Rheinliebe

Das Viertel, das niemals schläft

Rheinliebe: Das Viertel, das niemals schläft Rheinliebe: Das Viertel, das niemals schläft Foto: Andreas Endermann
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Die Düsseldorfer Altstadt ist seit jeher Anziehungspunkt für Nachtschwärmer aus der ganzen Region.

Es muss genau so gewesen sein. Bevor der Autor John von Düffel den ersten Satz seines Romans "Vom Wasser" schrieb, muss er am Rhein gewesen sein. Denn in diesem ersten Satz steckt alles über Düsseldorf, seine Altstadt und seinen Fluss: "Wir kehren immer wieder zum Wasser zurück", lautet er.

Die Düsseldorfer Altstadt scheint auf den ersten Blick gar nicht so eng mit dem Rhein verbunden zu sein. Die Beziehung ist erst einmal nur historischer Natur. Dort, wo heute der Burgplatz liegt, siedelten aus sehr nachvollziehbaren Gründen die ersten 300, 400 Düsseldorfer, die 1288 nach der Schlacht von Worringen die Stadtrechte erhielten. Von dort wuchs das Dorf/die Stadt in ihre heutige Ausdehnung, beinah ein Stückchen weg vom Wasser.

 

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Ein von TONIGHT.de (@tonightde) gepostetes Foto am 3. Aug 2015 um 7:44 Uhr

Der Verdacht wird in der Gegenwart zunächst vertieft, denn die Voraussetzungen für das pralle Düsseldorfer Leben sind dort nicht ideal. Es stehen zwar Biertische und -bänke direkt am Wasser, dort sitzen allerdings vor allem die Besucher der Stadt. Die Besitzer und Pächter der Gastronomie in der Reihe dahinter wechseln regelmäßig, so richtig einträglich scheint das Geschäft auch dort nicht zu sein. Mit den Lokalen beginnen die breiten Gebäudefronten und schmalen Gassen, die die Altstadt und den Rhein hart, aber herzlich trennen.

Damit wären wir wieder bei John von Düffel. Denn trotz all dieser Hindernisse kehren die Düsseldorfer immer zum Wasser zurück. Mitte des 20. Jahrhunderts waren sie am Rhein in der Altstadt mit allen möglichen Gefährten unterwegs, die ihnen die Moderne so beschert hatte, Straßenbahnen fuhren über den Burgplatz, am Ufer führte eine vierspurige Straße von einer Brücke zur nächsten. Mitte der 70er wurde die Altstadt zur Fußgängerzone, Anfang der 90er verschwanden die Autos in einem Tunnel, so dass Platz wurde für eine Uferpromenade.

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Dagegen hatten die Landeshauptstädter erst heftig gemeckert, heute gilt sie völlig zu Recht als Jahrhundertbauwerk. Und da war der Düsseldorfer dann wieder am Wasser und beim schönsten Anblick der Stadt. Vor dem Burgplatz hängt wie ein mächtiges Gemälde der Himmel über Düsseldorf, davor strömt der Rhein extra nah an seinen Bewunderern vorbei. Alle zwei Meter sitzt ein Paar auf der Kante der Ufermauer. Zwei Menschen, eine Pizza, zwei Hände, ein Griff, zwei Münder, ein Ziel.

Die Faszination für das Viertel, das niemals schläft, ist in den vergangenen Jahren offensichtlich gewachsen.

In der Altstadt sind neue Wohnquartiere entstanden. Die Neu- und die Wieder-Düsseldorfer schätzen die Altstadt (zumindest bei Doppelverglasung) als Umfeld, das schwer zu toppen ist, als Viertel, in dem Perlen noch Perlen und keine Massenfabrikate sind. Zwischen fünf Turbo-Pizzerien liegt das eine Feinschmecker-Restaurant, zwischen vielen Filialen von Modeketten das Lieblingsgeschäft.

Die Wege am Rhein sind immer noch vor allem Verbindungen, in die Stadtteile oder zu den Brücken. Die Menschen legen sie inzwischen aber auf die gediegensten Weisen zurück: spazierend (in aller aller Regel mindestens zu zweit) oder mit dem Fahrrad, beides zu wirklich jeder Tages- und Nachtzeit.

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Der feine Abstand zwischen Rhein und Altstadt ist genau der, den Düsseldorfer im Leben so mögen. Sie sind mittendrin oder nur dabei, ganz nach Wunsch und Lage. Mal sitzen sie mitten auf der Freitreppe zwischen Musikern, Trinkern, Dichtern, Pöblern, mal nehmen sie sich eine Stufe an einer der Ecken, schauen aufs Wasser und machen das Rauschen zu ihrem Rock'n'Roll. Mal feiern sie vorneweg, mal stehen und staunen sie über die Dinge, die das Leben so vorüberschickt.

Morgens sehen sie den Mann im dunkelblauen Anzug samt Einstecktuch, der den Eindruck nicht verbergen kann, dass er darin geschlafen hat. Während er den Heimweg sucht und einschlägt, tauchen mittags diejenigen auf, die vom guten Ruf der Klamotten- und Schuhgeschäfte der Altstadt gehört, diesen bestätigt gefunden haben und jetzt mal dringend die Füße schonen müssen.

Am Abend werden aus Steh- langsam Drauf-Lehn-Tische und dazwischen regiert dann auch mal die Landjugend aus mehrere Stunden entfernten Orten. Sie nimmt sich sehr viel vor und hält jenseits der Kondition herzerweichend an ihren Hoffnungen fest.

In der Düsseldorfer Altstadt geht es nie um Sehen oder Gesehen werden. Es geht um Noch-Sehen-Können und Einsehen zum Schluss.

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Quelle: RP