Aufgehübscht, üppig bestückt und charmant wie eh und je

"Dragon Quest VII – Fragmente der Vergangenheit" im Test für Nintendo 3DS

Aufgehübscht, üppig bestückt und charmant wie eh und je: "Dragon Quest VII – Fragmente der Vergangenheit" im Test für Nintendo 3DS Aufgehübscht, üppig bestückt und charmant wie eh und je: "Dragon Quest VII – Fragmente der Vergangenheit" im Test für Nintendo 3DS Foto: Nintendo

Nintendo adaptiert mit Dragon Quest VII ein echtes JRPG-Schwergewicht auf den Nintendo 3DS - ob sich der Titel auch heutzutage noch behaupten kann, zeigen wir im Test.

Unglaublich, aber wahr: Mehr als 16 Jahre hat die japanische Version von Dragon Quest VII nun schon auf dem Buckel. Im Jahr 2000 erschien der Titel noch für die altehrwürdige PlayStation im Land der aufgehenden Sonne. Die nur ein Jahr später veröffentliche Ami-Version wurde hierzulande von den JRPGs-Nerds für viel Geld importiert – zu einer deutschen Veröffentlichung hat es das gigantische Rollenspiel jedoch selbst nach dem Erfolg des Nachfolgers nie geschafft.

Ein Grund mehr nun eifrig in die Hände zu klatschen und den Hut vor Nintendo zu ziehen: Das einstige Sony-Schmuckstück landete Ende September 2016 endlich in der Bundesrepublik - komplett ins Deutsche übersetzt und mit neuem Grafik-Kleid. Schauen wir mal, was dahinter steckt!

Eine Insel mit zwei Bergen

Ihr startet das Abenteuer auf einer kleinen Insel inmitten eines riesigen, scheinbar unendlichen Ozeans. Die Fischer des kleines Ortes, in dem ihr die ersten Schritte ins Spiel wagt, sind sich mittlerweile sicher: Da draußen gibt es nichts außer Fische und Wasser.

Kein Wunder also, dass es euch bei der winzigen Größe der Insel schnell langweilig wird: Zusammen mit dem rebellischen Prinz Gismar und der anfangs noch ziemlich nervigen Bürgermeistertochter Maribel macht ihr euch auf eigene Faust auf, um die Welt zu erkunden. Schnell stellt sich heraus: Mit Hilfe antiker Steintafeln könnt ihr nicht nur in die Vergangenheit reisen, sondern mit euren dortigen Taten die Gegenwart beeinflussen. Und so füllt sich die Welt bald mit neuen Inseln... und ganzen Kontinenten.

Der Beginn von Dragon Quest VII ist sehr zähflüssig und dürfte viele "moderne" Gamer schnell abschrecken: Ohne einen einzigen Kampf zu bestreiten rennt ihr zu Beginn vom kleinen Dorf in die naheliegende Stadt, redet mit unzähligen Leuten und besucht eine verwahrloste Ruine. Erst nach stolzen 2 bis 3 Stunden gesellen sich die ersten Kämpfe hinzu. Bis der Titel wirklich in Fahrt kommt dürft ihr mit 8 bis 10 Stunden Spielzeit rechnen – spätestens dann aber seid ihr aber auch wirklich "drin im Spiel" und dürft euch auf ein Abenteuer freuen, dessen Spielzeit bei weit über 100 Stunden liegt.

Dabei solltet ihr euch von der visuellen Gestaltung nicht foppen lassen: Die Handlung von Dragon Quest VII neigt zu düsteren Themen, Tränen und viel Dramatik.

Angestaubt oder herausgeputzt?

Obwohl laut Square Enix einige Dinge im Spielverlauf gestrafft worden sein sollen – mir sind keine aufgefallen, allerdings sind meine Erinnerungen an die Ur-Version auch sehr düster – ist von vornherein klar: Dragon Quest VII ist ein japanisches Rollenspiel alter Schule.

