Chorizo-Sandwich und wechselnder Mittagstisch

Von der Idee zum eigenen Food-Truck: Anne von "Lunĉo" im Interview

Chorizo-Sandwich und wechselnder Mittagstisch: Von der Idee zum eigenen Food-Truck: Anne von "Lunĉo" im Interview Chorizo-Sandwich und wechselnder Mittagstisch: Von der Idee zum eigenen Food-Truck: Anne von "Lunĉo" im Interview Foto: TONIGHT.de/Idajet Bogdani

Lunco im boui boui bilk beim good food festival (image/jpeg) Lunĉo war auch beim Good Food Festival im Boui Boui Bild mit dabei. Street Food-Festivals sind wahrlich in aller Munde und schießen wie Pilze aus dem Boden. Jeder will teilhaben an dem Trend der Stunde. Anne Gromov und ihr Mann sind schon seit einem Jahr dabei und haben mit ihrem Food-Truck "Lunĉo" einen Traum verwirklicht. Markus Eirund, Gastronomieberater und Trendscout von der Gastroberatungsgesellschaft Eirund-Consulting, stellte den Kontakt zu uns her.

Im Interview mit TONIGHT.de erzählt euch Anne ausführlich davon, wie es ist, seinen Job hinzuschmeißen, um mit 40 Jahren und drei Kindern nochmal ganz neu anzufangen, wie viel Arbeit so ein Truck wirklich bedeutet und wie es in der Branche so abläuft. Lesebrille auspacken, Füße hochlegen und los geht's...

Momentan boomen mobile Straßenküchen. Als ihr erste Pläne dazu hattet, war der Erfolg des "Street Foods" in Düsseldorf nicht abzusehen. Wieso habt ihr es trotzdem gewagt?

Interview mit Gastro-Experte Markus Eirund: "Gastronomen fehlt oft Know-how und Zeit!" Interview mit Gastro-Experte Markus Eirund "Gastronomen fehlt oft Know-how und Zeit!" Zum Artikel » Nein, den Boom konnte man überhaupt nicht absehen. Es begann alles durch einen Freund, der vorübergehend in London lebte und auf dem Borough Market ein Sandwich mit einer Chorizo Wurst entdeckte. Er war so begeistert, dass er die Idee, diese auch in Düsseldorf anzubieten mitbrachte. Anschließend fragte er meinen Mann und einen weiteren engen Freund, ob sie mitmachen wollen. Schon bald fanden sie einen Metzger in Flingern, der Spaß an Neuem hatte. Er kreierte mit den drei Jungs in einigen Versuchen eben genau die Chorizo, die wir heute noch für unser Chorizo-Sandwich benutzen.

Interview mit Gastro-Experte Markus Eirund: Food-Trucks, TV-Köche in Düsseldorf und Gastronomie-Jobs Interview mit Gastro-Experte Markus Eirund Food-Trucks, TV-Köche in Düsseldorf und Gastronomie-Jobs Zum Artikel » Nach einem finalen Probegrillen war es dann so weit und der improvisierte, aber sehr schöne, Stand wurde auf dem Flingeraner Wochenmarkt aufgebaut. Die Resonanz auf das Chorizo-Sandwich war wirklich gut und die Jungs hatten großen Spaß! Dieser Stand wurde etwa sechsmal auf- und abgebaut – bis wir alle merkten, dass es ein Wochenend-Fulltime-Job war. Alles herichten, dann wieder alles abbauen und säubern. Und das neben den normalen Jobs unter der Woche. Kurz darauf veränderte sich allerdings die berufliche Situation meines Mannes so, dass wir überlegten, ob wir es nicht endlich einmal wagen sollten, uns damit gemeinsam selbständig zu machen.

lunco anne streetfoosd (image/jpeg) Anne ist happy über den Erfolg von Lunĉo.

Es war aufregend mit 40 Jahen nochmal was Neues, komplett anderes auszuprobieren. Außerdem wollte ich seit Jahren gerne mal unsere Talente bündeln, um gemeinsam etwas zu schaffen. Die Freude am Verkaufstand auf dem Markt in Flingern war so groß, dass vor allem mein Mann etwas machen wollte, woran er wirklich Freude hat. Nachdem wir beschlossen haben, miteinander zu arbeiten (was ja auch ein Wagnis sein kann...), nun doch auch einen ordentlichen Betrag in die Hand zu nehmen und in unser kleines Unternehmen zu investieren, ging es an die Arbeit. Und das alles mit drei Kindern, wovon zwei noch wirklich klein sind, im Hintergrund. Es war alles sehr spannend!

