht dämlich, das Bezahl-und Belohnungssystem undurchdacht und der Spielablauf zu sehr mit Grinding verbunden.

Es hat den Anschein, als wäre dem Publisher der Ruf der Serie mittlerweile egal und es ginge nur um Gewinnoptimierung. Denn der Name wird sicherlich einige Käufer an die Ladentheke locken. Dies zieht sich leider zurzeit durch die Branche und hat mit Need for Speed Payback und dem aktuell ebenso hitzig diskutierten Battlefront 2 einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Für die Rennspielserie ist Payback ein weiterer Rückschritt. Und das obwohl Entwicklungszeit und anscheinend auch ausreichend Budget zur Verfügung gestanden hat. Die Entwickler würden gut daran tun, wieder etwas gradliniger zu denken: Mehr Action auf der Straße und weniger drum herum.

Das fängt, wie schon gesagt an der belanglosen Geschichte an und hört mit der übergroßen und nicht wirklich gut gefüllten Open World auf. Weniger ist manchmal mehr und Pay-2-Win kann in meinem Verständnis von Videospielen niemals "mehr" sein. Immerhin ist die Action auf der Straße auf einem ordentlichen Niveau. So driftet der Titel knapp an einem absoluten Totalschaden vorbei.

Need for Speed Payback bekommt von uns 64 von 100 Prozent Racing-Flair, 2 von 4 neuen Reifen und entgeht dem Totalschaden nur ganz knapp.

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