Schicksalsjahre Dorfjugend

So hast du gefeiert, wenn du vom Dorf kommst

Schicksalsjahre Dorfjugend: So hast du gefeiert, wenn du vom Dorf kommst Schicksalsjahre Dorfjugend: So hast du gefeiert, wenn du vom Dorf kommst Foto: Shutterstock

Felder, Kühe und ab und zu mal ein Scheunenfest - als Dorfkind aufzuwachsen ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Unsere Autorin Marlena ist so ein Dorfkind und berichtet euch hier exklusiv von den Strapazen ihrer in Einöde und Abgeschiedenheit verbrachten Jugend - inklusive toller Tipps zum Nachmachen!

Von der Rapsfeld-Romantik...

Ich komme aus Bad Bentheim. Offiziell ist das eine Stadt, aber bis auf den Bürgermeister glaubt das niemand. Ich würde es eher als großes Dorf bezeichnen. Bad Bentheim liegt in Niedersachen. Ja genau, da wo auch Hannover liegt. Nee, das ist nicht in der Nähe. Was sonst so in der Nähe ist? Naja, eine Stunde entfernt liegt Münster. Das war's eigentlich. Und damit wären wir auch schon mitten drin.

 

Ein Beitrag geteilt von Lieb Los (@loveless8.4) am 15. Jul 2017 um 23:51 Uhr

Eine Kindheit auf dem Dorf ist total super, das liest man ja immer wieder. Da weiß man wenigstens noch, dass Kühe nicht lila sind, da macht man sich wenigstens noch richtig dreckig, da spielt man noch mit den Nachbarskindern und rennt pausenlos glücklich jauchzend durch leuchtende Rapsfelder, als wäre man gerade einem Astrid-Lindgren-Roman entsprungen.

...zur Dorfdisco-Depression

Dorfkindheit schön und gut, aber irgendwann ist die leider vorbei. Eines Tages merkt man, wie ekelhaft es eigentlich ist, permanent Dreck unter den Fingernägeln zu haben und dass die Nachbarskinder eigentlich echt scheiße sind. Und es beginnt die schrecklich triste Phase der Adoleszenz. Denn während Stadtkinder in der Pubertät langsam ihre urbanen Freiheiten entdecken, sich zum ersten Mal ins pulsierende Nachtleben stürzen und lässig in coolen Cafés abhängen, wurde uns Dorfjugendlichen langsam das komplette Ausmaß unserer Verdammnis bewusst.

Also taten wir das einzig sinnvolle: Wir tranken. Und wurden dabei wahnsinnig kreativ. Damit ihr verwöhnten Stadtmenschen auch endlich lernt, wie man richtig Spaß hat und alle ehemaligen Dorfadoleszenten nochmal in Erinnerungen schwelgen können, kommt nun die ultimative Anleitung für ein cooles Wochenende auf dem Dorf für lässige Kids zwischen 14 und 17.

Schritt 1: Lass dir eine Flasche Korn kaufen

Legal darfst du im Supermarkt noch keinen Alkohol kaufen (und es zu versuchen ist zu riskant, weil die Verkäuferin dich kennt und vermutlich sogar mit dir verwandt ist) und dubiose Kioske mit zwielichtigen Verkäufern gibt es nicht. Deine einzige Chance auf einen leckeren Cola-Korn ist also, ihn dir von einem 18-jährigen kaufen zu lassen. Im besten Fall gibt es in deinem Freundeskreis ältere Geschwister für diese Aufgabe. Wenn nicht, such dir einen neuen Freundeskreis!

 

Ein Beitrag geteilt von Dennis (@dennis.wilmes) am 11. Jul 2017 um 8:08 Uhr

Schritt 2: Besuche eine Sportveranstaltung

Jetzt, wo das wichtigste geregelt ist, kann das Wochenende eingeläutet werden. Um langsam reinzukommen schaust du dir am besten ein spannendes Handballspiel in der Turnhalle deiner Schule an, wo der SV Dorf1 in einem spannenden Derby gegen den TuS Dorf2 spielt. Für das Spiel interessierst du dich natürlich nicht, aber deine Freundin steht auf den Außenspieler aus der Parallelklasse. Und wenn du Glück hast, gibt es sogar Bier.

 

Ein Beitrag geteilt von Andy (@andieeins) am 19. Jul 2017 um 7:48 Uhr

Schritt 3: Such dir einen gemütlichen Platz zum Chillen

Nach dem Bier ist vor dem Korn – und so ein schmackhafter Cola-Korn schreit natürlich nach einer angemessenen Umgebung. Im besten Fall kennst du jemanden mit einem ranzigen Partykeller und Eltern, denen es egal ist, wenn ein Haufen 15-jähriger in ihrem Heim besoffen Atomic Kitten mitbrüllt. Falls nicht, kannst du dich auch einfach vor einen Supermarkt chillen. Oder auf einen Spielplatz. Oder vor die Sparkasse. Das findest du asi? ¯\_(ツ)_/¯

 

Ein Beitrag geteilt von Juls (@j97chris) am 14. Nov 2015 um 12:38 Uhr

Schritt 4: Besuche ein cooles Dorffest

Wenn dein Korn alle ist und die Eltern des Partykeller-Freundes langsam ins Bett wollen, ist es Zeit weiterzuziehen. Im besten Fall gibt es in irgendeinem Landjugendheim zwei Dörfer weiter eine Flatrate-Party, wo du deiner Cola-Korn-Liebe weiter frönen kannst und zu den besten Hits von Tim Toupet so richtig abgehen kannst. Aber pass auf, dass du nicht auf irgendwelcher Kotze ausrutscht!

Schritt 5: Fahr mit dem Fahrrad nach Hause, ohne in den Graben zu fallen

Busse gibt es nicht, Taxi kannst du dir nicht leisten und deine Mama will dich nicht abholen. Zum Abschluss deines Abends gibt es deshalb nochmal eine coole Challenge: Fahr mit dem Fahrrad nach Hause, ohne in den Graben zu fallen, durch Hundehaufen zu fahren oder eine Schnapsleiche zu rammen. Um das alles etwas leichter zu machen, wartest du am besten, bis es wieder hell ist. Wenn du Lust hast, kannst du auf dem Weg kurz Halt machen und im Sonnenaufgang durch ein leuchtendes Rapsfeld laufen. Um dich noch ein letztes Mal wie bei Astrid Lindgren zu fühlen.

 

Ein Beitrag geteilt von K H (@hanselmama) am 19. Jul 2017 um 0:42 Uhr