Schnell wurde klar, dass wir einen Wagen brauchten, um die sehr aufwendige Arbeit des Aufbaus nicht mehr zu haben. Außerdem wollten wir einen reinen Mittagstisch in Bürokomplexen in und um Düsseldorf anbieten. Es sollten zwei wechselnd warme Gerichte angeboten werden, dazu eine Currywurst mit selbstgemachter Currysauce, frische Salate, Desserts und Getränke. Und genauso machen wir es bis heute. Der Schwerpunkt liegt auf saisonalen, regionalen und vor allem auf selbstgemachten Produkten.

So kam ein Steinchen zum anderen: der Businessplan, die Planung des Wagens, Website, Standortsuche, Betriebsstättensuche und -ausbau, die Detailierung des Angebots, die Erfüllung aller offiziellen Anforderungen an mich, als Unternehmerin, an die Betriebsstätte und so weiter…

Und dann war es zum Mai letzten Jahres soweit: der Wagen war nach unseren Wünschen bebaut, alle Freunde und Familie waren zum Testessen eingeladen und wir legten los! Was für ein Chaos! Was von allen einstimmig positiv bewertet wurde, war das Essen. Alles andere wie Schnelligkeit im Arbeitsablauf oder Bedienung der Geräte waren noch sehr verbesserungswürdig...

Good Food Festival | Samstag, 16. Mai 2015 Good Food Festival | Samstag, 16. Mai 2015 Good Food Festival | Samstag, 16. Mai 2015 Good Food Festival // Sa 16.05.15 Boui Boui Bilk 98 Fotos Street Food Thursday  | Donnerstag, 7. Mai 2015 Street Food Thursday  | Donnerstag, 7. Mai 2015 Street Food Thursday  | Donnerstag, 7. Mai 2015 Street Food Thursday // Do 07.05.15 Stahlwerk 113 Fotos Street Food Festival | Sonntag, 3. Mai 2015 Street Food Festival | Sonntag, 3. Mai 2015 Street Food Festival | Sonntag, 3. Mai 2015 Street Food Festival // So 03.05.15 Stahlwerk 146 Fotos

Ist das nun ein Fulltime-Job?

Oh ja, es ist ein Fulltime Job! Mittlerweile ist mein Mann wieder in seinen alten Beruf zurückgekehrt. Es wurde relativ schnell klar, dass das Lunĉo-Einkommen noch lange nicht für den Unterhalt einer fünfköpfigen Familie reichen würde. Diese Option war immer in unserem Plan enthalten, da wir mit Anfang/Mitte 40 nicht blauäugig sind und ein solches Wagnis eingehen, ohne die Familie abgesichert zu haben. Mittlerweile arbeite ich mit nur einem Mitarbeiter, der den Verkauf macht. Alles andere mache ich allein. Damit bin ich gut 40 bis 50 Stunden die Woche ausgelastet. Vor allem, wenn am Wochenende noch irgendwelche Events anstehen.

Was hast du vorher gemacht?

Gelernt habe ich vor sehr vielen Jahren bei der Bank. Dort blieb ich aber nur ein Jahr nach der abgeschlossenen Ausbildung und ging dann für insgesamt vier Jahre ins Ausland. Dort arbeitete ich als Hotelfotografin, als Concierge im Frontoffice-Bereich eines 5-Sterne-Hotels in Almaty/Kasachstan, in einer kasachischen Modefirma und später dann in der Türkei selbständig in einem eigenen kleinen Laden.

Als ich zurück nach Deutschland kam, begann ich als Tagesmutter und baute dies zu einer kleinen privaten Kita für die Betreuung von Kindern unter drei Jahre aus. Die Kita gab es elf Jahre lang. Mit der Geburt unseres dritten Kindes 2011 gab ich sie dann auf. Danach habe ich mich erst einmal um Kinder und Familie gekümmert, um aber nach etwa acht Monaten für einen Freund in seinem Weinhandel zu arbeiten. Nach einem war dann dort ebenfalls Schluss, da der Weinhandel schließen musste. So war ich wieder frei für Heim und Familie. Tja... und dann kam auch schon Lunĉo!

lunco (image/jpeg) Immer heiß begehrt: Die Chorizo-Sandwiches am Lunĉo-Truck.

Hattet ihr auch Angst in einer fremden Branche einzusteigen?

Wie ihr schon an meinem bisherigen Lebenslauf sehen könnt, habe ich keine Angst mich in einer fremden Branche selbständig zu machen. Ich bin im Grunde seit 1997 immer selbständig gewesen und dies immer in mir ausbildungsfremden Berufen. Ich hatte dabei schon immer genug Vertrauen in meinen Mann und mich.

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Was waren die größten Hürden bevor der Wagen rollte?

