Der perfekte Bananenshake

"Donkey Kong Country: Tropical Freeze" im Test

Der perfekte Bananenshake: "Donkey Kong Country: Tropical Freeze" im Test Der perfekte Bananenshake: "Donkey Kong Country: Tropical Freeze" im Test Foto: Nintendo

Donkey Kong rollt wieder durch den Dschungel und zeigt den fiesen Viehkingern, was eine Harke ist: "Tropical Freeze" erschien nach seiner Premiere für die Nintendo Wii U anno 2014 nun auch für die Nintendo Switch. Dass dahinter ein Meisterwerk des mittlerweile brach liegenden Genres der 2D-Jump'n'runs verbirgt, ist allgemeiner Konsens - aber wie schlägt sich Tropical Freeze im Serienkontext?

Donkey Kong und seine Affenbande haben eine lange Reise hinter sich: die drei Serienteile für das altehrwürdige Super Nintendo gehören bis heute zur Créme de la Créme das Jump'n'run Genres, Donkey Kong 64 für das Nintendo 64 war so vollgepackt mit Inhalten, dass das schmale Modul aus allen Nähten platzte und als eines von nur drei Spielen, neben den altehrwürdigen "The Legend of Zelda: Majora's Mask" und "Perfect Dark", die externe Speicher-Erweiterung von Nintendo's 64-Bit Maschine voraussetzte.

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2010 erlebte Donkey auf der Wii sein Revival, eine Umsetzung für den Nintendo 3DS folgte 2013: Betreut von den Retro Studios erklomm der Primat wieder die Siegesleiter und landete dank viel Charme, exzellentem Level-Design und fantastischer Kontrolle erneut auf den vordersten Plätzen der Wertungsskala. Tropical Freeze verabschiedet sich von dem 3D-Feature der 3DS-Version und ersetzt es durch die ersten "richtigen" HD-Grafiken der Kong-Geschichte. Und die können sich sehen lassen - auch vier weitere Jahre nach dem Release für die Wii U.

Zuerst hätten wir da die Affenbande, bestehend aus Donkey, Diddie, Dixie und dem alten Cranky Kong, welche soviele Animationen spendiert bekommen haben, dass es eine wahre Freude ist ihnen bei der "Arbeit" zuzuschauen. Die Liebe zum Detail wird besonders klar, wenn wir einen Blick auf die Pausenanimationen werfen, also die Animationen, welche beim längeren Stillstand der Figur ausgelöst werden: So greift sich Donkey einen Nintendo 3DS und fängt an diverse Spiele zu spielen - von denen sogar kurz der Sound zu hören ist.

Dies soll nur exemplarisch als eines von vielen Grafikdetails genannt sein. Eure Gegner stehen dem in nichts nach: Pinguine, Uhus, Schildkröten und Co. lassen ein Grinsen nach dem nächsten über euer Gesicht huschen. Wunderbar!

Neue Inhalte für die Switch-Version

Zugegeben: Besonders viel neu macht die Switch-Version nicht. Der prominente Neuzugang Funky Kong lässt sich im "Funky Modus" als fünfter Charakter durch die Level steuern und vereinfacht den Spielablauf durch seine zahlreichen Fertigkeiten: Doppelsprung, Schweben und unendliche Rollen sind für ihn kein Problem, zusätzlich schützt ihn das Surfboard vor lästigen Dornen.

Zusätzlich erhaltet ihr anstelle von zwei Herzen derer gleich fünf - so sind selbst die Bosse kein Problem mehr! Da "Tropical Freeze" in Sachen Schwierigkeitsgrad nicht ganz ohne ist, erhaltet ihr mit Funky Kong also eine Möglichkeit ohne allzu viel Stress durch das Spiel zu kommen.

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Da bereits auf der Wii U Version der Bildschirm des Gamepads ungenutzt blieb, musste Nintendo auch keine speziellen "Touch"-Elemente auf die Switch umsetzen - gesteuert wird weiterhin ganz klassisch mit den Joy-Cons oder dem Pro Controller, im Koop-Modus greifen beide Spieler alternativ zu nur einem Joy-Con.

Apropos Koop: In diesem Modus ist Spieler 1 immer an Donkey Kong gebunden ist und Spieler 2 muss sich mit Dixie, Diddie oder Cranky Kong zufrieden geben. Unverständlich und ziemlich unbequem: Es kann nicht gewechselt werden, außer man tauscht die Controller aus.

Problem Nummer Zwo: Beide Spieler greifen auf denselben Haushalt an Extraleben zurück! Will heißen: Wenn eure werte Freundin oder euer Zock-Buddy eher unbedarfte Jump'n'run Künstler sind, haucht Ihr eure Affenleben schneller aus, als ein Schneesturm die Geburtstagskerzen von Donkey Kong.

