Kunst-Studium Düsseldorf

Im Dampfkochtopf der Kunstakademie

Kunst-Studium Düsseldorf: Im Dampfkochtopf der Kunstakademie Kunst-Studium Düsseldorf: Im Dampfkochtopf der Kunstakademie Foto: Andreas Bretz
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100 Studenten haben vergangene Woche ihr Studium an der Kunstakademie begonnen. Die ersten zwei Semester arbeiten sie im Orientierungsbereich. Diese Zeit ist für die Künstler besonders intensiv.

Die Düsseldorfer Kunstakademie trägt ihr eigenes, unverkennbares Parfüm. Seitdem das Semester begonnen hat und in den Räumen wieder gearbeitet wird, riecht man es wieder ganz deutlich: Der Geruch von Lösungsmitteln, von Farben und dem Leinenstoff auf den Bilderrahmen liegt in der Luft.

100 neue Kunststudenten besuchen seit einer Woche den Orientierungsbereich der Hochschule, den alle nur O-Bereich nennen. Zwei Semester lang können sie hier ihre Arbeit entwickeln und sich auf die Prüfung vorbereiten, die im Sommer den Weg in den Haupttrakt eröffnet. Sie arbeiten mit neuen Materialien, entwickeln eigene Werke und lernen, sich unter den anderen Künstlern zu behaupten.

Eine ungewissen Reise

Mit dem ersten Semester an der Akademie beginnt für die Studenten eine ungewisse Reise. "Der Weg als Künstler ist ein harter und steiniger. Ohne Leidenschaft ist der kaum zu bewältigen", sagt Udo Dziersk, der den O-Bereich als Professor mit seinem Kollegen leitet. "Wenn du hier ohne Leidenschaft arbeitest, ist es einfach das falsche Studium für dich", stellt er fest.

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Man versteht, was er meint, wenn man den O-Bereich besucht. Die Räume sind eine kleine abgeschirmte Insel der Kreativität. Zeichnungen und Gemälde hängen an den Wänden, auf den Tischen liegen Pinsel und Farbtuben. Überall sitzen junge Menschen vor ihren Staffeleien. Theresa Linhard malt gerade das erste Bild an ihrem neuen Arbeitsplatz. Sie habe sich lange nicht getraut, Kunst zu studieren, obwohl sie den Wunsch schon immer gehabt habe. Im Frühjahr reichte sie schließlich als eine von 800 Menschen ihre Bewerbungsmappe ein und wurde angenommen. "Wenn ich male und zeichne, bin ich zufrieden", erklärt sie ihre Entscheidung. "Vorher habe ich als Grafikerin gearbeitet, aber das war mir nicht direkt genug." Sie habe dabei die Arbeit mit ihren Händen vermisst.

Die zwei Semester im O-Bereich sind sehr offen gestaltet

"Wir sprechen mit den Studenten und machen ihnen Angebote", berichtet Dziersk. Dieser Prozess funktioniere immer im fairen Dialog, von der Akademie werde nur wenig vorgeschrieben. "Diese Freiheit erfordert Disziplin", erklärt der Künstler Christoph Knecht, der in diesem Semester als Dozent im O-Bereich arbeitet. Die Unbegrenztheit sei manchmal schwer zu händeln. "Gleichzeitig bietet sie auch Möglichkeiten in alle Richtungen", betont Knecht, der früher selber Student bei Dziersk war. "Ich habe im O-Bereich eine unglaublich kostbare und aufregende Zeit erlebt. Diese Semester sind eine großartige Erfahrung."

Die Studenten der Kunstakademie kommen aus der ganzen Welt: Hu Lü, die neben Linhard sitzt, ist Chinesin und hat sich bewusst für ein Studium an der Düsseldorfer Hochschule entschieden. "Die verschiedenen Kulturen sind sehr inspirierend", sagt sie. Kunst sei der beste Weg, sich selbst als Mensch zu erleben, erklärt Lü. Ihre Finger sind farbig von den Pastellkreiden mit denen sie ihre Jacke abzeichnet.

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Dziersk schaut ihr interessiert über die Schulter. "Ich habe das Gefühl, dass es wieder ein spannendes Jahr wird", prophezeit er. Die Kunstwerke veränderten sich während des Jahres im O-Bereich enorm. Besonders untereinander würden sich die Studenten inspirieren und gegenseitig mitziehen. "Hier gibt es keine Konstante", betont Dziersk. Die Stimmung unter den Künstlern wechsele dauernd: "Mal erlebt man hier echte Verzweiflung, dann überwiegt die Freude und die Energie der Studenten", so der Professor. Sein Kollege Gereon Krebber hat den O-Bereich einmal den "Dampfdrucktopf der Akademie" genannt. Das Bild passt ohne Zweifel: In den Räumen brodelt die Kreativität.

Kunstakademie wurde 1773 gegründet

Historie Die Düsseldorfer Kunstakademie wurde im Jahr 1773 vom Kurfürsten Carl Theodor als Kurfürstlich Pfälzische Akademie der Mal-, Bildhauer- und Baukunst gegründet. Heute ist sie Körperschaft des öffentlichen Rechts und eine Einrichtung des Landes NRW.

Leitung Seit dem 1. August ist Karl-Heinz Petzinka Rektor der Kunstakademie Düsseldorf. Er ist Nachfolger von Rita McBride, die von 2013 bis 2017 Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf war.

Quelle: RP