Neuer Club in Düsseldorf

Das Golzheim in der Theodor-Heuss-Brücke öffnet am 30. April

Neuer Club in Düsseldorf: Das Golzheim in der Theodor-Heuss-Brücke öffnet am 30. April Neuer Club in Düsseldorf: Das Golzheim in der Theodor-Heuss-Brücke öffnet am 30. April Foto: Veranstalter

Wenn man so will, schließt sich am 30. April der Kreis: Vor genau drei Jahren gingen damals im Foyer am Worringerplatz die Lichter aus. Club-Chef Daniel Fritschi versprach seinen treuen Gästen aber ein Wiedersehen – und jetzt ist es endlich soweit! Zum „Tanz in den Mai“ öffnet das Golzheim in der Theodor-Heuss-Brücke seine Pforten.

Den Eingang unter der Theodor-Heuss-Brücke muss man schon kennen – oder bewusst suchen. Eine Stahltür trennt den vorbeirauschenden Verkehr an der Uerdinger Straße 45 vom neuen Club. Hinter der Tür erwartet den Gast dann eine andere Welt: Insgesamt knapp 160 Quadratmeter, bis zu 5,50 Meter hohe Wände aus Naturstein … Passt perfekt zu dem, was das Golzheim werden soll – ein neues, urbanes Zuhause für elektronische Partynächte und Kultur-Veranstaltungen.

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Natürlich haben schon einige aus Düsseldorfer Szene vorher von der „wirklich coolen Location“ gehört. Mit dem 30. April startet jetzt endlich der offizielle Club-Betrieb – und für Betreiber Daniel Fritschi (44) ist die lange Zeit des Umbaus und der Verhandlungen mit Behörden vorbei. Der Mietvertrag läuft über drei Jahre und verlängert sich automatisch um weitere zwei Jahre, wenn es seitens der Stadt oder den Stadtwerken keinen Eigenbedarf gibt.

Im Interview mit TONIGHT.de spricht Daniel sehr persönlich über die Höhen und Tiefen der letzten drei Jahre, die allgemeinen Entwicklungen im Nachtleben und verrät mehr über seine Pläne für das Golzheim.

Vor drei Jahren wurde das Foyer geschlossen, du hast schon damals angekündigt, dass du wieder in Düsseldorfer Szene aktiv werden möchtest. Am Ende hat es dann doch etwas länger gedauert als gedacht. Wie beurteilst du rückblickend die letzten drei Jahre?

Daniel Fritschi: Nach dem anlasslos verordneten, abrupten Ende des Foyers durch die Feuerwehr und das Bauaufsichtsamt brauchte ich zunächst einige Monate, um den aufgelaufenen Papierkram abzuarbeiten. Der Schlag der Vernichtung von drei Jahren extrem aufreibendem Engagement musste erst einmal halbwegs verkraftet werden.

Ich stand vor der Entscheidung, entweder verbittert alles an den Nagel zu hängen – oder die bitteren Erfahrungen der letzten Jahre als Lehrgeld zu verbuchen. Die Idee einen sauberen Neustart zu versuchen, in dem man von vorne herein die schlimmsten Hemmnisse der Vergangenheit, wie z.B. einen unberechenbaren Vermieter, exorbitante Fixkosten und nicht lösbare Probleme beim Schallschutz vermeidet, schien mir dann doch attraktiver.

daniel fritschi (image/jpeg)

Nachdem ich die von außen unscheinbaren Räumlichkeiten in der Theodor-Heuss Brücke entdeckt und ins Auge gefasst hatte, verging von der ersten Mietanfrage bis zum Mietbeginn schon ein Jahr. Die Erfüllung der Auflagen des Bauaufsichtsamtes bis zur Genehmigung erforderten weitere eineinhalb Jahre, da wir fast alle Arbeiten in Eigenregie ausführten. Das war natürlich sehr arbeitsintensiv, aber es ergibt sich ein ganz anderes Verhältnis zum Ergebnis, wenn man für die zahllosen Detailprobleme eigene Lösungen finden und umsetzen muss.