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Tatsächlich konnten wir dem Zweispielermodus in der Praxis nur wenig abgewinnen, einzig bei den kniffligen Bosskämpfen zahlt es sich aus jemanden dabeizuhaben, der den Kollegen dank herabgleitendem Fass wiederbeleben kann. Wenn das Fass übrigens nicht aufgehoben wird, schwindet ein weiteres Leben von eurem Konto – sprecht euch also gut ab!

Technisch hebt die Switch-Version die Auflösung von 720p auf 1080p beim Zocken auf dem Fernseher - die schärferen Texturen fallen aber nur Technik-Nerds beim direkten Bild-zu-Bild-Vergleich auf. Weiterhin wunderbar flüssig bleibt die Bildrate - hier werden euch fluffige 60 Bilder pro Sekunde serviert, übrigens ganz egal ob im Handheld- oder TV-Modus. Toll: Die Ladezeiten wurden im Gegensatz zur Wii U Version verkürzt, was dem Spielfluss zusätzlich zugutekommt.

Von der Steppe bis in die Berge

Durchgehend extrem eindrucksvoll präsentieren sich die unzähligen Level, welche diesmal über sieben Inseln verstreut sind. Per geheimer Ausgänge schaltet ihr dabei weitere Level frei, die ihr sonst nicht zu Gesicht bekommen hättet. So bereist ihr zum Beispiel Mangrovien, das bergige Alpatoll mit einer Portion "Donkey in Österreich", die afrikanisch angehauchte Steppe namens La Savanna, die Unterwasser-Region Ozetanien oder das mit lila "Wackelpudding" zugeschleimte Marmeloupe.

Selbst innerhalb des Kontexts der jeweiligen "Oberwelt" unterscheiden sich die einzelnen Level recht stark voneinander, was nicht zuletzt durch verschiedene Fortbewegungsmöglichkeiten untermauert wird. Während Donkey im einen Level noch von einer beweglichen Plattform zur nächsten springt, wartet im nächsten Level bereits eine Lorenfahrt auf ihn, oder ein Gassi-Ausritt auf Serienstar Rambi, dem Nashorn.

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Obwohl ihr weiterhin zweidimensional von links nach rechts (oder von unten nach oben) durch die Level stampft, verleihen einige beeindruckende Kamerafahrten gekonnt die Illusion von zusätzlicher "Tiefe". In einigen wenigen Beispielen fährt Donkey mit einer Lore auch mal abseits der horizontalen Achse ins Bild hinein, oder wird von Kanonenfässern in den Hintergrund des Levels geschossen.

Wer "Donkey Kong Country: Tropical Freeze" mit einem 100 Prozent Rating abschließen will, der sollte sich Zeit für die Level lassen: Im Gegensatz zur ehemaligen Nemesis Super Mario werdet Ihr bei Donkey Kong nicht von einem fiesen Zeitlimit im Nacken gegängelt, sondern könnt Euch alle Zeit der Welt lassen. Ausnahmen sind natürlich Level, in denen euch etwas anderes als ein Zeitlimit im Nacken sitzt, zum Beispiel ein riesiger Oktopus. Da hilft nur noch die schnelle Flucht nach vorne!

Insgesamt findet Ihr in jedem Level neben den obligatorischen "KONG"-Buchstaben noch diverse, gut versteckte Puzzle-Teile, Bonus-Runden, Extra-Leben und Bananentaler. Letztere tauscht Ihr im Shop von Funky Kong gegen einige Luxus-Items ein (mehr Leben, Affenfässer), dreht am Figuren-Automaten um Eure Sammlung zu komplettieren oder mietet Euch Papagei Squawks, um mit seiner Hilfe auf Puzzleteil-Suche zu gehen: Das Flattervieh weist Euch im Level daraufhin, ob Ihr eines der heißbegehrten Teile in der Nähe abstauben könnt.

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Zum Ende jeder Welt erwartet Euch natürlich ein obligatorischer Boss-Fight, welcher von seiner Länge her durchaus mit einigen Leveln konkurrieren kann: Lernt diverse Phasen auswendig und versucht passend zu reagieren, um den Geschossen eines riesigen Uhus auszuweichen oder einen Eisbären zu plätten. Glaubt uns: Zum Ende jedes Kampfes werdet ihr mit schwitzigen Händen vor dem Bildschirm kleben und ein erleichtertes "Grmpf!" aus eurem Mund entweichen lassen. 

