Far Cry 4 im Test | Xbox One

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Far Cry hat eine weite Reise hinter sich: Von tropischen Inseln bis nach Afrika landet Ubisoft mit Teil 4 schließlich im fantastisch gestalteten, fiktiven Staat Kyrat inmitten des Himalaya-Gebirges. Doch kann sich Far Cry 4 auch abseits des neuen Settings von seinen Vorgängern absetzen, oder gibt’s "nur" mehr vom selben?

Bevor ich zu Far Cry 4 komme, will ich zuerst etwas weiter ausschweifen, um ein grundsätzliches Problem von Ubisoft anzusprechen. Und nein, ich rede hier nicht von den zig tausend Bugs und Abstürzen, welche solch ehrgeizige Projekte wie Assassin's Creed Unity, Watch Dogs und eben auch Far Cry 4 beinahe zwangsläufig – aufgrund ihrer offen gestalteten, virtuellen Welten – mit sich bringen. Die sind – zumindest mir persönlich – wumpe. Nein, viel besser: Ich genießen den Großteil der Bugs als superbe Ablenkung, beispielsweise wenn plötzlich Menschen auf dem Wasser wandeln oder ein Elefant durch eine Wand hindurch „guckt“.

Der Kern des Problems liegt tiefer, an der Wurzel der Spielmechanik.

Das wohl beste Beispiel hierfür ist die "Turm-Mechanik": In Assassin's Creed Unity besteigen wir Türme um einen Teil der Karte aufzudecken und Belohnungen abzusahnen. In Assassin's Creed Rogue besteigen wir Türme, um einen Teil der Karte aufzudecken und Belohnungen abzusahnen. In Watch Dogs hacken wir ctOS-Türme, um... genau. In Far Cry 4? Check! Auch hier wieder... Türme. Alle genannten Spiele sind 2014 veröffentlicht worden!

Einzeln betrachtet haben wir hier ganz hervorragende Open-World-Spielplätze, welche die Macht-Fantasien ihrer Spieler zutiefst befriedigen können. Wenn man sich jedoch die ganze Chose von weiter oben anschaut – praktisch von unserem Test-Turm aus – dann schwant uns für die Zukunft Böses: Wenn das so weitergeht, verkommt auch Far Cry bald zum nächsten Opfer der ständig selben Mechanik im neuen Gewandt.

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So etwas geht selten gut aus – hört an dieser Stelle exemplarisch die letzten Gitarrenriffs von Guitar Hero aus seinem Plastikgrab schallen und vernehmt leise und andächtig das zarte Klappern eines "Kickflip into Impossible into Varial into Wall Ride into Rocket Air" von Tony Hawk persönlich. Friede seiner Grinds. 

Oder kurz: Es wird Zeit dass Ubisoft den fetten König mal zum Sport schickt, damit die neuen Kleider besser passen.

Willkommen in Kyrat

Ajaj Ghale reist in die fiktive Himalaya-Region Kyrat, um die Asche seiner toten Mutter zu verstreuen. Dabei gerät er mitten in einen Bürgerkrieg zwischen dem Regime unter Blondschopf Pagan Min und den Freiheitskämpfern vom Goldenen Pfad. Während der rund 20 bis 25stündigen Kampagne bleibt Ihr, alias Ajaj, alias der Hauptcharakter erstaunlich blass: Mir würde es selbt nach meiner langen Zeit in Kyrat schwer fallen, die passenden Charakter-Attribute für Ajaj festzulegen.

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Die Wandlung vom Studenten zum Profi-Killer war bereits in Far Cry 3 recht unglaubwürdig inszeniert, in Far Cry 4 versucht Ubisoft nichtmal eine Erklärung für den raschen Wandel zu finden. Streng genommen ist Ajaj eine linke Hand mit nach innen getragener Armbanduhr und eine rechte Hand mit der Waffe Eurer Wahl. Bang. Boom. Bang. 

Anders sieht es bei den Charakteren aus, die Euch in Kyrat über den Weg laufen: Hier gibt es durchaus interessante Typen, die meist leider genauso schnell wieder verschwinden, wie sie erschienen sind. Selbst Oberfiesling Pagan Min macht diesbezüglich leider keine Ausnahme: Ein Großteil seiner Charakterisierung läuft durch im Hintergrund ablaufende Funkgespräche ab.

Immerhin sorgt das deutsche Synchronwunder Torsten Michaelis für erstklassige Synchro-Arbeit: Die starke Stimme des Berliners synchronisiert auch Hollywood-Stars wie Wesley Snipes, Sean Bean, Benicio del Toro, Chris Tucker und Martin Lawrence und passt zu Pagan Min wie der Adler auf's Auge. Eigentlich schalte ich mittlerweile fast immer zum englischen Original, doch bei Far Cry 4 konnte ich beruhigt auf deutsch weiterspielen. Daumen hoch, Ubisoft!