Hohokum im Test | PlayStation Network

Bizarr, bunt, bombastisch

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Hohokum im Test | PlayStation Network Bizarr, bunt, bombastisch 7 Fotos

Wer Hohokum das erste Mal startet, fühlt sich schnell in einem ganz besonders verrückten Drogentrip eines expressionistischen Künstlers gefangen. Doch der Titel bietet tatsächlich mehr, als auf den ersten, kuriosen Blick ersichtlich wird. Wir liefern den Test zum originellen Download-Spiel.

Locoroco und Katamari Damacy: Das waren die Titel, welche mir bei meiner ersten Begegnung mit Hohokum in den Kopf schossen. Entwickelt vom Indie-Studio Honeyslug, unter Mithilfe der SCE Santa Monica Studios gibt sich Hohokum zuerst einmal als visuelles Experiment.

Mit solchen Titeln kennt man sich in Santa Monica bestens aus: Auch Titel wie Sound Shapes, The Unfinished Swan und Journey wurden hier zwar nicht entwickelt, aber zumindest betreut und ins bunte, feucht-fröhlich über den Ozean schippernde Sony-Schiffchen mit am Mast wehender Indie-Flagge geholt.

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Ohne große Erklärung geht es gleich mitten ins Spiel hinein, wobei sich die Spielmechanik schnell selbst erklärt: Ihr steuert mit dem linken Analogstick eine lange, bunte – und vor allem zweidimensionale – Schlange durch zweidimensionale Level. Mit „X“ führt Ihr einen kurzzeitigen Boost aus, zudem interagiert Ihr mit diversen Objekten durch simples Zusammenprallen.

Was sich anfangs noch wie eine visuell überragende Neuauflage des Klassikers „Snake“ anfühlt, läuft bereits nach kurzer Zeit über neue Pfade: Die optisch extrem unterschiedlichen Hintergründe warten mit jeweils vollkommen neue Aufgaben auf, von simplen bis komplexen Rätsel-Einlagen, bis hin zu seichten Geschicklichkeits-Spielen versorgt Euch Hohokum stets mit neuen Themen.

Doch die Grund-Thematik bleibt: Ihr lernt die Szenerie meist nur durch eifriges Ausprobieren und Herumfliegen kennen. Spätestens hier greift auch das Frust-Moment, denn nicht jedes der insgesamt 17 Level ist sofort verständlich. Öfters prallt Euer ohnehin in abstrakten Welten schwebendes Gehirn gegen fiese Mauern... und wenn es dann mal nicht weiter geht, ist ein Druck auf den Home-Button mit einem enttäuschten Achselzucken nicht weit entfernt.

Zum Glück müssen die Level nicht im ersten Anlauf geknackt werden: Dank kleiner Teleport-Felder fliegt Ihr von einem Abenteuer gleich ins nächste, meist ohne zu wissen, wohin die Reise eigentlich führen soll. Spielen um des Spielens willen – selten hat diese Aussage so gut gepasst, wie bei Hohokum.

Ehe Ihr es Euch versieht, hat Euch Hohokum in einem wunderbar berauschenden Geflecht aus Farben und einem der schönsten Soundtracks des Jahres für sich gefangen genommen. Und wenn Ihr aufwacht, schüttelt Ihr verwirrt den Kopf und verdrückt einige Freudentränen, nicht ganz wissend, woher diese seltsamen Emotionen kommen.

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Apropos Soundtrack: Ghostly International umfasst einige ganz besondere Sound-Genies und kreiert mit diesen die groovigen, entspannten und teils hypnotischen Songs in Hohokum. Noch besser: Ihr könnt Euch den gesamten Soundtrack kostenlos über diesen Link hier anhören.

Wer tatsächlich alle Level in Hohokum knackt, die versteckte Schlange befreit und sich bis zum Abspann durchkämpft, der hat derweil noch immer nicht alles gesehen - und an dieser Stelle habt Ihr immerhin schon auf Eurer Schlange reitende Elefanten gesehen! Für Forschernaturen hat Honeyslug noch über 150 „Augen“ in der abstrakten Welt von Hohokum versteckt: Nur wer alle Augen „anstubst“ und somit aktiviert, sieht auch den finalen Abspann.

Fazit

Hohokum ist ein spielbarer Farbenrausch, eine meditative Flucht in eine andere Welt... und so ziemlich das abgedrehteste Spiel, an welches ich seit langer, langer Zeit Hand anlegen durfte.

Dennoch: Einmal gestartet verfliegt die Zeit wie von selbst. Spiele wie Hohokum sind eine wunderbare Bereicherung dieser noch immer von Ego-Shootern und Sportspielen dominierten Videospiel-Welt, aber es ist auf der anderen Seite auch ein Spiel, welches sich objektiv nur schwierig bewerten lässt.

Die Spielmechanik ist simpel, einige Rätsel so knackig, dass schnell Frust aufkommen kann. Das schmeckt sicher nicht jedem im gleichen Maße, allen voran wenn man sich nicht mit dem – meiner Meinung nach überragenden – audiovisuellen Stil des Spiels anfreunden kann.

Dennoch gibt’s von mir ein klares „Ja!“, vier von fünf umgeschmissenen Pötten, sieben von zehn zugedrückten Augen und eine 74 Prozent lange Luftschlange obendrauf.

Hohokum ist für 12,99 Euro als Download erhältlich für PlayStation 4, PlayStation 3 und PS Vita. Einmal gekauft, dürft Ihr den Titel übrigens auf allen Plattformen über „cross play“ zocken. Daumen hoch dafür!