Willkommen in der Eishölle!

Frostpunk im Test

Willkommen in der Eishölle!: Frostpunk im Test Willkommen in der Eishölle!: Frostpunk im Test Foto: 11 bit studios

Das Leben ist beinahe komplett ausgelöscht. Die Temperaturen sind weit unter den Gefrierpunkt gesunken. Schnee und Eis, soweit das Auge reicht. Doch die letzte Bastion der Menschheit bäumt sich noch einmal auf, um dem Ende entgegenzutreten.

In Frostpunk ist die Endzeit angebrochen. Als Spieler bauen wir den letzten Zufluchtsort der Erde auf. Es ist das erste Aufbau-Strategiespiel von 11 bit studios. Dass sich die Macher mit dystopischen Prämissen auskennen, zeigten sie bereits mit ihrem Erfolgstitel “This War of Mine”: Wo der Überlebenskampf noch im Kleinen skizziert wurde, zieht ihn Frostpunk nun eine Nummer größer auf.

Nicht das Überleben des Einzelnen, sondern das der Gemeinschaft steht im Vordergrund. Eine große Verantwortung, die uns das Studio da auf die Schultern legt. In insgesamt drei Szenarien versuchen wir zu beweisen, dass wir dieser Herausforderung gewachsen sind.

Die Stadt muss überleben

Frostpunk spielt in einem Alternativ-Universum des späten 19. Jahrhunderts. Als Anführer von nicht mehr als 100 Menschen ist es unsere Aufgabe zu überleben. Wir starten in einer großen Senke, wo ein riesiger, kohlebetriebener Generator unsere Bewohner mit Wärme versorgt - bei anfänglichen Minus 20 Grad auch bitter notwendig.

Um den Generator am Laufen zu halten müssen Kohlevorkommen abgeschürft werden. Parallel dazu entstehen allerlei Nöte rund um die Unterkünfte, medizinische Versorgung sowie Hunger. Alles gleichzeitig zu befriedigen erweist sich als wahrer Kraftakt. Ziehen wir unsere Arbeiter von der Kohle ab, fällt der Generator aus und unsere Leute frieren. Lassen wir zu wenig jagen, hungern unsere Bürger. Haben wir zu wenige Ärzte, werden die Menschen krank. Und da in Frostpunk früher oder später alles mit dem Tod endet, müssen wir als Anführer wohlüberlegt mit unseren Ressourcen umgehen.

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Neben der bereits erwähnten Kohle für den Generator, stehen uns Holz- sowie Stahlvorkommen für den Bau von Gebäuden sowie der Forschung zur Verfügung. Für Letzteres gibt es einen umfangreichen Tech-Tree, der gefühlt keine einzige unnütze Technologie beinhaltet. Jede Forschung hilft uns in irgendeiner Weise weiter.

Dass wir dadurch fast jedes Mal vor einer verzwickten Entscheidung stehen, macht den Reiz nur noch größer. Investieren wir unsere Zeit also lieber in Wärme-Upgrades, oder doch in stabilere Unterkünfte? Eine Musterlösung gibt es nicht. Ganz im Gegenteil, jede Entscheidung fühlt sich im ersten Moment falsch an, da überall neue Probleme aufkommen, für die jeweils eine andere Technologie sinnvoller gewesen wäre.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Auch in der Apokalypse ist ein Anführer nur so stark wie seine Anhängerschaft. Uns mit ihr gutzustellen ist ebenso essentiell wie ihr Überleben. Für einen Eindruck über ihr Wohlergehen gibt es zwei Gradmesser: Unzufriedenheit und Hoffnung. Während draußen also stets der Schneesturm prustet, müssen wir immer ein Auge auf die beiden Balken werfen. Erreicht der Hoffnungsgrad den Nullpunkt, bzw. der Unzufriedenheitsgrad sein Maximum, so werden wir aus der Stadt verbannt.

