Düsseldorf Fusion Campus Laschet
Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Um Deutschlands Videospiele-Branche stärker mit der klassischen Industrie zu vernetzen, nimmt in Düsseldorf ein Kompetenzzentrum seine Arbeit auf. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schnitt am Dienstag symbolhaft ein Band durch, um den Start zu signalisieren für den „Fusion Campus – German Center of Games Competence“, wie die Einrichtung heißt.

„Games sind ein Innovationsmotor – es gibt keine zweite Branche, in der Kreativität und technologisches Know-how so sehr Hand in Hand gehen“, sagte er. Für die Digitalisierung in Deutschland sei es ein wichtiger Tag.

Laut Bundesverband game gibt es in der Branche rund 250 Entwicklungsfirmen und Publisher in Nordrhein-Westfalen. Seit 2019 flossen laut Staatskanzlei 7,5 Millionen Euro an Fördermitteln des Landes in 80 Projekte. Während Laschet auf der Bühne die Eröffnungsrede hielt, standen zwei Cosplayer neben ihm, also kostümierte Videospiele-Fans – eine Kriegerin mit einer Axt aus dem Abenteuer-Rollenspiel „Elder Scrolls“ und ein Messerträger aus „Cyberpunk 2077“. Laschet war voll des Lobes über die Branche, die „eine riesige sportliche, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung“ hinter sich habe.

Düsseldorf: „Fusion Campus“-Gründerin Stefanie Waschk will „Brücken bauen“

Das neue Zentrum, das sich auch der Start-up-Förderung verschrieben hat, ist als Anlaufstelle für die Branchen fernab der Gaming-Szene gedacht. Es soll digitale Expertise bereitstellen, damit Firmen und andere Einrichtungen Gaming-Elemente in ihrem Geschäft einsetzen können. Beispielhaft wurde eine Virtual-Reality-Anwendung namens „Firefighter VR“ vorgeführt. In der Simulation sehen die Nutzer sich in ein brennendes Haus und andere Gefahrensituationen versetzt und müssen entsprechend handeln. „Firefighter VR“ können Laien spielen, es ist aber auch zum Training von Feuerwehren gedacht.

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Virtual Reality und andere Gaming-Aspekte sind ohnehin schon in der Wirtschaft präsent – Schweißer zum Beispiel können ihr Handwerk teilweise mit Hilfe von VR-Brillen erlernen, auch Piloten nutzen seit langem Flugsimulationen, die wiederum Computerspielen ähneln. Digitale Anwendungen zur Wissensvermittlung gibt es zudem im Gesundheitswesen, in der Bildung und in der industriellen Fertigung. Denkbar sind auch spielerische Anwendungen, die Logistik- oder Handelskonzerne zur Qualifizierung ihrer Belegschaft nutzen können.

Aus Sicht der „Fusion Campus“-Gründerin Stefanie Waschk gibt es noch viel Luft nach oben. „Wir bauen Brücken zwischen der Gaming-Industrie, anderen Wirtschaftszweigen sowie der Wissenschaft und dem Nachwuchs“, sagte sie. „Wir beraten andere Branchen, wie sie Gaming-Know-how in ihrem Business einsetzen und davon profitieren können.“ Das Zentrum werde ein Treffpunkt sein für „Start-ups und alte Hasen, Techies und Kreative, Moderne und Tradition“.

Düsseldorf: 750.000 Euro für „Fusion Campus“

Es geht im kleinen Stil los, bis Jahresende sollen sechs Arbeitsplätze in dem Kompetenzzentrum entstehen, in den nächsten Jahren könnten es mehr werden. Die Landesregierung gibt für den Aufbau bis zu 750 000 Euro. Neben Waschk sind das Spieleunternehmen Ubisoft Blue Byte („Anno 1800“) und die Beteiligungsgesellschaft Gladstone Capital Gesellschafter.

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Benedikt Grindel von Ubisoft Blue Byte betonte die Bedeutung seiner Branche für andere Wirtschaftsbereiche. „Spieleentwicklung ist fast so etwas wie ein Prototyp der modernen Wirtschaft: vernetzt, kreativ, kundenorientiert, interdisziplinär.“ Das Kompetenzzentrum hat sein Büro in einem Gebäude, in dem Ubisoft Blue Byte seinen Sitz hat – mehr als 400 Beschäftigte hat die Deutschlandtochter des französischen Ubisoft-Konzerns in Düsseldorf.

Felix Falk vom Branchenverband game sah den „Fusion Campus“ als Schritt in die richtige Richtung. „In unserer Branche müssen wir unsere herausragenden Innovationen, Ideen und Kompetenzen noch bekannter machen und auch in andere Wirtschaftsbereiche tragen», sagte der Geschäftsführer des Verbandes. So habe die Politik sich Ziele für das Thema Künstliche Intelligenz gesetzt, die in der Games-Branche teilweise schon vor Jahren realisiert worden seien. Eine bessere Kommunikation könnte dabei helfen, das Branchenwissen auch in anderen Lebensbereichen besser zu nutzen. Der «Fusion Campus» könne hierfür ein wichtiger Beitrag sein, sagte Falk.

Quelle: dpa