Chaotisches Gewusel mit Pikmin-Charme

Masters of Anima im Test für die Nintendo Switch

Chaotisches Gewusel mit Pikmin-Charme: Masters of Anima im Test für die Nintendo Switch Chaotisches Gewusel mit Pikmin-Charme: Masters of Anima im Test für die Nintendo Switch Foto: Focus Home Interactive

Strategie-Spiele auf Konsole sind noch immer die Ausnahme. Die französische Indie-Schmiede Passtech Games (Space Run) liefert mit “Masters of Anima” nun endlich mal wieder einen Genre-Vertreter ab, der sich blicken lassen kann. Wir verraten im Test, warum ihr das Abenteuer rund um den schräg benannten Helden “Otto” nicht verpassen solltet.

Auf den ersten Blick wirkt “Masters of Anima” wie eine reinrassiges Action-Rollenspiel im Stil von Diablo, Torchlight oder Path of Exile: Otto prügelt sich aus der Iso-Perspektive durch Monsterhorden, weicht Fallen aus und gönnt sich bei all dem Trubel keine Pause. Erst wer genauer hinschaut erblickt die zahlreichen Begleiter von Otto: Bis zu 100 Wächter begleiten den tapferen “Former” im Kampf - was nicht nur ungefähr an die kultigen Pikmin von Nintendo erinnert.

Kein Wunder also, dass das Spiel schnell eine helfende Publisher-Hand fand: Focus Home Interactive nahm “Masters of Anima” ins Programm auf und lieferte den Titel zeitgleich per Download für PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch und PC. Im Test schlugen wir uns durch die Switch-Version - und können allen Technik-Nerds gleich sagen, dass diese hervorragend gelungen ist und praktisch keinerlei Abstriche zu den anderen Versionen bietet.

Anima, Wächter und eine entführte Verlobte

Die Geschichte hinter “Masters of Anima” ist in etwa so interessant, wie das Rezept zu Pfannkuchen: Als Adept der Former versucht Held in Spe “Otto” über sogenannte Anima zu gebieten und Wächter zu beschwören. Der Grund für die magischen Mühen: Seine Verlobte Ana ist “Oberste Formerin”, eine Ehe mit ihr nur möglich, wenn Otto alle Prüfungen besteht und selbst zu einem Meister des Anima wird.

Gesagt, getan: Nur leider wartet am Ende der Prüfungen keine Ana auf Otto, sondern der obligatorische (und ziemlich blasse) Bösewicht namens Zahr. Der hat die Essenz der lieben Ana mal eben in drei Teile gesplittet - und will nun das Land mit seiner Wächter-Armee erobern. “Ich böse, ich kaputtmachen!” - viel mehr kommt da leider auch nicht mehr.

Nicken, Gähnen, Weitermachen! Tatsächlich ist die schwache Handlung einer der größten Negativpunkte von “Masters of Anima”: Trotz toller Sprecher und charmant inszenierter Zwischensequenzen ist das alles nur mäßig spannend und nicht wirklich motivierend. Ganz im Gegensatz zur Spielmechanik. Doch auch die will erstmal gemeistert werden...

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Taktische Planung, komplexe Steuerung, intensive Kämpfe

Das größte Problem des Spiels ist dessen Steuerung: Insbesondere in späteren Abschnitten fühlt man sich nicht selten wie ein Dirigent, der sein Orchester mit einem Backstein dirigieren muss. Ganz so schlimm ist es letztendlich dann doch nicht - aber bis ihr Otto und seine Wächter zielgenau über den Bildschirm lenken könnt, vergeht einiges an Zeit.

Dann aber macht es “Klick!” und das Spiel entfaltet sich vor euch: Lenkt Gegner mit den starken “Protektoren” ab, ballert aus der Ferne mit den Jägern und Magiern auf sie und sorgt mit euren Hütern dafür, dass eure Anima-Vorräte gut gefüllt bleiben. Letzteres sorgt dafür, dass ihr stets Verstärkungen rufen könnt.

Spätestens bei der Verbindung der unterschiedlichen Beschwörungen erkennt man, dass sich die Entwickler von Passtech Games Gedanken gemacht haben: Die Auswahl und die Anwendung der verschiedenen Wächter lässt recht gezielt unterschiedliche Spielstile zu. Schade: Die Wächter warten stets auf eure Eingaben und verfügen über keine künstliche Intelligenz - das lässt die Anforderungen an euch weiter steigen.

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Der Aufbau der Level ist recht linear - dabei wird euch dank zahlreicher, meist einfach gestrickter Rätsel und einiger auf Geschicklichkeit basierender Passagen aber nie langweilig. Flieht beispielsweise aus einer einstürzenden Eishöhle, indem ihr mit euren Wächtern Eisblöcke aus dem Weg räumt, weicht Blitzwolken aus, verschiebt Blöcke und erforscht einige sehr hübsche Umgebungen wie eine Wüstenstadt und einen mysteriösen Wald.

Noch ein Wort zur technischen Seite: Sehr gut! “Masters of Anima” ist in einen Comic-Stil eingebettet, der dezent an die “Torchlight”-Serie erinnert. Dabei läuft das Abenteuer stets rund über den Bildschirm, hört sich gut an und geizt nicht mit Licht- und Partikel-Effekten. Daumen hoch!

Tipp für PC-Spieler: Masters of Anima wurde mit einem Gamepad im Hinterkopf entwickelt - und spielt sich mit eben diesem auch am besten! Finger weg vom Tastatur-Krampf!

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Weiterführende Links zu “Masters of Anima”

Offizielle Homepage der Entwickler: http://www.passtechgames.com/
Masters of Anima auf Steam
Masters of Anima im PSN
Masters of Anima im Nintendo eShop
Masters of Anima auf Xbox Live

Fazit

Vertut euch nicht: Trotz der Pikmin-Anleihen setzt “Masters of Anima” insgesamt doch mehr auf “Action”, als auf “Strategie”. Dabei mag der Titel zwar nicht perfekt sein, bietet aber mehr als genügend spannende Ansätze um den verlangten Preis von 19,99 Euro zu rechtfertigen.

Ich jedenfalls hatte eine Menge Spaß mit den taktisch geprägten Kämpfen, welche gerne auch mal ins pure Chaos abdriften - genau mein Ding! Da macht es einfach Laune dem wirren Gewusel auf dem Bildschirm zuzuschauen.

Lediglich im Handheld-Modus der Nintendo Switch artet das Chaos dann tatsächlich auch mal so aus, dass die Übersicht komplett verschwindet - und die teils nervige Steuerung wird hier nicht einfacher. Zockt es lieber am großen Bildschirm!

Die Negativpunkte mal beiseite geschoben (komplexe Steuerung, schwache Handlung mit blassen Protagonisten, bescheidene Auswahl an Gegnern) hat mich “Masters of Anima” für fast 7 Stunden toll unterhalten. Letzten Endes sicher keine Hype-, oder Kreativ-Granate, wohl aber handwerklich guter Spielspaß.

Masters of Anima erhält von uns 72 von 100 beschworene Wächter, 7 von 10 zertrümmerte Vasen und 3 von 5 chaotischer Momente mit Grinse-Garantie.

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