Betrugsprozess gegen Ex-Hausmeister

Uni-Feten jetzt im Visier von Staatsanwälten

Betrugsprozess gegen Ex-Hausmeister: Uni-Feten jetzt im Visier von Staatsanwälten Betrugsprozess gegen Ex-Hausmeister: Uni-Feten jetzt im Visier von Staatsanwälten Foto: k/c/e Marketing
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(RP) Die Universität ist seit jeher ein Hort für wissbegierige Leute. Jetzt muss man dort aber zusätzlich mit bohrenden Fragen von Staatsanwälten und Steuerfahndern rechnen. Im Betrugsprozess gegen einen Ex-Hausmeister kam gestern beim Amtsgericht heraus: Bei professionell aufgezogenen Uni-Feten werden in den Räumen der Uni angeblich sagenhafte Netto-Gewinne erzielt -und zwar an der Steuer vorbei. Das behauptete der Angeklagte. „Ich bin entsetzt“, so die Staatsanwältin. Sie will jetzt weitere Ermittlungen an der Universität. Der Prozess wurde abgebrochen und auf unbestimmte Zeit vertagt.

Nichts hatte in der Anklage gegen den schwer behinderten Ex-Angestellten der Uni auf diese brisante Entwicklung hingedeutet. Dem 46-jährigen, nun arbeitslosen Mann wird vorgeworfen, als Mitarbeiter der Hausverwaltung von 2002 bis Ende 2004 bei 67 Uni-Feten aller möglichen Fachbereiche die Hand aufgehalten und von den Studenten mehr als 11000 Euro kassiert zu haben. Dazu habe er Rechnungsformulare erfunden und „Gebühren“ für die „Betreuung“ der Veranstaltung erhoben - obwohl es solche „Gebühren“ gar nicht gab. Im Prozess holte der Ex-Hausmeister dann aber zum Rundum-Schlag aus.

Er gab zu, dass er für (unzulässige) Überschreitungen der Sperrzeiten „gelegentlich einen Umschlag mit 20, 30 oder 50 Euro“ von den Studenten erhalten habe. Doch seien dadurch in all’ den Jahren „maximal 1500 bis 2000 Euro“ für ihn abgefallen. Zugleich aber habe er auf Drängen diverser Fachschaftsreferate zahllose „Scheinrechnungen“ gebastelt. Kassiert habe er diese Gelder nie.

„DJs aus den USA eingeflogen“

Die großen Gewinne hätten aber jene Studenten abgesahnt, die als Veranstalter der Uni-Feten auftraten. Der Angeklagte: „Früher wurde da ein Fass Bier aufgestellt und es kamen 100 bis 300 Leute. Zuletzt kamen zu den Feten aber 2000 bis 10000 Leute. Die Fetenkultur hat sich kommerzialisiert.“ Dabei hätten die Veranstalter nicht selten „fünfstellige Netto-Gewinne“ erzielt. Dafür seien dann auch „Discjockeys aus den USA eingeflogen“ worden. Ob es bei der Universität dieses Fetensystem an der Steuer vorbei wirklich gab - das will die Staatsanwältin jetzt genau wissen.

Quelle: rpo