Christmas Rock Santa Claus Weihnachtsmann Weihnachten Xmas
Foto: Shutterstock.com/Kiselev Andrey Valerevich

Wenn zu Weihnachten die alten Klassiker aus dem Wandschrank im Keller geholt werden, überkommt viele Anwesende die blanke Panik. Schweißnasse Hände, Terror im Trommelfell, weit aufgerissene, blutunterlaufene Augen und Lippen, die verzweifelt ein letztes „G… na… d… e!“ tonlos in die Luft stammeln. Feliz Navidad – aber wer ist eigentlich dieser Feliz und was hat er mit dem Weihnachtsfest gemacht? Unser Autor taucht ein in die weihnachtliche Welt der fiesen Popsongs und hat ein hervorragendes Allheilmittel mitgebracht: Mit dieser Playlist kann jedes Weihnachtsfest musikalisch gerettet werden!

Schreckensszenario „Last Christmas“

Es ist jedes Jahr dasselbe Schreckensszenario: „Last Christmas“. Helene Fischer mit „Fröhliche Weihnacht überall“. Ich bin in einer Familie groß geworden, in der Mariah Carey, Sarah Connor, Wolfgang Petry und die drei Tenöre zum Fest verehrt und gehuldigt wurden. Songs auf Dauerschleife und ab damit. Die Compact Disc „Weihnachtshits 08/15“ wird dabei so sanft aus ihrem Case geholt, dass selbst die softesten Menschen der Welt, in meiner Vorstellung die Macher der Sheba-Katzenfutter-Werbung, verzückt miauen würden.

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Während der musikalische Horror aus den Boxen perlt, schaltet das zerebrale Zentrum dann irgendwann auf Notstrom, die Ohrklappen machen dicht und das Essen am Abend verkommt zur obligatorischen „Ich bin eigentlich gar nicht hier, sondern in Gedanken auf Tahiti“-Farce.

Diese Weihnachtsmusik rockt: „Christmas Rock & Blues“-Playlist auf Spotify

Zugegeben: Musik gehört zu Weihnachten wie billige Weihnachtsmützen in Christmas-Pornos („Warum liegt hier eigentlich Schnee?“) und Marzipankartoffeln zwischen zwei Spekulatius. Dass es aber auch durchaus gute Songs zum Weihnachtsfest gibt, möchte ich euch nun mit einer ganz besonderen Playlist beweisen.

Hier findet ihr die etwas anderen Christmas-Hits ganz einfach über Spotify:

Die Playlist basiert auf einer langjährig gepflegten Song-Sammlung meines Schwiegervaters, teils auf Mixtape aufgenommen, teils auf Rohling gebrannt. Als Inhaber der ehemaligen Plattenküche in Bottrop dürfte Werner Timmer so ziemlich der musikalischste Mensch gewesen sein, der mir in diesem Leben untergekommen ist.

Die Weihnachtstage zwischen meinen zwei Familien könnten musikalisch nicht weiter voneinander entfernt sein: Helene Fischer auf der einen Seite, auf der anderen die Beach Boys (ja, die können auch Weihnachten!), Kettensägenstimme Tom Waits mit „Christmas Card From A Hooker In Minneapolis“, B.B. KingBob Dylan und Frankyboy Sinatra. Auf der einen Seite gab es kalten Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen, auf der anderen brutzelte der Bacon auf dem Tischgrill. Der Sound der Nacht kam über ein CD-Radio von Bose, die Bässe wummerten angenehm im Bauchnabel.

Kurz: Wer die folgenden Songs bei sich durch die Anlage rotieren lässt, kommt ganz sicher ohne Hörsturz über die Feiertage. Und wenn Santa davon Wind bekommen sollte, kommt der plauzige Mitbringsel-Major sicher auf ein Bierchen und etwas Bacon vorbei. Oder zwei. Oder vier. Cheers!

Und plötzlich meldet sich die Sam Morrison Band aus Kalifornien

Über die Jahre hinweg konnte ich immer neue Songs zur Playlist hinzufügen, meist mit dem schlechten Gewissen und der drängenden Frage, ob meinem werten Schwiegervater diese Auswahl auch wirklich gefallen hätte. Online veröffentlichte ich sie erstmals über einen Artikel auf Tonight.de, seitdem wird das Ding scheinbar auch von anderen Menschen außer meiner Familie gehört. Über 500 „Gefällt mir“ versammeln sich mittlerweile bei „Christmas Rock & Blues“.

