Vier Freunde für ein Halleluja

Kirby Star Allies im Test für die Nintendo Switch

Vier Freunde für ein Halleluja: Kirby Star Allies im Test für die Nintendo Switch Vier Freunde für ein Halleluja: Kirby Star Allies im Test für die Nintendo Switch Foto: Nintendo

Das rosa Plüschkissen ist wieder da und purzelt durch jede Menge bunte Level - erstmals auf der Nintendo Switch und erstmals mit bis zu drei Mitstreitern an seiner Seite. Im Test zeigen wir, warum selbst akute Knuddel-Verweigerer dem Titel eine Chance geben sollten.

Als zweiter Abkömmling einer rosa Marshmallow-Mutter und einem Staubsauger-Vater, hineingeboren in eine Arbeiterfamilie aus chronisch glückseligen Geschwistern, blickt Kirby mittlerweile auf eine über 20 Spiele umfassende Videospiel Karriere zurück.

Für mich persönlich ist Kirby der kläglich missachtete Sohn meiner Nintendo-Familie und rangiert in meinem höchst subjektiven Popularitätsindex irgendwo auf den hintersten Plätzen zwischen Peppy Hare (dem Hasen aus Star Fox) und Waluigi. Ja, er ist niedlich - aber seine Spiele haben mich nie sonderlich interessiert. Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass der rosa Blasebalg sich jederzeit aufplustern und praktisch unendlich lange in der Luft halten kann - das führte den Sinn eines “Jump’n’runs” inklusive tödlicher Abgründe für mich seit jeher ad absurdum.

Mit zwei Kindern an meiner Seite ist die Sache nun anders - schließlich blickt man als Vater dann doch mit einem anderen Blick auf die Welt der Videospiele. Da erschien mit Kirby plötzlich als der PERFEKTE Wegbegleiter für den Daddel-Nachwuchs. Und ja, die Kids bringen es tatsächlich fertig Kirby trotz unendlicher Flugkraft in Abgründe fallen zu lassen. Was mir wiederum zeigt: Was für alte Gamer-Hasen selbstverständlich ist, ist für die Kids alles andere als ein Kinderspiel.

Herz über Kopf

Natürlich sollte man bei der Bewertung eines Videospiels erstmal nicht von der Zielgruppe ausgehen. Würde ich soweit gehen, könnte selbst das miserable “Troll and I” einer Gruppe von Senioren, die noch nie ein Videospiel gezockt haben, sichtbaren Spaß bereiten.

Kommen wir also zuerst zu den Basics: Kirby reist durch mehrere Welten, hangelt sich auf bunten Karten von Level zu Level, schaltet per versteckter Schalter geheime Wege zu weiteren Leveln frei - und geht natürlich seinem Lieblingshobby nach, dem Aufsaugen von Feinden und dem gleichzeitigen Adaptieren derer Fertigkeiten.

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Neu mit dabei ist der - per Render-Intro auch in Sachen Handlung minimal erklärte - Herzchen-Wurf. Mit diesem überzeugt ihr einen Großteil der putzigen Gegner-Clique an eurer Seite zu kämpfen. Insgesamt drei Begleiter wählt ihr auf diese Weise, um euch im Abenteuer auszuhelfen.

Natürlich lassen eure neuen Freunde auch Fremdbestimmung zu: Jederzeit dürfen sich bis zu drei weitere Spieler anschließen - und machen aus “Kirby Star Allies” somit den ersten Vierspieler-Koop-Titel der Serie. Das kann mitunter leider etwas chaotisch werden - aber wo Chaos herrscht, ist der Spielspaß auch nicht allzu weit entfernt.

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Feuer und Flamme

Abseits der meist kreativ gestalteten Level, die unverständlicherweise zwischen den unterschiedlichen Abschnitten nachladen müssen, sind die Verwandlungen von Kirby natürlich wieder der heimliche Star des Spiels und der Spielmechanik: Insgesamt 28 unterschiedliche Verwandlungen verleihen Kirby ein stets neues Fertigkeiten-Repertoire - eines süßer als das andere!

