Melanie Schmitz

Die Trödel-Queen

Melanie Schmitz: Die Trödel-Queen Melanie Schmitz: Die Trödel-Queen Foto: Andreas Endermann
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Gibt es so was wie eine Flohmarkt-Sucht? Wenn ja, dann hat sich Melanie Schmitz damit schon als Kind angesteckt.

"Meine Eltern haben gern getrödelt. Ich war immer dabei und habe meine Spielsachen verkauft. Meine Barbie-Puppen mussten beispielsweise dran glauben, als ich Geld für Reitstunden brauchte", erzählt die 35-Jährige. Inzwischen ist die Düsseldorferin zu Deutschlands Trödel-Queen aufgestiegen: Denn was 2009 klein für Freunde und Bekannte mit dem ersten "Weiberkram" in einem alten Atelier in Wuppertal anfing und dann ein Jahr später zehnmal so groß in den alten Bahnhofs-Gebäuden in Neuss (Gare du Neuss) richtig Furore machte, ist heute ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

In 17 Städten von Arnheim (Eusebiuskirche) über Berlin (Alte Kindelbrauerei) bis Wiesbaden im Alten Schlachthof und am 2. April erstmals in Düsseldorf im Postpost an der Kölner Straße organisiert Mel - wie sie jeder nennt - pro Jahr rund 80 Secondhand-Märkte, immer sonntags ab 11 Uhr. Und nicht nur solche mit typischem Weiberkram - Klamotten, Schmuck und Schuhe, Taschen und Krimskrams aller Art. Sondern auch spezielle, bei denen sich alles rund ums Kind dreht oder ganz neu ein Markt für "Plus Size Mode" mit Kleidung ab Größe 42.

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"Es läuft", sagt die Jung-Unternehmerin zufrieden. Was als Nebenjob begann, ist jetzt Vollzeit. Vor zwei Jahren hat Melanie Schmitz ihren Job als Designerin für Strick bei Esprit aufgegeben und kümmert sich mit zwei Festangestellten, fünf freien Mitarbeiten und einem Dutzend Aushilfen um ihre Märkte.

Anders als bei den zahlreichen Trödel-Angeboten auf Baumarkt-Parkplätzen oder in Mehrzweckhallen hat Melanie Schmitz ihre eigenen Regeln: "Ich suche nicht irgendwelche Plätze, die sich vermarkten lassen, sondern besondere Orte mit Geschichte, Charme und Flair wie die Alte Börse in Wuppertal, den Schützenhof in Paderborn oder das Helios-Gelände in Köln mit seinen historischen Bauten", sagt sie.

Besucher zahlen zwei oder drei Euro Eintritt, und es wird kontrolliert, was verkauft wird. Ramsch ist nicht erwünscht. Bei Weiberkram gibt es Musik, Milchkaffee und Streetfood, aber keine Männersachen, kein Ikea, kein Kristall, kein Tupper, keine Puppen, keine Billigwaren, keine Händler. Bei Kinderkram findet sich alles rund ums Baby und Kind. Und die Stände sollen immer schön dekoriert sein. "Tischdecken sind das Mindeste", sagt die Expertin.

Wer sich ins Zeug legt, kann den Preis für den schönsten Stand gewinnen. Während allerorten die Mode- oder Designflohmärkte boomen und Nachhaltigkeit immer zeitgemäßer wird, hat Melanie Schmitz ihre Leidenschaft für das Prinzip Recycling früh entdeckt. "Es schont das Portemonnaie und ist politisch korrekter, als sein Geld für Wegwerfmode von Billigmarken auszugeben." Geht sie heute selber noch auf Beutezüge nach schönen Stücken? "Eher selten", verrät sie, "und wenn, dann am liebsten auf dem Sunday Up Markt im Londoner East End mit all den herrlichen Vintage-Sachen."

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Quelle: RP