Das Golzheim würden viele eher mit Berlin assoziieren

Ich denke, dass wir für das Golzheim mit seiner Natursteinwand im inneren, den übrigen rohen Kalksandsteinwänden und dem Schwerlast-Krangerüst in den mit bis zu 5,50 Meter ungewöhnlich hohen Räumlichkeiten einen pragmatischen sowie ansprechenden Style gefunden haben, der vollkommen untypisch für Düsseldorf ist und wahrscheinlich eher mit einem Berliner Club assoziiert wird.

Welche Schwierigkeiten gab es beim „Projekt“ Golzheim? Wer hat dich alles unterstützt und gab es auch irgendwann den Punkt, an dem du aufhören wolltest?

Mein Fehler, den Zeit- und Finanzaufwand zu Beginn extrem unterschätzt zu haben, ist im Nachhinein, wenn man es endlich überstanden hat, eher positiv zu sehen. Denn hätte ich zu Beginn eine korrekte Ahnung gehabt, von dem was mich erwartet, hätte ich das Projekt wahrscheinlich nicht in Angriff genommen.

Aufgeben war zu keinem Zeitpunkt eine Option für mich

Es gab jedoch eine sehr erfreuliche, große Hilfsbereitschaft bei einer ganzen Reihe von Leuten, die ich so niemals erwartet hatte und für die ich sehr dankbar bin. Das ging von einmaliger Unterstützung bei dem Umzug meines Lagers bis zu über mehrere Monate reichende, intensive bauliche Hilfe. An erster Stelle ist hier Tiff Izsa zu nennen, welche schon die letzten 1,5 Jahre des Foyers mit mir bestritt und extra für diesen Projekt aus Kanada zurückkehrte, um nun nach einer um ein Jahr längeren Bauphase endlich als Barmanagerin und als meine rechte Hand mitzuarbeiten.

Trotz vieler unvorhergesehenen Probleme und Verzögerungen, z.B. durch eine mangelhafte Ausführung der Brandmeldeanlage durch die Fachfirma, welche in einer ca. sechs monatigen Verzögerung resultierte, war im Gegensatz zu früher im Foyer wenigstens das Ende der Durststrecke in Sichtweite und deshalb war Aufgeben zu keinem Zeitpunkt eine ernste Option für mich.

Golzheim_innen (image/jpeg) Feiern im Golzheim: Diese Aufnahme ist bei einer geschlossenen Gesellschaft im Club entstanden.

Wer dich kennt, weiß, dass dein Herz für elektronische Musik schlägt, du viel Wert auf den richtigen Klang und Lichtinstallationen legst. Wie genau sieht das Programm beziehungsweise das Booking aus, was kannst du uns zur Technik verraten und welche Leute wollt ihr ansprechen?

Besonders für die elektronischen Samstage möchte ich den musikalisch roten Faden in der Hand behalten und weniger auf regelmäßig wechselnde Fremdveranstaltungen setzen. Dabei möchte ich mit ausgewählten DJs und Labels aus dem näheren Umkreis in Kombination mit überregionalen bzw. internationalen Artists veranstalten, wobei für mich der maximale Bekanntheitsgrad nicht der ausschlaggebende Faktor ist.

Davon abgesehen lege ich den Schwerpunkt auf Vinyl-DJs, besonders bei den elektronischen, aber auch bei den geplanten Underground Hip-Hop Abenden. Darüber hinaus gibt es am dritten Freitag des Monats mit "Yard Vibes" einen Dancehall- Reggae-Abend und am vierten Freitag die Indietronic Veranstaltungsreihe "Disco Bohème" – beide Veranstaltungen gab es damals auch schon im Foyer.

daniel fritschi (image/jpeg) Ein Foto mit Daniel aus den Foyer-Zeiten: Die Events "Yard Vibes" und "Disco Bohème" fanden schon in der Location am Worringerplatz statt und werden auch im Golzheim zum Programm gehören.

Mit der rohBAR wollen wir zunächst an einem Freitag im Monat einen Bar-Abend etablieren, der explizit keine Party, sondern einen gemütlichen Bar-Abend mit Musik und hochwertigen Longdrinks zum Ziel hat. Musikalisch soll dann fast alles möglich sein, von zum Beispiel klassischem Soul und Funk über Dub, Hip Hop, Krautrock, Electronica und sogar Prog-Rock.

Voraussichtlich erst ab Herbst wollen wir dann die Bar-Abende auch auf einen Tag in der Woche ausdehnen und in diesem Zeitraum planen wir auch wieder gelegentliche Ausstellungen.