So nehmt ihr als Wrestler-Kirby Feinde auf und schleudert sie quer durch das Level, spinnt als Spinnen-Kirby munter Spinnenfäden, greift zum großen Vorschlaghammer, zum Schwert, Bumerang oder Jo-Jo - und setzt die meisten Waffen per Team-Kombo unter Strom, oder lasst sie in Flammen aufgehen. Die Fülle an unterschiedlichen Möglichkeiten überrascht nicht nur - sie unterhält für Stunden!

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Womit wir zurück zur größten Krux von Kirby Star Allies und der bereits angesprochenen Zielgruppe kommen: Wer einfach nur blind von links nach rechts durch die Level rennt, braucht sich um gegnerischen Widerstand keine Sorgen machen - und kann gepflegt auf einen Großteil der gebotenen Fertigkeiten verzichten. Selbst Bosskämpfe verkommen dank der fähigen K.I.- oder menschlichen Kollegen zum Spaziergang - und stellen den Sinn der Verwandlungen und Team-Kombos komplett in Frage.

Knuddeltage im Niedlichkeitsinferno

Seine Qualitäten offenbart Kirby Star Allies erst dann, wenn man es etwas langsamer angeht - oder wie erwähnt zusammen mit Kindern spielt. Dann wird jede Verwandlung zum Ereignis, jede neue Animation wird bestaunt und gepreist - in etwa der fabulöse “Katzen-Wischmopp”. Und spätestens hier schmelzen dann auch die Herzen der härtesten Gamer.

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Die Anzahl an unterschiedlichen Animationen ist schlicht sensationell - und süßer als Zuckerwatte. Saugt ihr den Pilzhut eines Feindes ein, ist dieser sichtbar geschockt, packt mit seinen Händen auf sein nacktes Haupt, streckt seine knuffigen Ärmchen von sich. Es sind diese Kleinigkeiten, welche “Kirby Star Allies” zu etwas Besonderem machen. Insbesondere für Kinder natürlich - und jung gebliebene Erwachsene.

Abseits des erstaunlich umfangreichen Story-Modus, inklusive eines Endbosses den ihr einfach gesehen haben MÜSST, erwarten euch noch zwei schräge Minispiele für bis zu vier Kirby-Fans. Wirklich länger fesseln kann das rhythmische Hacken von Holz und das Abschlagen eines Meteors ins Weltall aber sicher nicht.

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Fazit

Ok, ok, nach weit über 25 Jahren hat es Kirby dann doch wieder geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen: Den fiesen Baum kenne ich noch aus “Kirby’s Dream Land” (1992, Game Boy), und die Gegner, Kulissen und Animationen der munteren Bande lassen mich immer wieder grinsen. Eine Mischung aus ultimativen Retro-Flashback, neuzeitlicher Begeisterung - und eben zweier Kinder an meiner Seite, die gar nicht genug von Kirby bekommen können.

Kurz: Kirby Star Allies schafft es mühelos, mich wieder für das rosa Plüschkissen zu begeistern. Dass es bei dem kreativen Abenteuer praktisch keinen Schwierigkeitsgrad und keine Herausforderung gibt, nehme ich dabei genüsslich als “Gegenentwurf zur Dark-Soulisierung der Games-Kultur” hin.

Und ganz ehrlich: Selbst ich bin einmal in einen Abgrund gefallen und habe in den letzten Leveln ein oder zwei Leben gelassen. Aber nicht weiter erzählen. Für meine Kids bin ich der strahlende (und unbesiegbare) Kirby-Held. Ich hoffe das bleibt so…

“Kirby Star Allies” erhält von uns 8 von 10 gefundenen Puzzle-Teilen, 4 von 5 explodierenden Sternen und 84 Prozent pures Herz-Extrakt. Kaufen! Knuddeln! Liebhaben!

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