Damit es nicht dazu kommt, können wir in bestimmten Abständen Gesetze erlassen. Je inhumaner diese sind, desto schwerer wird unser Stand bei den Bewohnern. Führen wir also Kinderarbeit ein, oder verfrachten Leichen wie Tierkadaver in Löcher, so stehen wir schneller als uns lieb ist vor den eigenen Mauern und das Spiel ist vorbei. Am größten wird das Dilemma, wenn man der Meinung ist, sein Bestes getan zu haben und trotzdem über Nacht mehrere Bewohner ihr Leben lassen mussten.

Im späteren Spielverlauf haben wir die Wahl zwischen zwei verschiedenen Wegen, die wir mit unserer Gesellschaft einschlagen können. Den des totalitären Polizeistaates oder den des Glaubens. Beide Wege sind in ihrer vollen Ausführung radikaler als unser normales Gesetzbuch, bieten dafür aber zusätzliche Boni.

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Tolle Atmosphäre, aber zu wenig Umfang

Wer “This War of Mine” gespielt hat, der wird sich unweigerlich an die sehr beklemmende Stimmung erinnert fühlen. Die persönlichen Schicksale der Menschen waren sehr nahbar und die aussichtslosen Situationen der Protagonisten erschreckend real. Frostpunk versucht es mit einer ähnlichen Rezeptur, hochskaliert auf eine ganze Stadt.

Was man dafür braucht? Satten Sound, bestehend aus musikalisch deepen Streicheinlagen und realistischem Knatter-Wetter. Allein das Schneegestöber wirkt In Komposition mit der tristen Grafik wie ein depressives Gesamtkunstwerk, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Optisch ergänzt wird die Stimmung von vielerlei animierten Artworks, die im Spiel auftauchen. Rein stilistisch sind diese, wie auch das restliche Spiel, dunkel gehalten. Also Grau in Grau bis ins Mark. Die bekannte Rezeptur geht auf. Frostpunk transportiert tonal alles, nur keine positiven Gefühle – und das ist gut so!

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Nicht ganz so gut finden wir den dürftigen Umfang des Titels. Gerade weil Frostpunk ein Aufbau-Strategiespiel ist, sind wir über den spartanischen Inhalt etwas überrascht. Zum Release gibt es nur drei Szenarien mit einer Gesamtspielzeit von gut 25 bis 30 Stunden. Genre-Konkurrenten kommen derweil locker auf das dreifacher an Spielzeit. Eine Diskrepanz, die erkennbar ist. Darüber hinaus fehlt ein freier Spielmodus, in dem sich ausgetobt werden kann. Multiplayer? Ebenfalls keine Spur.

Fazit

Selten haben wir uns von einem Titel so vereinnahmen lassen wie von Frostpunk. Mit seinem traurigen Geigenkonzert und der von Resignation triefenden Atmosphäre knüpft die neue IP von 11 bit Studios an ihren Hit “This War of Mine” an.

Die düsteren Szenarien sind kurzweilig und interessant. Besonders durch die grosse Entscheidungsvielfalt haderten wir oft mit uns selbst und mussten Verluste in Kauf nehmen. Ob nun Menschenleben oder gar unsere eigene Menschlichkeit - die Entscheidungen sind wirklich nicht leicht.

Leider hält sich der Wiederspielwert aufgrund der drei losen, abgezählten Szenarien stark in Grenzen. Auch wenn bereits neue Szenarien in Planung sind, fehlt uns ein freier Endlosmodus.Wer also auf der Suche nach einer klassischen Städtebausimulator ist, der könnte hier enttäuscht werden. Wer allerdings auf düstere Settings mit Steampunk-Elementen steht, kommt hier ganz auf seine Kosten.

Frostpunk bekommt von uns 7 von 10 durchgedrückte Gesetze, eine muckelige Temperatur von 74 Grad und 3 von 5 gerettete Menschenleben.

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