Was den Klang der Musikanlage angeht, bin ich mittlerweile sehr zufrieden und denke, dass besonders mit den vor kurzem installierten Verbesserungen der über viele Jahre hinweg optimierten, selbstgebauten Anlage jetzt der Sound auf sehr hohem Niveau angelangt ist. Abgesehen davon hat der Raum im Vergleich zum Foyer eindeutig wesentlich bessere akustische Eigenschaften.

Ich habe für das Golzheim auch eigene Projektions-Visuals entwickelt, die eine ganz eigene Ästhetik aufweisen und werde in Zukunft, wenn die Bauarbeiten weiter in den Hintergrund rücken, die Ansätze noch weiter entwickeln.

Golzheim Opening | Samstag, 30. April 2016 Golzheim Opening // Sa 30.04.16 Golzheim 41 Fotos

Was ist für Tanz in den Mai geplant?

Zum Eröffnungsabend haben wir den in Südafrika aufgewachsenen Live-Act Portable aka Bodycode eingeladen. Er wurde bereits zwei Mal vom Boilerroom gefeatured, hat eine eindrucksvolle Diskographie, mit zahlreichen Alben und EPs auf einigen der renommiertesten elektronischen Labels, wie z.B. Perlon, Spectral Sound, Live At Robert Johnson und ~scape... Außerdem legen Roxtone und ich als Resident-DJ Platten auf.

In den letzten Jahren ist im Düsseldorfer Nachtleben viel passiert: Mehrere Locations sind dicht, das Ausgeh-Verhalten hat sich gravierend geändert und wir hören immer öfter, dass es verdammt schwer geworden ist, überhaupt noch Leute zu mobilisieren und ein großes Risiko, in diesen Tagen einen Club aufzumachen. Wie siehst du das?

Die Probleme, die sich z.B. durch in der Vergangenheit schon hohe und nun weiterhin steigende GEMA-Gebühren ergeben, sind natürlich ein reeller, existenzbedrohender Faktor. Ebenso wie ich es auch erlebt habe, sind auch hohe baurechtliche Auflagen ein Problem. Danach müssten in der Altstadt viele Läden eigentlich geschlossen werden, wenn alle Vorschriften tatsächlich angewendet würden.

Abgesehen von diesen Punkten erklären sich meiner Meinung nach einige Probleme vieler Clubs, dadurch, dass in den meisten Fällen in Anbetracht des hohen Finanzbedarfs zur Eröffnung und des Betriebs häufig Leute das Sagen haben, deren Kernkompetenz nicht gerade in der Musik liegt. Man konzentriert sich in der Folge oft auf die populären Formate, und bleibt somit relativ beliebig und hat dann auch entsprechend zahlreiche Konkurrenz. Und selbst bei den Betreibern, die ein programmatisches Musikkonzept verfolgen, hapert es meiner Meinung nach öfter daran, dass auf wichtige Details zu wenig Wert gelegt wird.

Ein Jahr nach dem Foyer-Aus: Daniel Fritschi über die elektronische Szene, das Nachtleben und neue Projekte Ein Jahr nach dem Foyer-Aus Daniel Fritschi über die elektronische Szene, das Nachtleben und neue Projekte Zum Artikel »

Ich bin der Meinung, dass selbst kleine Details den Gesamteindruck wesentlich bestimmen können und bin deshalb bestrebt, kontinuierlich immer weiter an allen Aspekten zu feilen und Dinge zu verbessern oder auszuprobieren.
Nun bin ich mit meinem Ansatz nicht gerade repräsentativ und bin in der Vergangenheit nie mit der Prämisse an die Sache gegangen, in erster Linie ein profitables Projekt zu betreiben.
So war das Foyer ein finanzielles Fiasko, welches ich über meine parallele Selbstständigkeit subventionierte. Mit dem Golzheim bin ich aber zuversichtlich, einen soliden Betrieb hinzubekommen.

Adresse: Golzheim, Uerdingerstr. 45 (Theodor-Heuss-Brücke) in Düsseldorf
Öffnungszeiten: Freitags und samstags ab 23.30 Uhr (rohBAR Abende ab 21 bis 3 Uhr)