Das bedeutet leider auch, dass ihr zwangsweise mit einigen Eigenheiten alter Rollenspiele leben müsst: Gespeichert werden kann beispielsweise nur in der Kirche, wobei euch die anwesenden Glaubensvertreter gerne erst einen an die Backe labern, bevor ihr das ersehnte "Ja, ich will... Speichern!" erreicht. Das nervt anfangs, wird aber schnell zum gewohnten Spielablauf – insgesamt finden drei Speicherplätze auf dem Modul Platz.

Auch das Inventar ist müßig zu bedienen: Da jeder Held über seinen eigenen Rucksack verfügt, müsst ihr sie auch einzeln mit Heilkräutern und weiteren hilfreichen Gegenständen bestücken. Wichtig: Wer sein finanzielles Vermögen lieb hat, sollte es öfters auf einer Bank zwischenlagern – beim Ableben eurer Party verliert ihr nicht nur den bisherigen Fortschritt, sondern auch eine Menge Geld.

Die Kämpfe gegen die vielen kultigen Gegner laufen rundenweise ab, erkennen tut ihr die fiesen Mobs mittlerweile auch auf der Oberweltkarte und in den zahlreichen Dungeons. Der Häufigkeit der Kämpfe tut dies leider nur selten einen Abbruch - sich vorbei zu mogeln ist in engen Gängen kaum möglich und auch nicht wirklich sinnvoll, schließlich benötigt ihr jeden sauer verdient Erfahrungspunkt, um später gegen die knackigen Endgegner bestehen zu können.

Viele zentrale Spiel-Elemente stoßen erst sehr spät im Verlauf der Handlung hinzu: Besucht ein Kasino, zähmt Monster, tauscht die antiken Inselkarten per StreetPass und erfreut euch an einem unglaublich komplexen Klassensystem, welches euch die Wahl zwischen Klassen wie Barden, Magiern, Dieben, Kriegern und vielen mehr gestattet.

Audiovisuell ein neues Spiel

Bereits anno 2000 gehörte Dragon Quest VII nicht zu den technischen Wegbereitern: Umso mehr freuen wir uns nun über die neue Grafik, die eine gehörige Portion des visuellen Stils von Dragon Quest VIII versprüht – das nebenbei gesagt 2017 ebenfalls auf dem Nintendo 3DS landen soll.

Insbesondere die Charaktere und Monster profitieren ungemein von der Modernisierung, aber auch Zwischensequenzen und Kulissen wirken um einiges plastischer und greifbarer – selbst der 3D-Effekt kann sich blicken lassen und kommt insbesondere auf dem New 3DS sehr sauber auf den Bildschirm.

Kritikwürdig ist die frei drehbare Kamera, welche insbesondere beim Szenenwechsel gerne mal komplett daneben langt – die Übersicht geht öfters flöten, als metallene Schleime vor euch fliehen können.

Für den Soundtrack gibt es nur ein Wort: Grandios! Lediglich Kennern der japanischen 3DS-Version von Dragon Quest VII wird es sauer aufstoßen, dass anstelle der orchestralen Stücke hierzulande nur MIDI-Sounds aus den kleinen Boxen schallen.

Fazit

Bereits das Original gilt unter Kennern als eines der besten Rollenspiele aller Zeiten – da legt das Remake nochmal gehörig einen drauf!

Leider benötigt der Titel seine Zeit, um warm zu werden: Das (zu!) lange Intro langweilt euch mit nervigen Gesprächen und Laufwegen, dafür warten im späteren Spielverlauf unzählige Geheimnisse, Abenteuer und spannende Geschichten darauf von euch entdeckt zu werden. Generell sollte euch klar sein: Dragon Quest VII hat einige Jährchen auf dem Buckel, und das merkt man.

Für uns ist es dennoch ein ganz klarer Pflichtkauf für alle Rollenspiel-Fans – wer es damals verpasst haben sollte, kommt nicht um Dragon Quest VII herum. Und selbst alte JRPG-Hasen werden dank der grandiosen, deutschen Übersetzung und der neuen visuellen Gestaltung erneut verzückt vor ihrem 3DS sitzen. Daumen hoch!

„Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit“ erhält von uns 9 von 10 antiken Tafeln, 5 von 5 blauer Kult-Schleime, sowie 90 Prozent puren Abenteuerspaß.

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