Die Rückkehr des Königs?

Mittelerde: Schatten des Krieges im Test für Playstation 4

Die Rückkehr des Königs?: Mittelerde: Schatten des Krieges im Test für Playstation 4 Die Rückkehr des Königs?: Mittelerde: Schatten des Krieges im Test für Playstation 4 Foto: Warner Bros. Interactive Entertainment

Willkommen zurück in Mordor. Drei Jahre nach Erscheinen des ersten Teils begeben wir uns mit "Mittelerde: Schatten des Krieges" zurück in die Tolkien-Welt. Wie sich der zweite Teil spielen lässt, verraten wir in unserem Test.

Bevor es ins Eingemachte geht, wird uns als Spieler nochmal die ganze Vorgeschichte rund um den Waldläufer Talion zusammengefasst. Beginnend mit dem Mord an seiner Frau, seines Sohnes und schließlich seiner selbst, über die Verschmelzung mit dem Geiste Celebrimbors bis hin zu den Ereignissen aus “Mordors Schatten”. Entwickler Monolith lässt sich beim Erzählen Zeit und geizt dabei nicht mit schicken Render-Sequenzen.

Spielerisch startet das Sequel mit dem Schmieden eines neuen Ringes. Mithilfe dessen wollen Talion und Celebrimbor Mordor von innen bekämpfen, indem sie aus Ork-Truppen ein Heer für den Kampf gegen Sauron rekrutieren. Doof nur, dass gleich zu Beginn das neue Schmuckstück von Kankra entrissen wird.

Ihr erinnert euch an die riesige Spinne aus den Herr der Ringe Filmen? Genau die! Wobei uns Kankra vorwiegend in Gestalt einer attraktiven Frau erscheint. Statt kreischend mit Pantoffeln nach dem Achtbeiner zu werfen, arbeiten Talion und Celebrimbor mit ihr zusammen. Immerhin schenkt sie dem Waldläufer Visionen, in denen unter anderem Saurons Armee die gondorianische Stadt Minas Ithil zerstört. Um das Blutbad zu verhindern, reist Talion so schnell es geht dorthin.

In Minas Ithil treffen wir als Spieler erstmals auf menschliche NPCs der noch jungen Spielereihe. Wir verbünden uns mit den Kriegern Gondors, allen voran mit der jungen Schildmaid namens Idril. Sie ist Minas Ithils zweiter Hauptmann und Tochter von General Castamir. Gemeinsam mit ihr und den Kriegern Gondors versuchen wir die Stadt zu verteidigen, ehe wir uns später unseren Ring der Macht von der Spinnenfrau wieder holen.

Shadow of War 3 - image/jpeg

Die Eroberung Mordors

Fortan gilt es im Spiel eine Armee aufzubauen. Auch wenn wir mit unserer Elbenpower der einen oder anderen Ork-Brigade problemlos den Hintern versohlen; ganz ohne Gefolgsleute geht es dann doch nicht. Immerhin müssen wir zur Befreiung des Landes ganze Festungen einnehmen, die in Mordor verteilt sind. Diese obliegen immer der Obhut eines orkischen Overlords und seiner Handvoll Häuptlingen. Dass wir nicht ohne weiteres da einmarschieren, ergibt sich von selbst.

Jede Festung hat einen Gesamtlevel, der sich aus der Stärke der verteidigenden Orks ergibt. Bis zu fünf gegnerische Häuptlinge inklusive Upgrades wie Belagerungswaffen verteidigen dabei die Mauern. Um leichteres Spiel zu haben, können wir im Vorhinein auf Missionen gehen und einzelne Häuptlinge ausschalten. Diese fehlen dann zum einen während der Belagerung, zum anderen deaktivieren wir dadurch zusätzliche Verteidigungsanlagen. Statt gegnerische Häuptlinge zu töten, können wir aber auch die eigenen Reihen stärken, indem wir feindliche Hauptmänner mit unserer Macht aufzehren und rekrutieren. Bis zu fünf verbündete Orks können so mit uns in den Krieg ziehen.

