Besoffene Zaubertrolle rennen durch den Wald

"Giana Sisters: Dream Runners" im Test für PC

Besoffene Zaubertrolle rennen durch den Wald: "Giana Sisters: Dream Runners" im Test für PC Besoffene Zaubertrolle rennen durch den Wald: "Giana Sisters: Dream Runners" im Test für PC Foto: Black Forest Games

Partyspaß für vier Spieler oder saure Gurke? "Giana Sisters: Twisted Dreams" lässt bis zu vier Spieler im Wettlauf gegeneinander durch 2D-Welten hüpfen. Wir liefern den Test.

Die in Offenburg beheimatete Videospielschmiede "Black Forest Games" hat es 2012 tatsächlich geschafft eine der ältesten Jump'n'run Marken wiederzubeleben: "Giana Sisters: Twisted Dreams" gelang der wortwörtliche Sprung in die Moderne, ohne sich von den klassischen Wurzeln lösen zu müssen.

Einige Jahre später stehen die beiden schrägen Schwestern mit dem Spin-off "Dream Runners" wieder auf der Matte, diesmal allerdings weniger als klassisches Jump'n'run, als vielmehr spaßiges Partyspiel und als Wettlauf für bis zu vier Spieler auf einem Bildschirm. Der Wechsel zum "Partyspiel" hört sich jedoch nur auf Papier gut an: Unter der Haube haben die "Dream Runners" mit etlichen Problemen zu kämpfen, welche den Titel unnötig nach unten ziehen.

Eulen Schubsen "Giana Sisters: Dream Runners" - Screenshots 9 Fotos

Aber langsam, fangen wir vorne an: In "Dream Runners" wählt ihr ein Team aus maximal vier Charakteren aus, welche von maximal drei weiteren, menschlichen Spielern, oder alternativ auch von der K.I. vertretenen Bots übernommen werden. Das funktioniert sowohl on- als auch offline, wobei wir in unserem Testzeitraum kein einziges Online-Match zu Gesicht bekamen: Es fehlen scheinbar schlicht die Leute, um ein Match vollzumachen. Die Steamcharts-Database hält bislang einen historischen Höchstand von 11 Spielern fest, die gleichzeitig online gewesen sind - für einen Mehrspieler-fokussierten Titel ist dies so kurz nach der Veröffentlichung eigentlich bereits der Todesstoß.

Immerhin der Offline-Modus funktioniert ohne Mux und Murren und alleine hier entfaltet der Titel auch so etwas wie Spielspaß: Mit vier Leuten auf der Couch können die Dream Runners zumindest kurzfristig begeistern. Deswegen hier gleich schonmal die eindringliche Warnung: Wer keine regelmäßigen Kumpanen bei sich daheim hat, sollte einen großen Bogen um den Titel machen – der Einzelspieler-Modus gegen Bots ist ähnlich spaßbefreit, wie Hosen bügeln und Unkraut zupfen.

Wer eine Truppe zusammenbekommen hat, darf aus insgesamt neun Leveln wählen: In Sachen "Inhalt" trumpfen die "Dream Runners" nicht groß auf. Gespielt wird dann nach folgender Maxime: Rennt den Kurs so schnell wie möglich, weicht Hindernissen aus und nehmt einige Power-Ups auf, um eure Mitstreiter daran zu hindern an euch vorbeizuziehen... oder bombardiert die Kollegen vor euch mit riesigen Kanonenkugeln.

Wer hinten aus dem Bildschirm "fällt" verliert, der Spieler ganz vorne darf beim Ausfall der Konkurrenz einen Siegpunkt einheimsen. Da ihr grundsätzlich auf Rundkursen spielt, wird solange um die Spitze gekämpft, bis ein Spieler drei Siegpunkte errungen hat - das kann sich durchaus schonmal in die Länge ziehen. Das Spielprinzip erinnert insbesondere an Rennspiele wie Micro Machines oder Mashed, sowie an Genre-Kollegen wie "Speed Runners". 