Faule Bananen

"Donkey Kong Country: Tropical Freeze" ist ein hervorragendes Spiel, aber dennoch gibt es einige, kleine Kratzer im gelben Bananenlack: Der Schwierigkeitsgrad ist generell zwar hoch, aber stets fair. Was vielmehr stört: Die Schwierigkeitskurve ist nicht ansteigend, sondern vollgepackt mit fiesen Spitzen und entspannten Tälern. So rennt Ihr beinahe ohne Probleme beim ersten Anlauf durch ein Level, während Ihr an anderer Stelle bis zu 20 Leben nacheinander liegen lasst - das frustriert nicht nur, sondern nimmt dem Titel auch seinen ansonsten fantastischen Spiel-Flow.

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Kleine Kritik am Rande: Rambi das Nashorn bleibt leider alleine auf weiter Flur, denn die Ex-Tierkollegen Winky, Enguarde und Expresso müssen draußen bleiben. Das ist insofern besonders unverständlich, da sich mit La Savanna eine komplette Welt um die Tierwelt in Afrika dreht – hier hätte sich der Strauß aus den Vorgängern regelrecht aufgedrängt.

Die Kritik einiger Tester, dass Donkey Kong Country: Tropical Freeze nicht kreativ genug sei, können wir derweil nicht nachvollziehen: Jedes Level, jeder Gegner und jedes Puzzle-Teil sprühen vor Kreativität. Wer das nicht kreativ genug findet, beschwert sich wohl auch über mangelnde saure Pommes in einer Süßigkeitentüte voller Speckmäuse, Pilze, Gummibärchen, Colaschnüre, Duplo, Hanuta, Puffreis, saurer Zungen, Esspapier, Ufos, Schleckmuscheln und süßer Bananen (natürlich!).

Eine nachvollziehbare Kritik sind jedoch die Bonusrunden, welche ihr in versteckten Fässern in den Welten auffindet: Sammelt alle Bananen in einem Raum ein und kämpft dabei gegen ein fieses Zeitlimit, nutzt bewegliche Plattformen und meistert knifflige Lianen-Sprünge. Diese Räume wiederholen sich oft und gerne, was im späteren Spielverlauf nicht nur langweilig wird, sondern auch das ansonsten fantastische Tempo aus den Leveln nimmt. Letzteres wirkt in Hinsicht auf die Spielmechanik sogar weit verheerender, als die Wiederholungen an sich.

Noch ein Malus zum Schluss: Die drei Gefährten von Donkey Kong bringen zwar alle ihre eigene Fertigkeit mit ins Spiel, taugen für viele Stellen aber nur bedingt. Diddy Kong kann beispielsweise mit seinem Jetpack kurz in der Luft schweben, während Dixie Kong mit ihrem Zopf in der Luft herabsegelt und am Ende kurz aufsteigt. Dixie ist Diddy also in jedem Fall überlegen. Cranky Kong schließlich kann auf seinem Krückstock über Dornen springen – ein Feature, welches im Spiel nur an einer Handvoll Stellen überhaupt sinnvoll genutzt werden kann. So sahen wir uns letzten Endes meist nur mit Dixie Kong durch die Level rennen. Schade, da wäre deutlich mehr drin gewesen!

Groovy Monkey!

Nicht genug loben können wir den wirklich erstklassigen Soundtrack des Spiels, der zu jeder Welt und jedem Level genau den richtigen Groove trifft. Wir könnten uns den Mund fusselig reden, aber besser Ihr hört selbst mal rein:

Ganz, ganz große Klasse. Herausstechen tut in Sachen Soundtrack vor allem die Verbindung von Musik und Level-Design, besonders im ersten La Savanna Level, indem nicht nur die Bäume mitschunkeln, sondern auch Plattformen und Gegner. Zugegeben, die Idee ist nicht neu (Rayman Legends hatte sogar komplett auf Musik basierende Level), aber dennoch kongenial gestaltet und ausgeführt. Alle Daumen hoch!

Fazit

Abseits von den wenigen, faulen Bananen schwingt sich "Tropical Freeze" trotz seines fiesen Schwierigkeitsgrades zur Spitze des Jump'n'run Olymps und bleibt nur wenige Zentimeter vor der ohnehin extrem guten Konkurrenz an einer Liane hängen. Kurz: Wer auch nur einen Hauch Interesse am Genre haben sollte, der muss hier zuschlagen.

"Donkey Kong Country: Tropical Freeze" erhält von uns 9 von 10 Bananen, 91 Prozent "Boom" durch explosive Fässer, 7 von 8 Puzzle-Teilen und 3 von 4 Primaten.

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