Die größten Hürden waren das Akquirieren von Standplätzen und die Erfüllung aller Auflagen der Ämter, wie Bauamt, Stadtentwässerungsamt und Verbraucherschutzamt. Da man in Düsseldorf nicht einfach auf öffentlichem Gelände stehen darf, um sein Mittagessen zu verkaufen - ganz im Gegenteil zu New York zum Beispiel - muss man immer eine Kooperation mit einer Firma eingehen, auf deren Privatgrundstück man dann stehen darf. Zu den Anfangszeiten, wo Street Food noch sehr unbekannt war, war dies sehr schwierig. Erstens hatte mein Anliegen immer "Priorität 150" für die Leute in den Firmen und zweitens mussten die Entscheidungsträger mühsam überzeugt werden, dass wir keinen Dreck, Ärger, Krach oder ähnliches machen und ihren Mitarbeitern eher etwas Gutes tun.

Das Einrichten der Betriebsstätte hat uns wirklich Kraft, Nerven und vor allem sehr viel Geld gekostet. Da mussten wir uns mühsam durcharbeiten, bis wir nun endlich eine den Anforderungen entsprechende Räumlichkeit geschaffen haben. An dieser Stelle möchte ich meinem Vermieter danken, der so geduldig diesen ganzen Wahnsinn mitgemacht hat!

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Wer arbeitet alles bei Lunĉo und wie sieht die Aufgabenteilung aus?

Das operative Geschäft liegt bei mir und meinem wunderbaren Mitarbeiter Mike, der mir im Verkauf hilft. Alles was mit Steuer, Website, Facebook und Werbung zu tun hat macht mein Mann. Angebote für Events, Terminplanung und Auswahl von Events machen wir gemeinsam. Das war es auch schon an Leuten…

Wie sucht ihr eure Standorte und Food Festivals aus?

Unsere Standorte in der Woche haben wir mit sehr viel Geduld, Beharrlichkeit und Klinkenputzen akquiriert. Im Moment suchen wir keine neuen Standplätze, doch bin ich mir sicher, dass es heute sehr viel einfacher wäre welche zu finden. Nun wissen alle, was Street Food ist und wie sehr die Leute darauf stehen.

In Bezug auf Festivals und Events haben wir das große Glück, dass wir gesucht und gefunden werden. Wir haben im Moment so viele Anfragen, dass wir sie nicht mehr alle annehmen können. Wir sind nun bis September fast jedes Wochenende gebucht. Wegen der Kinder können und wollen wir nicht noch mehr machen, da für uns immer klar ist, welche Priorität wir im Leben setzen…

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Wie sehen eure Träume aus? Kann es einfach so weitergehen, sind weitere Lunĉo-Wagen geplant oder vielleicht sogar ein fester Standort?

Wir haben gerade mal unsere erstes Jahr hinter uns und können erst jetzt ein paar kleine Früchte unserer vielen Arbeit ernten. Lunĉo ist stabil aufgestellt, hat gute Zahlen und hinten einen akzeptablen Output - für eine so kurze Zeit!

Doch in Anbetracht der vielen Stunden, die wir jetzt schon mit Lunĉo verbringen, der doch immer wieder sehr kraftraubenden körperlichen Arbeit und des immer gegen die Zeit arbeiten, kann ich mir im Moment keinen weiteren Wagen oder gar ein Restaurant vorstellen. Ich denke, dass so eine Idee mit unserer Familienkonstellation auch ziemlich gewagt wäre.

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Mein Traum bezüglich Lunĉo wäre eine Kooperation mit einem etablierten Gastronomiebetrieb oder Catering, der die Infrastruktur, wie Servicekräfte und Küche sowieso schon hat und gerne Streetfood in sein Geschäft integrieren würde. Es wäre traumhaft aus der momentanen „Eine-Frau-Show“ aus kochen, vorbereiten, abverkaufen und reinigen in eine etwas kräfteschonendere Zusammenarbeit mit anderen zu kommen, ohne Lunĉo komplett aufgeben zu müssen. Lunĉo hat ein gutes Konzept, füllt mit den wechselnden Gerichten eine eigene Nische, kann auf Events mit unserer Spezialität Chorizo-Sandwich und anderen eventgeeigneten Gerichten überzeugen.

Was wollt ihr unseren Lesern noch mit auf den Weg geben, die vielleicht einen ähnlichen Traum haben?

Es ist ein Traum, dem es sich lohnt nachzugehen. Es bringt viel Freude, Kreativität, eine gute Gemeinschaft unter den Steetfoodlern und das gute Gefühl für sich selber zu wirtschaften. Dem gegenüber steht allerding voller Einsatz - denn ohne geht es nicht! Aber wer gibt nicht seinen vollen Einsatz für einen Traum...

°°°Lunĉo's Chorizo Sandwich°°°Heute wieder auf dem Street Food Festival im Düsseldorfer Stahlwerk.Wir freuen uns auf Euch!

Posted by Lunĉo on Sonntag, 3. Mai 2015