Extrem überraschend war eine „Dürfen wir auch mit drauf?“-Anfrage aus dem fernen Kalifornien. Die Sam Morrison Band aus dem Orange County war über Spotify auf die Playlist gestoßen. Sänger Sam fand die Auswahl scheinbar so gut, dass er mit seinem „The Christmas Album“ auch dabei sein wollte.

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Kostenlose Werbung, na klar… Doch zum Zeitpunkt der Anfrage hatte die Playlist noch keinerlei Aufmerksamkeit auf sich gezogen, in dem Punkt kam mir die Frage zu ausformuliert und ehrlich berührt vor. Ich suchte das besagte Album also auf Spotify, drückte gelangweilt auf „Play“ – und war überrascht. Positiv überrascht. „To Heck With Ole Santa Claus“ und „Alone Again For Christmas“ sind genau der Stoff, der den Bacon zu Weihnachten extra knusprig macht. Southern Rock, ehrlich und groovy.

5 legendäre Christmas Songs, die man immer wieder hören kann

Die Playlist hat mit rund 50 Songs mittlerweile eine Länge erreicht, die ich eigentlich nicht übersteigen will: 2 Stunden und 20 Minuten sind der perfekte Soundtrack für ein langes und gemütliches Essen am Weihnachtsabend. Die Frage nach den „besten Songs dieser Playlist“ ist dementsprechend schwierig zu beantworten. Hier ein Versuch:

Little Saint Nick – The Beach Boys

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Es ist immer wieder überraschend, bei der Recherche zu altem Kram auf neuen Kram zu stoßen: Das neu animierte Musikvideo zu „Little Saint Nick“ erschien am 13. Dezember 2020 und drückt eigentlich auch schon alles perfekt aus, was ich an diesem Track so liebe. Packt das Surfbrett aus und reitet damit bis zum Nordpol!

Little Saint Nick erschien am 9. Dezember 1963, geschrieben wurde der Song von „The Beach Boys“-Gründer Brian Wilson und seinem Kumpel Mike Love.

Back Door Santa – B.B. King

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Wenn der Weihnachtsmann mal durch die Hintertür kommt: „They call me backdoor Santa, I make my runs about the break of day, I make all the little girls happy, While the boys go out to play“ – ja, hier geht es nur bedingt um Weihnachten. Der Song geht eigentlich auf die Kappe von Clarence Carter, zu den Covern gesellt sich auch diese superbe Version von B.B. King hinzu. Wem das nicht reicht, der findet das Sample auch bei Run DMC und „Christmas for Hollis“.

All Alone On Christmas – Darlene Love

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Die beiden „Kevin allein zu Haus“-Streifen sind zusammen mit „Stirb Langsam“ die Weihnachtsfilme einer ganzen Generation. Man mag von dem Streifen halten, was man will: Der Soundtrack ist bis zum heutigen Tage einer der besten Christmas-Soundtracks, die man als Sampler erwerben kann. Viele der Tracks finden sich auch auf dieser Playlist wieder, darunter allen voran „All Alone On Christmas“ von der bezaubernden Darlene Love. Geschrieben und produziert wurde der Track übrigens von niemand Geringeren als Steven Van Zandt.

Step Into Christmas – Elton John

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In seinen frühen Jahren hat Elton John gerne mal richtig gerockt. Oder anders: Er ist auf dem Klavier galoppiert wie ein Rentier mit viel Weihnachtspunsch intus. Das macht auch heute noch extrem viel Laune, lässt euch auf den Weihnachtssocken durch die Bude rutschen und mit den Geschenken unterm Baum eine wilde Jongleur-Nummer hinlegen. Mehr gute Laune geht nicht! „Step Into Christmas“ stammt aus dem Jahr 1973.

Santa Claus Go Straight To The Ghetto – James Brown

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Last but not least wäre da noch diese eine Nummer, welche euch die rot gekringelten Socken von den Füßen groovt: James Brown begleitet Santa Claus ins Ghetto und ich liebe jede Sekunde daran. Das dazugehörige Album „A Soulful Christmas“ wurde 1968 über King Records veröffentlicht und war bereits das zweite Christmas-Album von James „Mr. Dynamite“ Brown.