Puhdys-Bassist Harry Jeske
Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Ohne ihn wären die Puhdys wohl nicht so erfolgreich geworden. Harry Jeske spielte in der Band den Bass und war zugleich ihr Manager; bis er wegen gesundheitlicher Probleme ausstieg. Ein Nachruf.

Er war lange der Motor der Puhdys. Mitbegründer, Ältester, Bassist und langjähriger Manager der Band – das alles war Harry Jeske. Doch kurz vor seinem 60. Geburtstag stieg er wegen einer Ohrenkrankheit aus, zog auf die Philippinen und schließlich nach Wismar. Am Donnerstag ist Jeske dort gestorben, wie Puhdys-Keyboarder Peter Meyer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Jeske wurde 82 Jahre alt. Er lebte zuletzt in häuslicher Pflege.

„Harry war damals der beste Manager der DDR. Ihm haben wir sehr viel zu verdanken“. So würdigte Dieter „Maschine“ Birr, Sänger der Puhdys, am Freitag seinen ehemaligen Bandkollegen. Jeske habe der Band zum Beispiel Instrumente aus dem Westen besorgt. „Er war wirklich ein Genie“, so Birr. Und Meyer sagt über Jeske: „Er hat die Basis gelegt. Und er war ein sehr angenehmer Mensch.“

Moderator Jürgen Karney, der von Anfang an gute Kontakte zu den Puhdys hatte, erinnerte sich am Freitag in einem Interview des Radiosenders Ostseewelle: „Kein Redakteur war vor ihm sicher. Er hatte immer eine Platte dabei, eine Kassette.“ Für die Band habe Jeske „Autos besorgt, Technik besorgt, Mikrofone und Veranstaltungen besorgt.“ Und: „Er war ein ganz wunderbarer Mensch.“

Für Harry Jeske steht das „H“ im Bandnamen der Puhdys. 32 Jahre alt war er, als die Gruppe am 19. November 1969 im sächsischen Freiberg ihr erstes Konzert gab. Bis zum Fall der Mauer wurden die Puhdys zwölfmal zur beliebtesten Rockgruppe der DDR gewählt – und schon damals regelmäßig auch von Zehntausenden Zuschauern in der Waldbühne im Westen Berlins umjubelt. Sie waren omnipräsent und die erfolgreichste Rockband der DDR. 2016 löste sich das Quintett auf.

Jeske, der umtriebige Bassist mit Schnauzer und Wuschelkopf, stieg schon 1997 aus der Band aus. Er hatte eine Ohrenkrankheit. Bei 80 bis 100 Konzerten pro Jahr könne er gesundheitlich nicht mehr mithalten, begründete er den Schritt. Seine Rente habe er schon beantragt.

Danach zog er sich viele Jahre auf die Philippinen zurück. Der gelernte Fliesenleger und Ofensetzer war mit einer Philippinerin, Erma, verheiratet. In Deutschland vertrieb er nach seiner Rocker-Rente eine Zeit lang Korbmöbel eigener Kreation.

Im vergangenen Jahr gab es für die Fans nach Jahrzehnten ein Wiedersehen mit Jeske. Dreieinhalb Jahre nach Auflösung der Puhdys standen einige der Musiker in der Rostocker Stadthalle noch einmal gemeinsam auf der Bühne – 50 Jahre nach der Gründung der Band. Harry Jeske, schon seit längerer Zeit in Pflege, war im Publikum dabei. Er saß im Rollstuhl. Als er in die Halle gefahren wurde, gab es Riesenapplaus.

>> Tote Promis 2020: Diese Stars und Persönlichkeiten sind verstorben <<

Quelle: dpa