Leider funktioniert es bei weitem nicht so gut, wie bei den großen Vorbildern: Die Kamera-Perspektive ist extrem weit vom Geschehen entfernt, was insbesondere Anfängern jegliches Verständnis dafür raubt, was da auf dem Bildschirm abgeht - die grellen Farben machen die Übersicht nicht besser. Fun-Fact: Im oben gezeigten Trailer wird öfters an das Geschehen herangezoomed - eine Funktion, die ihr im Spiel nicht findet.

Technisch und visuell sind die Kulissen und Charaktere praktisch eins zu eins aus dem Vorgänger "Twisted Dreams" übernommen, entfalten aus der neuen Entfernung aber erheblich weniger Charme. 

Apropos Charme: Die zur Auswahl stehenden Charaktere erinnern an die kultigen Plastik-Zaubertrolle aus den 80er Jahren, die Viecher mit dem "funkelnden Stein" als Bauchnabel und den grellen Neon-Frisuren. Oder kurz: Ein Design, das sicher nicht jedermanns Sache sein dürfte und bei unseren Mitspielern für akute Würge-Reflexe sorgte.

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Auch spielerisch und in Sachen "Balancing" greifen die Entwickler daneben: Die härteren Bots spielen wie auf Drogen, Power-Ups wie das Bananen-Pendant dreier Eulen, die ihr auf dem Weg hinter euch fallen lasst, sind visuell vollkommen undurchsichtig. Der spielmechanisch interessante Boost-Sprung katapultiert euch viel zu oft gegen Mauern und ins Abseits, unnötige Differenzierungen zwischen Sprung und Wirbelsprung verkomplizieren den Titel weiter.

Überhaupt profitiert das Spiel nicht gerade von der eher "weichen" und bereits im Vorgänger kritisierten Steuerung der Helden: Für ein Spiel dieser Machart müsste die Steuerung weit mehr auf dem Punkt liegen, als es hier geboten wird. 

Fazit

Zusammengefasst müssen wir leider ein eher negatives Fazit ziehen: Das Spiel taugt erst dann, wenn ihr wirklich vier Leute zusammenbekommt, die sich damit auseinandersetzen wollen - was angesichts des doch recht schwierigen und unübersichtlichen Einstiegs, sowie einiger Design-Katastrophen nicht allzu wahrscheinlich ist. Wer diese Hürde überwindet, der kann zumindest kurzfristig so etwas wie Spaß aus dem Spiel ziehen. 

Wahrscheinlich wäre der Titel besser als Zusatz zum Hauptspiel, mit DLC-Kosten von 3 bis 5 Euro aufgehoben gewesen. In dieser Form als einzelnes Produkt für 10 Euro? Kauft euch besser einen Zaubertroll bei ebay. 

"Giana Sisters: Dream Runners" erhält von uns 2 von 5 umgeschubsten Eulen, 3 von 10 alkoholisierten Zaubertrollen und 39 Prozent Crystal-Spirit.

Hinter diesem Link findet ihr das Spiel auf Steam.

Knappfo-Box:

  • Titel: Giana Sisters: Dream Runners
  • Hersteller & Publisher: Black Forest Games / EuroVideo Medien
  • Kosten: ca. 10 Euro
  • Plattform: PlayStation 4, Xbox One, PC (via GoG & Steam)
  • Genre-Einordnung: Jump'n'run / Party-Spiel
  • Vergleichbar mit: Micro Machines, Mashed, Speed Runners
  • Perspektive: 2D
  • Worum geht’s?: Springen, Geschick, Geschwindigkeit
  • Spieleranzahl: 1 bis 4 Spieler
  • Eingewöhungszeit: 30 Minuten
  • Langzeitmotivation: Gering (nur neun Level)
  • Schwierigkeitsgrad: Mittel bis Hoch
  • Sprache: Deutsch
  • Kaufen?: Nope. Besser nicht.

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