Weckt die Rebellin in euch!

"Life Is Strange: Before the Storm" - Die komplette Staffel im Test

Weckt die Rebellin in euch!: "Life  Is Strange: Before the Storm" - Die komplette Staffel im Test Weckt die Rebellin in euch!: "Life  Is Strange: Before the Storm" - Die komplette Staffel im Test Foto: Square Enix

Gut vier Monate nach Erscheinen der ersten Episode hat "Life is Strange: Before the Storm" sein Staffelfinale erreicht. Das Spin-off aus dem Hause Square Enix reiste mit uns für drei Episoden in die Vergangenheit von Arcadia Bay. Ob sich das Prequel trotz Entwicklerwechsel und Fehlen des coolen Rewind-Features lohnt? Zeit für ein Fazit.

Da Dontnod Entertainment, die Entwickler der Hauptserie, gerade an einer Fortsetzung der Reihe arbeiten, vertraute Publisher Square Enix dem Studio "Deck Nine Games" das Prequel an. Trotz ihrer 20 Jahre am Markt ist das einst als "Idol Minds" agierende Studio eher unbekannt. Die Entwickler möchten sich fortan story-basierten Titeln widmen. Die Arbeiten an "Life is Strange: Before the Storm" sind dafür wahrlich eine Generalprobe.

Life Sucks!

Das Spin-off spielt drei Jahre vor den Ereignissen von Life is Strange. Hat sich der erste Teil noch zu einem Sci-Fi-Krimi entwickelt, bleibt das Prequel geerdet. Es geht um die Freundschaft zwischen Chloe Price und der im Hauptspiel vermissten Rachel Amber. In ihrem Alltag treffen die beiden auf typische Teenager-Probleme. Missgunst der Mitschüler, Stress mit den Eltern, Schulden beim Dealer des Vertrauens.

Wir schlüpfen in die Rolle der 16-jährigen Chloe, die ihren Vater bei einem Verkehrsunfall verlor. Seit ihre beste Freundin Max (Protagonistin des Hauptspiels) nach Seattle gezogen ist, hat Chloe nur noch ihre Mutter Joyce. Das Verhältnis zu ihr ist zerrüttet, weil sie mit David Madsen einen neuen Partner gefunden hat. Er ist arbeitslos und fordert von Chloe immerzu Disziplin. Dass er dann auch noch schleichend einzieht und die Sachen ihres Vaters nach und nach entsorgt werden, stinkt ihr gewaltig. 

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Sie rebelliert, fängt an Drogen zu nehmen und kommt nachts nicht mehr Heim. Auf einer Party trifft sie Rachel Amber, die perfekte Vorzeigeschülerin aus gutem Hause. Ausgerechnet mit ihr freundet sich Chloe an. Sie merkt mit der Zeit, dass auch Rachel hinter ihrer Fassade allerhand Problemen ausgesetzt ist. Sie wollen einen Neuanfang und planen gemeinsam Arcadia Bay zu verlassen. Als die beiden allerdings einem langjährigen Familiengeheimnis der Ambers auf die Spur kommen, sind die Reisepläne vorerst auf Eis gelegt.

Es gibt kein zurück

Da wir mit Chloe spielen, fällt selbstverständlich auch die Rewind-Funktion von Max weg. Was bleibt ist ein charmantes Adventure ohne viel Schnick Schnack. Entscheidungen die wir treffen bleiben bestehen, alternative Handlungsstränge sind uns bis zum zweiten Spieldurchlauf unbekannt.

Wir steuern Chloe aus der Third-Person-Perspektive. In Point-and-Click-Manier interagieren wir mit Gegenständen und Personen. Das fleißige Absuchen und Bestaunen der Umgebung gehört zu Life is Strange wie das Gewehr zu Call of Duty. Dadurch belohnt uns das Spiel mit Referenzen zu der Hauptserie. Charaktere erhalten mehr Tiefe und deren Beweggründe werden durchsichtiger.

In Life is Strange geht es nicht darum möglichst schnell ein spezielles Ziel zu verfolgen, sondern das Spiel zu erleben, in die Welt von Chloe und Rachel einzutauchen, die Gefühle und Motivationen der beiden zu verstehen. In "Before the Storm" steht einzig und allein die Narrative im Vordergrund. Genauso limitiert ist letztlich aber auch das Gameplay. Kein Gehüpfe, kein Geballer! Wer regelmäßiges Triggerzucken bevorzugt, ist hier falsch.

