Meisterin des Charleston

Charleston lernen bei Miss Mephi in Bilk

Meisterin des Charleston: Charleston lernen bei Miss Mephi in Bilk Meisterin des Charleston: Charleston lernen bei Miss Mephi in Bilk Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
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Durch „Der große Gatsby“ und „Babylon Berlin“ liegt der 1920er-Kulttanz Charleston seit einigen Jahren wieder im Trend. Bei Miss Mephi in Bilk können Interessierte den Tanz lernen, dessen Charakter zwischen Work-out und Anrüchigkeit liegt.

Versteckt in einem Bilker Hinterhof führt eine kleine Treppe in einen dunklen Kellergang. An dessen Ende wartet ­– wie ein geheimer Treffpunkt – ein kleines und unscheinbares Tanzstudio. Und Miss Mephi, Meisterin des Charleston. Seit vielen Jahren unterrichtet sie den Kult-Tanz der 1920er Jahre. Während ihre Kurse anfangs noch Nischenveranstaltungen waren, ist der Andrang durch Filme und Serien wie „Der große Gatsby“ oder „Babylon Berlin“ größer geworden. Nicht zuletzt weil es außer ihr nur wenige Tanzlehrer für Charleston in der Region gibt.

Ihre Vorliebe für die 1920er Jahre entwickelte sich bereits in ihrer Kindheit. Damals war Miss Mephi fasziniert von dem Gemälde „Großstadt“ des Künstlers Otto Dix, das eine Szene aus dem Nachtleben der Epoche abbildet. Die Liebe zum Tanz kam jedoch erst viele Jahre später. Über Bauchtanz, den die gelernte Gymnastiklehrerin unter dem Pseudonym Mephista ebenfalls unterrichtet, kam sie schließlich zum Charleston. Letzterer ist in ihren Augen jedoch nicht bloß ein Tanz: „Es geht auch um ein Lebensgefühl.“

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Der Tanz als Lebensgefühl und das Training als Workout

Denn der in der gleichnamigen US-amerikanischen Stadt entstandene Tanz verbreitete sich ab 1923 auf der gesamten Welt und gilt als ein Sinnbild der Goldenen Zwanziger. Durch seine ausgelassenen Bewegungen war er insbesondere in Europa eine symbolische Befreiung von den mit vielen Entbehrungen verbundenen Kriegsjahren, in denen unter anderem im Deutschen Reich auch ein Tanzverbot herrschte. „Man durfte endlich ausgelassen feiern und so auch die Probleme des Alltags kurz vergessen“, sagt Miss Mephi. Schließlich war das Jahrzehnt nicht für jeden so golden, wie es in Filmen und Serien oft den Anschein hat. Viele Menschen litten unter Armut, sodass der Charleston für sie ein Ventil war. Da die damalige Gesellschaft jedoch derartig ausgelassene Bewegungen – insbesondere von Frauen – nicht gewohnt war. So hatte der Tanz eine unsittliche und provokante Note und galt als Gegenentwurf zu den bis dahin üblichen steifen Tanzbewegungen im Korsett.

Seinen provokanten Charakter hat der Tanz mittlerweile verloren. „Charleston bedeutet heute vor allem Spaß“, sagt Miss Mephi. Und offenbar auch ein gutes Workout. „Nach den Tanzstunden sind viele außer Atem.“ Denn beim Charleston kommt der gesamte Körper zum Einsatz, Arme und Beine bewegen sich isoliert voneinander. Deshalb wird er in Mephis Tanzstudio auch nicht im 20er-Jahre-Outfit, sondern in ganz normaler Sportbekleidung getanzt. Die Musik ist dagegen die originale von damals. Ein weiterer Grund für das große Interesse ist, dass sich Charleston ohne Partner tanzen lässt. „Zudem trauen sich auch viele in mein Tanzstudio, die sonst wenig mit Tanzen am Hut haben.“ Das liegt daran, dass die Grundschritte relativ schnell und leicht zu erlernen sind.

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Seltene Gelegenheiten

Einziger Wermutstropfen für Miss Mephi und ihre Tanzschüler ist, dass es relativ wenige Möglichkeiten gibt, den Charleston abseits ihres Studios zu tanzen. Hin und wieder gebe es mal eine Elektro-Swingparty in Düsseldorf, ansonsten sei aber die zweimal pro Jahr in Köln stattfindende 20er-Mottoparty „Bohème Sauvage“ die einzige Chance für eine tänzerische Zeitreise. Doch dabei sei der Andrang entsprechend sehr groß. „Dort ist dann meist nicht genug Platz, um ausgelassen Charleston zu tanzen.“ Dafür sind es aber gute Anlässe, um einmal in ein authentisches Kostüm schlüpfen. 30 bis 60 Minuten braucht Miss Mephi, um sich mit Wasserwellen in den Haaren, Make-up und dem passenden Kleid in eine Tänzerin aus den Goldenen Zwanzigern zu verwandeln. Ansonsten bleibt immer noch das Tanzstudio von Miss Mephi, um einmal in die anrüchige Welt von vor knapp 100 Jahren einzutauchen.

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Infos zur Anmeldung

Wer sich einmal an dem Kulttanz versuchen möchte, kann das in einer der regelmäßig am Wochenende stattfindenden Schnupperstunden für 40 Euro tun. Reguläre Seminare kosten pro Einheit 15 Euro.

Weitere Infos, Termine und Anmeldung unter www.charleston-duesseldorf.de.

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Quelle: RP