Spotify Musikstreaming iPhone
Foto: Fabian Sommer/dpa/dpa-tmn

Mit weit mehr als 250 Millionen Nutzern auf der ganzen Welt, knapp die Hälfte davon zahlend, ist Spotify der größte aller Streaming-Dienste. Doch es ist längst nicht alles Gold, was glänzt. In den schillernden Kosmos der Musik schleichen sich nach und nach immer mehr Rechtsextreme.

Bereits zu Beginn des Jahres geriet Spotify wegen antisemitischer Inhalte in die Schlagzeilen. Die israelische Zeitung „Times of Israel“ hatte zahlreiche Musiktitel zusammengesucht, die zur Tötung von Juden aufriefen, Holocaust-Opfer verhöhnten und Adolf Hitler verherrlichten. Weil die Nutzer von Spotify in Sachen Beschreibung und Bebilderung ihrer Playlists frei sind, gerieten zudem unter anderem Bilder von Hakenkreuzen auf die Plattform.

Damals schaltete sich sogar die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz ein und bat Spotify in einer direkten „Ansprache“ auf Twitter um eine Korrektur:

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Das schwedische Unternehmen reagierte im Januar umgehend und vermeldete, man entferne Inhalte, die von der Prüfstelle für jugendgefährdende Medien gelistet sind oder gemeldet werden und prüfe darüber hinaus auch Beschwerden im Einzelfall.

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So weit, so gut. Eigentlich. Denn nur ein halbes Jahr später steht Spotify ein handfester Skandal ins Haus. Auslöser der aktuellen Debatte: die Veröffentlichung des neues Albums von Rapper Chris Ares (bürgerlich Christoph Aljoscha Zloch). Sagt euch nichts? Muss er auch nicht. Es reicht vollkommen, zu wissen, dass ihn das bayrische Landesamt für Verfassungsschutz seit 2016 als Rechtsextremisten einstuft. Dass er im selben Jahr bei einer AfD-Veranstaltung Journalisten und Gegendemonstranten attackierte, passt ins Bild.

In seinen Songs hetzt Zloch beispielweise gegen Muslime oder darüber, dass geplant sei, das deutsche Volk auszulöschen. Und während Amazon Prime Music und Deezer diese nicht anbieten, können sie auf Spotify gestreamt werden. Vielen Musikfans ist das ein Dorn im Auge – wie etwa dieser Dame auf Twitter, die kurzerhand ihr Abo kündigte:

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Auf Nachfrage von „Bild“ bezog ein Spotify-Sprecher nun wie folgt Stellung zur Lage: „Spotify bietet seinen Nutzern weltweit über 50 Millionen Songs. Grundsätzlich sind die jeweiligen Rechteinhaber verantwortlich für die Musik, die sie über Spotify bereitstellen bzw. distribuieren.“ Indizierte Inhalte würden gesperrt, in Deutschland richte man sich nach bereits genannter Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM).

„Spotify toleriert absolut keine indizierten Inhalte oder solche, die geeignet sind, in irgendeiner Weise Feindseligkeit zu erzeugen – sei es aus rassistischen, religiösen oder anderen Gründen. Sobald wir derartige Inhalte in unserer Bibliothek entdecken, entfernen wir sie umgehend. Wir nehmen dieses Thema sehr ernst. Und da wir ein weltweites Unternehmen sind, nutzen wir auch in vielen anderen Ländern den Index der BPjM als weltweiten Standard für diese Thematik.“

Zum Vorgehen selbst äußerte er sich ebenfalls: „In dem Moment, in dem wir problematische Inhalte identifizieren, informieren wir unseren Distributionspartner. Wenn diese auf unsere Anfragen nicht reagieren, werden die Inhalte gesperrt und mitunter der Partner geblockt. In jüngster Vergangenheit hat Spotify bereits mehrfach auf Verstöße gegen die Content Policy reagiert und Inhalte entfernt – aktuelle Beispiele: ‚Honigwabe‘ oder ‚Rechtsausleger‘ (im Bereich Podcasts) oder die Single von Chris Ares ‚BRDigung‘.“

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Zusammengefasst bedeutet dies: Spotify schmeißt einen Song erst dann heraus, wenn er indiziert wurde. Und dann offensichtlich auch nur den einen Song und nicht gleich den Künstler. Eine mehr als fragwürdige Herangehensweise – die einigen Inhalten voll und ganz in die Karten spielt.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Podcast „Lagebesprechung“, dessen Herausgeber, der „Ein Prozent e.V.“ vom Verfassungsschutz seit kurzem als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft wird. Während Facebook und Instagram die Accounts von „Ein Prozent“ bereits sperrten, rechtfertigte sich Spotify damit, dass der Podcast auf YouTube auch noch zu finden sei. Nicht, dass dies dem Streaming-Giganten noch zum Verhängnis wird …