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Graffitis? Top! Backtalk-Challenges? Not!

Die Rewind-Funktion wurde durch die sogenannten "Backtalk-Challenges" ersetzt. Das neue Feature erlaubt uns in Dialogen teeniegerecht Widerworte zu geben und unseren Gesprächspartner so lange zu nerven, bis wir unser Ziel erreichen.

Beispiel: In der ersten Episode versuchen wir in einen Club zu kommen, der von einem grimmigen Türsteher bewacht wird. Da er uns nicht reinlassen möchte kommt es zur Challenge. Während dieser beleidigen wir ihn so lange, bis wir seinen Respekt gewonnen haben und er uns rein lässt. Klingt lahm? Ist es auch! Die Dialoge gewinnen dadurch nicht an Spannung und die Story wird nicht sonderlich beeinflusst. 

Deutlich besser gelungen ist das Graffiti-Feature. Passend zur rebellischen Art Chloes können wir an einigen Spots Kritzeleien hinterlassen. Sie bilden das Pendant zum Fotoschießen aus Life is Strange und sind marginal verbessert worden. Denn je Spot können wir uns zwischen zwei verschiedenen Motiven entscheiden. Was zunächst nur als Sidefeature für Achievement-Jäger wirkt, zeigt in unnachahmlicher Art eine weitere Facette von Chloe: ihren Humor.

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Grafik und Sound verschmelzen zu toller Atmosphäre

Die Dialoge sind herausragend. Durch die Interaktionen der fabelhaften Figuren entstehen tolle Momente, die in Kombination mit erstklassiger Sounduntermalung nahezu Perfektion erreichen. Nicht zuletzt die Sprecher leisten gute Arbeit. Wer es nicht weiß, wird auch nicht merken, dass Chloe von Rhianna DeVries gesprochen wird. Ashly Burch, die ihr in der Hauptserie noch die Stimme lieh, fiel wegen eines Sprecherstreiks aus.

Musikalisch sorgt die Indie-Band Daughter für passende Stimmung und knüpft tonal perfekt am Vorgänger an. Mit deepen Gitarrensounds und melancholischen Instrumentals rundet die Gruppe viele Kern-Szenen ab und lässt über die manch hölzernen Animationen der Figuren hinwegsehen.

Trotz des Engine-Wechsels von Unreal 3 auf Unity bleibt der Aquarell-Look von Life is Strange erhalten. Zugegeben, es ist kein Titel der mit Grafik-Bombast punktet. Die Bilder wirken trotzdem. Verantwortlich dafür sind die unterschiedlichen Lichtspiele. Diese sorgen im Endgame für tiefrote Sonnenuntergänge, triste Wohnanlagen und glänzende Sternenhimmel. Jede Szene erhält dadurch eine ganz besondere Stimmung.

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Fazit

Wer hätte es gedacht? Life is Strange kommt auch ohne Zeitreisen aus. Das Spin-off "Before the Storm" legt einen soliden Auftritt hin und gibt der Hauptserie als Prequel nochmal etwas Fleisch. Rachel Amber, die wir bisher nur aus Chloes Erzählungen kannten, wird im Spin-off hervorragend charakterisiert. Der Kosmos um die beiden Teeanger bleibt über die drei Episoden klein und beschränkt sich auf ihr nahes Umfeld. Die geerdeten Probleme erhalten damit die nötige Tragik und wirken nie zu aufgesetzt. Dank präziser Ton- und Farbauswahl steht das Prequel der Hauptserie atmosphärisch in nichts nach.

Das Backtalk-Feature stellt sich im Nachhinein als unnötig heraus. Es ist zu gewollt und plakativ, als einen wirklichen Mehrwert liefern zu können. Storytechnisch flacht das Spiel spätestens ab Episode drei ab, da sich zu viel Inhalt in die Kapitel quetscht.

Der Entwicklerwechsel hat "Life is Strange: Before the Storm" nicht geschadet. Das Prequel ist ein würdiger Teil des Kanons, kommt aber nicht ganz an das Hauptspiel ran. Deshalb erhält Before the Storm von uns 7 von 10 Stimmungsschwankungen, 73 Proeznt gesprühte Graffitis und 3 von 5 rebellische Widerworte.

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