Shadow of War 2 - image/jpeg

Die Schlachten selber werden im immer gleichen Stile abgespult. Es beginnt mit dem Eindringen ins innere der Gemäuer, wo wir mehrere Capture-Points erobern müssen. In diesen warten, sofern nicht vorher hingerichtet, bereits die feindlichen Häuptlinge, die es dann zu besiegen gilt. Mit dem Erobern aller Punkte erhalten wir Zutritt ins Herz der Burg. Dort erst wartet der Overlord samt Gefolgschaft, um uns anschließend wegzukloppen.

Bekommen wir erst hier auf unsere gondorianische Mütze, können wir übrigens wieder ganz von vorne anfangen. Von Autosaves ist während der gesamten Eroberung keine Spur! Ist der Overlord aber geschlagen, so gehört die Festung uns. Nun können wir selber einen unserer verbündeten Orks zum Overlord befördern.

Herr der Ringe Feeling pur!

Die Karte von Schatten des Krieges ins viermal so groß wie die des Vorgängers und macht fünf Regionen begehbar: Minas Ithil, Cirith Ungol, Gorgoroth, Minas Morgul und Nurn. Aus den Filmen bekannte Städte wie Minas Tirith oder Osgiliath sind zwar mit in der Map eingezeichnet, aber (noch) nicht spielbar. Eventuell lässt sich Monolith hier die Freiheit für einen DLC. Die Map selber ist stilistisch super gestaltet und gibt einen guten Überblick über Mordor.

Neben den bekannten Schauplätzen gibt es auch Begegnungen mit prominenten Charakteren. So treffen wir einmal mehr auf Gollum, der uns mit deutscher Originalstimme durch die unbekannten Pfade Mordors führt. Erstmals begegnen wir auch dem Hexenkönig und seinen Ringgeistern, die es in Missionen zu bekämpfen gilt. Ebenso wie dem Balrog aka Tar Goroth, der von einem Nekromanten-Ork beschworen wurde.

Shadow of War 1 - image/jpeg

Zu den bereits bekannten Kreaturen wie Caragor oder Graugs gesellen sich jetzt auch Drachen sowie Spinnen dazu. Drachen können (ähnlich wie Caragor) mit Ködern angelockt werden und bringen somit ein wenig mehr taktische Finesse mit. Doch Vorsicht, sobald eines der fliegenden Biester da ist, sollten wir schnellstens von den Dächern herunter. Andernfalls wird unser Waldläufer gebrutzelt!

Nemesis 2.0

Das Filetstück der Mittelerde-Reihe ist zweifelsohne das von Monolith eigens kreierte Nemesis-System. Kein Wunder, dass besonderes Augenmerk auf der Verbesserung und Erweiterung dessen geworfen wurde. Wer überhaupt nicht weiß was gemeint ist: Das Nemesis-System sorgt im Spiel für das Kreieren individueller Orks. Neben dem Namen und der Optik weist das Feature den Figuren Stärken, Schwächen oder auch Ängste zu. Damit ist jeder Ork ab Rang Hauptmann einzigartig. Besiegt uns einer dieser Gegner, wird er beim nächsten Aufeinandertreffen Bezug auf unseren letzten Kampf nehmen. Dadurch ergeben sich regelrechte Rivalitäten.

Zur Verbesserung des Features hat der Entwickler sieben verschiedene Stämme und noch viel mehr verschiedene Klassen eingeführt, die sich ungeschränkt kombinieren lassen. Die neueste und auffälligste Klasse dürfte der Olog-Hai sein. Ein trollartiger Zeitgenosse mit extrem viel Kraft, dessen Angriffe nicht zu parieren sind.

Je nach Stamm unterscheiden sich die Lebens- und Kampfstile der Orks. Mitglieder der Mystikerstamms setzen vermehrt auf Magie, während sich Orks aus dem Maschinenstamm der moderner Waffen verschrieben haben. Da sich die Kampfstile der Stämme so stark unterscheiden, müssen wir uns immer wieder auf’s neue auf unseren Gegner einstellen.

