Drama um ein Lama

"Minecraft: Story Mode, Season 2, Episode 1" im Test

Drama um ein Lama: "Minecraft: Story Mode, Season 2, Episode 1" im Test Drama um ein Lama: "Minecraft: Story Mode, Season 2, Episode 1" im Test Foto: Telltale Games

Minecraft hat euch zu wenig Handlung? Dann haben Telltale Games vielleicht die passende Lösung für euch. Wir haben die erste Episode der zweiten Season vom "Story Mode" durchgespielt und liefern unser Fazit.

Die Entwicklerschmiede Telltale Games ist mittlerweile zum Synonym für einen ganz eigenen Typus von Videospiel geworden: Angefangen mit The Walking Dead haben sie aus erzählerischen Entscheidungen und deren Konsequenzen, abgeschmeckt mit einigen Quick-Time-Events, simplen Rätseln und minimalistischen Eingabe-Aufforderungen, etwas erschaffen, das längst nicht jedem Vollblut-Gamer schmeckt. Der Titel „Visual Novel“ ginge vielleicht etwas zu weit, ist aber nahe dran an dem, was euch in diesen Spielen geboten wird.

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Wo der Fokus so stark auf der Handlung und den Charakteren liegt, muss natürlich auch entsprechend abgeliefert werden: The Walking Dead hat dies beinahe perfekt geschafft, und auch Titel wie The Wolf Among Us und das wunderbar skurrile, sarkastische und bitterböse Tales from the Borderlands konnten uns jeweils über mehrere Episoden lang hervorragend unterhalten.

Doch zuletzt schwächelten die Entwickler aus San Rafael in Kalifornien: Womöglich aufgrund zu vieler Auftragsarbeiten in zu kurzer Zeit – allein 2016 erschienen 4 (!) Spiele – scheint der kreative Geist zu leiden, die Batterien verbraucht. Doch wen scheren schon die Stimmen der Kritiker, wenn sich die Produkte weiter so blendend verkaufen?

Dementsprechend ist es auch kein Wunder, dass wir nun die bereits zweite Season zum eher zwiegespalten aufgenommen "Minecraft: Story Mode" vorgesetzt bekommen – der bereits seinerseits abseits der fünf normalen Episoden nochmal um 3 weitere Mini-Episoden ergänzt wurde.

Kurzes Vergnügen mit Knuddelfaktor

Vorkenntnisse benötigt ihr dabei nicht zwingend: Season 2 führt euch mit einer kleinen Rückblende in die Welt der Klötzchen ein und erlaubt euch sogar einige Schlüsselentscheidungen aus der ersten Season erneut zu treffen, um die Handlung auf diese Weise minimal zu beeinflussen. Selbst der Held der Geschichte unterliegt eurem Gusto: Ob Mann oder Frau entscheidet ihr, nebenbei gibt es 12 optische "Skins" obendrauf serviert.

Zur Geschichte wollen wir an dieser Stelle so wenig wie möglich verraten, denn bei einer Spielzeit von gerademal 90 Minuten bis maximal 2 Stunden (und auch diese nur, wenn ihr euch mal einen Kaffee und einen ausgiebigen Toilettengang zwischendurch genehmigt) ist Episode 1 nicht gerade ein inhaltliches Schwergewicht.

Nur soviel: Protagonist Jesse hat es sich mittlerweile in Beacontown bequem gemacht und wird von den Anwohnern als strahlender Held vergöttert. Mit seiner alten Bande an Freunden bricht er bereits zu Beginn den Kontakt ab – so wird Platz für neue Charaktere an seiner Seite gemacht. Immerhin Petra ist wieder mit am Start – und schon bald gesellt sich ein cooles Lama in die illustre Runde hinzu.

Überhaupt ist der Knuddelfaktor wieder extrem hoch: Neben dem Lama lassen kleine Wolfswelpen und die typischen Minecraft-Schweinchen euer „Oh wie süüüß!“-Herz vor Freude höher schlagen. Charme hat der Titel, keine Frage!

Minecraft 2 - image/jpeg

Es kommt wie es kommen muss: In einer Höhle entdeckt Jesse eine mysteriöse Reliquie – und löst damit wieder jede Menge Ärger aus. Wie gesagt: Weiter wollen wir an dieser Stelle gar nicht gehen, den Rest müsst ihr selbst herausfinden!

Mit Schwert, Diamantenrüstung und einem gruseligen Handschuh

Ein Wort noch fix zur Technik und dem wie gewohnt äußerst minimalistischen Spielmechaniken: Grafisch macht Episode 1 wieder eine gute Figur und fängt den Minecraft-Charme hervorragend ein. An der Soundfront haben sich erstklassige Synchronsprecher vergraben – leider kommt die musikalische Untermalung da nicht ganz mit. Insbesondere das "Beacontown"-Theme will irgendwie so gar nicht zum quirligen Charme der Stadt passen.

Spielerische Neuerungen gibt es ebenfalls nur wenige: Typisch für Minecraft dürft ihr diverse Gegenstände craften, sowie eine Statue im Dorf aus Minecraft-Steinen zusammen werkeln. Und die Kämpfe gegen Zombies und Spinnen bestreitet ihr bewaffnet mit einem Schwert, einer Ausweichrolle und einem Ausdauerbalken – das fühlt sich "ok" an, mehr aber auch nicht. Zugleich sagt es viel aus, dass die Kämpfe in Minecraft dagegen wie taktische Meisterwerke der Spielkunst wirken.

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Fazit

Auch die zweite Season von „Minecraft: Story Mode“ richtet sich eher an jüngere Spieler. Aber selbst die müssen in der ersten Episode einen recht zähen Einstieg hinter sich bringen, der bereits eine gute halbe Stunde der insgesamt kaum zwei Stunden Spielzeit für sich behauptet.

Zugegeben: Danach wird die Handlung spannender, auch wenn das spielerische Grundgerüst weiter gen Null tendiert und mir die Illusion wirklich weitreichender Entscheidung langsam aber sicher abhanden gekommen ist.

Knuffige Viecher wie das Lama und die Wolfswelpen erwärmen derweil selbst mein hartes Gamer-Herz und lassen darauf hoffen, dass Telltale Games die Handlung der kommenden Episoden besser und kreativer herrichten können, als dies noch in Season 1 der Fall gewesen ist.

Oder um es kurz zu machen: Wirkliche Minecraft-Fans haben sich das Teil ohnehin schon im Season Pass gekauft, alle anderen dürfen bequem weiter abwarten bis die Season 2 komplett ist – und damit auch ein finales Urteil getroffen werden kann. Insgesamt fand ich den Anfang genauso liebenswert wie spielerisch belanglos. Schade drum.

Minecraft: Story Mode, Season 2 - "Hero in Residence" ist ab sofort für PlayStation 4, Xbox One und PC, sowie iOS und Android erhältlich. Der Season Pass für alle fünf geplanten Episoden kostet euch auf PC aktuell 22,99 Euro, auf Konsole 28,99 Euro. Die "Boxed"-Version soll im Herbst auf den Markt kommen.

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