Foto: Universal Music Deutschland/dpa
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Deutsch-Rapper Fler hat derzeit Stress. Stress mit Bushido. Eine lange Geschichte. Doch Fler hat nicht nur mit Bushido Stress. Auch die Polizei ist ihm ein Dorn im Auge. Und der Stress geht so weit, dass der Berliner sogar Deutschland verlassen will. Sagt er zumindest. Oder steckt nur Promo dahinter?

Schon seit knapp 20 Jahren läuft Flers Rapper-Karriere. Er ist einer der bekanntesten Vertreter des Deutsch-Raps. Seine Alben sind Verkaufsgaranten. Seine 15 Solo-Alben landeten alle in den Top Ten der deutschen Charts, nicht selten sogar auf der Eins.

Fler wirkt selten wirklich entspannt in Interviews. In ihm brodelt es. In ihm gärt es. Es ist eine Wut, die sehr tief in ihm verwurzelt ist. Fler ist ein Heimkind. Wenn er in seinen Liedern von der Straße rappt, weiß er, wovon er spricht.

Berühmt-berüchtigt sind seine Live-Chats auf Instagram, in denen Patrick Losensky, so sein bürgerlicher Name, regelmäßig die Fragen seiner Fans beantwortet – und dabei in aller Regel kein Blatt vor den Mund nimmt. Auf Medien, vor allem die „Bild“ ist der Musiker selten gut zu sprechen.

Doch momentan ist Fler in der deutschen Medienwelt allgegenwärtig. Anfang Dezember hatte Fler der FAZ ein großes Interview gegeben. Jetzt hat er mit der „Welt“ ausführlich gesprochen. Das wichtigste Thema: Flers Erzrivale Bushido. Natürlich.

Der Streit – oder ist das vielleicht schon eine zu harmlose Formulierung für die Auseinandersetzung? – zwischen Fler und Bushido ist das behrrschende mediale Thema der deutschen Rap-Szene. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass einer der beiden Protagonisten nachlegt. Zuletzt hatte jedoch das Landgericht München gesprochen: Fler muss seinen Disstrack „Noname“, in dem er sich mit harten Worten an Bushido und vor allem dessen Ehefrau Anna-Maria und den Kindern des Ehepaares verbal abgearbeitet hatte, textlich abändern.

Doch das ist das eine. Fler legt jetzt wieder gegen Bushido nach. „Er versucht auf allen Ebenen, mir mein Leben schwer zu machen. Und das, während er selbst unter Polizeischutz steht. Alles nur, weil er weiß, dass Arafat Abou-Chaker mein Kumpel ist. Bushido ist nicht der geläuterte Saubermann, für den er sich ausgibt. Ich weiß, was er im Schilde führt“, sagt Fler im Gespräch mit der Tageszeitung „Welt“.

Zuletzt bot Fler Bushido via Instagram sogar an, die ganze Sache „nach 20 Jahren endlich mal wie MÄNNER zu klären“. Rumms! Das war deutlich! Bushido blieb ihm auf das Angebot für eine Schlägerei bislang noch eine Antwort schuldig.

Fler Instagram Ansage Bushido
Foto: www.instagram.com/fler

Fler wirft seinem verhassten Rapper-Kollegen im „Welt“-Interview vor, dass es diesem gar nicht um Schutz für die Familie gehe: „Das ist doch geisteskrank. Er steht unter Polizeischutz, sucht die Öffentlichkeit und legt sich mit den Leuten an: Das gibt es doch nicht.“

Dann berichtet der Berliner Rapper in dem Interview mit der „Welt“, dass er früher auch schon mit dem Abou-Chaker-Clan Stress hatte. Natürlich auch wegen seines Streits mit Bushido. Damals stand Bushido noch unter dem Schutz der arabischen Großfamilie. Doch das ist mittlerweile längst Geschichte. Bushido hat sich von Arafat Abou-Chaker losgesagt – und deshalb Polizeischutz beantragt. Fler sagt, er habe sich „als Deutscher nichts von denen gefallen lassen, als er ganz oben auf der Liste der Abou-Chakers stand.“

Aber in Deutschland fühlt sich Fler nach eigenen Angaben trotzdem nicht mehr wohl. Der Grund liegt dabei nicht in der Bedrohung durch Clans, auch nicht durch andere Rapper. Nein, hierfür ist der Staat verantwortlich. Das sagt er zumindest so in der „Welt“: „Ich hasse Deutschland. Ich will hier weg. Das Land hat doch nichts. Ich gebe diesem Staat jeden Tag die Hälfte meines Geldes. Wofür? Wo ist die Dankbarkeit dafür, dass ein Junge aus dem Heim nicht eure Mütter überfällt, sondern Rapper wird und Steuern zahlt?“

Übel aufgestoßen ist ihm vor Monaten ein Vorfall mit der Polizei in Berlin, auf den er wohl auch indirekt anspielt. Fler wurde von mehreren Beamten im Straßenverkehr angehalten und verlor bei der Kontrolle eben solche. Der Auftritt, der sich durch zahlreiche Beleidigungen Flers in Richtung der Beamten auszeichnet, wurde gefilmt – und veröffentlicht.

Der Rapper sieht sich im aktuellen Interview immer noch im Recht: „Nur weil die Polizisten nicht mit meinem Fame klarkommen, soll ich jetzt so tun, als wenn ich nicht berühmt bin? Er darf mich nicht anhalten, nur weil er mich erkennt.“

So ganz ungelegen dürfte Fler der mediale Hype um seine Person aber nicht kommen. Schließlich steht am 14. Februar 2020 der Release seines neuen Solo-Albums „Atlantis“ auf dem Programm. Und so ein bisschen Promo schadet auch Fler mit seiner eingefleischten Fangemeinde sicherlich nicht. Wer jedoch am Valentinstag auf romantische Zeilen von Fler hofft, wird wahrscheinlich enttäuscht.

Bushido Instagram
Foto: www.instagram.com/bush1do

Wahrscheinlicher dürfte noch ein neuer Disstrack gegen Intimfeind Bushido zu hören sein. Denn Bushido wurde zuletzt in seiner Instagram-Story gefragt, was nach dem Release seines neuen Albums „CCN4“ am 20. Dezember 2019 von ihm noch so kommen wird. Seine Antwort: „Es wird eine Beerdigung geben.“

Wer damit gemeint ist? Na, dreimal dürft ihr raten. Und, dass Fler einen Disstrack gegen ihn nicht unbeantwortet lassen wird, scheint irgendwie auch klar zu sein. Von daher freuen wir uns schon auf die nächste Runde Fler vs. Bushido – und holen schon mal das Popcorn.