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Einen Shitstorm, den Publisher zu knechten

Spielerisch macht "Schatten des Krieges" eigentlich alles richtig. Und doch zogen bereits vor Release bei den Social-Media-Kanälen von Publisher Warner Bros. Interactive dunkle Wolken auf. Grund dafür war die zunächst sehr liebevoll gemeinte Anteilnahme für den Tod ihres Executive Producers Michael Forgey.

Das Monolith-Team ehrte seinen verstorbenen Mitarbeiter mit einem besonderen Ork namens Forthog, der uns innerhalb des Spiels zur Hilfe eilt, nur um dann wieder im Nebel des Krieges zu verschwinden. Forthog ist ein DLC-Charakter, dessen Verkaufserlöse (ca. 3,99 EUR) anteilig an die Familie gespendet werden sollten. Was aber für Unmut in der Community sorgte war das Kleingedruckte. Lediglich die Erlöse aus einigen der US-Bundesstaaten wären gespendet worden. Jeder Cent außerhalb der USA, so auch das Geld von uns, wären zu 100 Prozent an den Publisher geflossen. So ruderte Warner schnell zurück und bot den DLC kostenfrei an.

Nur unwesentlich besser kommt Warner beim Einführen der Loot-Boxen weg. Ja, auch in “Schatten des Krieges” gibt es diese unsäglichen Kisten mit Slot-Machine-Charakter. Wer sich also in der Online-Rangliste ganz oben wiederfinden will, der sollte schnellstens sein Echtgeld investieren, mit der Hoffnung in einer der Boxen einen legendären Ork oder Ausrüstungen zu finden. Dass dies völlig widersprüchlich zum (wirklich erstklassigen!) Nemesis-System steht, müsstet ihr dann aber außer acht lassen.

Während wir bei den meisten DLCs wissen, was wir für unser Geld bekommen, arbeiten die Loot-Boxen mit der Hoffnung der Spieler. Es ist wahrlich Glücksspiel, verpackt in einem sonst so tollen Game. Dickes Minus an dieser Stelle!

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Fazit

Mordor ist ein Stück bunter geworden. Nicht der Farbenpracht wegen, denn diese beschränkt sich weiterhin auf meist grau-bräunliche Ebenen. Nein, ich meine wegen der Vielfalt, die uns Warner Bros. mit "Mittelerde: Schatten des Krieges" bringt. Das Nemesis-System hat einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht und bietet mit seinen neu eingeführten Stämmen sowie den neuen Klassen viel mehr spielerische Tiefe als noch im Vorgänger. Das neue Feature der Festungsbelagerungen ist innovativ und macht Spaß. Die dadurch noch wertvoller werdenden Rekrutierungen von Orks ergeben jetzt viel mehr Sinn und stimmen uns beim Tod unserer Verbündeten gerne mal traurig.

Die vergrößerte Welt mit jetzt fünf spielbaren Regionen sowie das Hinzufügen neuer Kreaturen wie Drachen und Spinnen bieten mehr taktische Tiefe und weiteres Futter für das Nemesis-System. Rein optisch hat sich dagegen nicht viel getan, womit sich der Titel eher im Mittelfeld der aktuellen Spiele-Garde wiederfindet und Grafik-Puristen nicht vor Freude aus den Latschen kippen lässt. Dafür sehen die Rendersequenzen toll aus und auch die neu gestaltete Map mit Blick über ganz Mordor ist gelungen.

Einen faden Beigeschmack hinterlässt bei uns die Implementierung von Lootboxen, die besonders das Online-Spielerlebnis trüben. Auch die Kritik am Forthog-DLC halten wir für gerechtfertigt, wenngleich wir die Grundidee der Verewigung eines verstorbenen Kollegen innerhalb der Spielumgebung sehr schätzen.

Wir geben “Mittelerde: Schatten des Krieges” 8 von 10 erfolgreichen Hinrichtungen, 85 Prozent gefundene Ithildin und 4 von 5 eroberten Festungen.

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