Edelrestaurant in Düsseldorf

Victorian – das Ende einer Ära

Edelrestaurant in Düsseldorf: Victorian – das Ende einer Ära Edelrestaurant in Düsseldorf: Victorian – das Ende einer Ära Foto: Christoph Schröter

Das Edelrestaurant war ein Promi-Treff. Jetzt steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür.

Für Feinschmecker und Prominente gleichermaßen war das „Victorian“ eine der besten Adressen der Stadt. Hier galt es, zu sehen und gesehen zu werden und im Sterne-Restaurant genussvoll zu dinieren.

Doch damit ist nun endgültig Schluss. Jetzt droht dem derzeitigen Inhaber die Zwangsräumung. Denn seit Monaten ist das Restaurant geschlossen und schwarz verhängt. Im Kasten, in dem normalerweise die Speisekarte hängt, liegt ein Brief vom Gerichtsvollzieher, datiert vom 29. Januar. Doch es regt sich nichts.
„Das ist beschämend, dass so die Geschichte des Hauses zu Ende geht“, sagt Günter Scherrer. Der heute 78-Jährige hat aus dem Victorian das gemacht, was es bis vor gut vier Jahren war: einen Gourmettempel, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war.

Von 1984 bis 2001 war er Küchenchef im Victorian, prägte das Haus wie kein anderer. Eigentümer der Immobilie war damals die König Pilsener Brauerei, oder besser: Inhaber Leo König. Der Seniorchef der Brauerei, von allen respektvoll Dr. König genannt, hatte Scherrer abgeworben. Der hatte zuvor im Hilton gearbeitet und dort schon einen Michelin-Stern gehabt. Als er 1984 an die Königstraße wechselte, erkochte er noch im selben Jahr den Stern fürs Victorian, den alle seine Nachfolger ebenfalls holten.

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Scherrer war begeistert von dem außergewöhnlichen Konzept für das Victorian: Im ersten Stock das Sternerestaurant mit 40 Plätzen, darüber zwei Séparées, im Parterre das Bistro (rund 100 Plätze) mit Bar. Für 4,5 Millionen Mark hatte die König Brauerei das Gebäude damals umbauen lassen – „von Franjo Pooth senior“, wie Günter Scherrer berichtet. Er war das Gesicht des Victorian, eine Institution und der perfekte Gastgeber. Und alle, die bei ihm gelernt oder gearbeitet haben, sprechen heute noch respektvoll von ihm. Zwei-Sterne-Koch Berthold Bühler war sein Souschef, Sascha Stemberg hat bei ihm gelernt. Frühere Mitarbeiter an Herd und Kochlöffel waren Holger Berens und Drei-Sterne-Koch Claus-Peter Lump (Barreis).

Ein besonderer Platz war Tisch 9 

Vorbei sind die Zeiten, in denen die ins Victorian kamen, die sich einmal einen besonderen Abend gönnen wollten. Und vorbei die Zeiten, in denen es die 1-a-Prominenz ins Nobelrestaurant zog, möglichst an Tisch 9, den schönsten Platz im Restaurant. Dort saß jeden ersten Donnerstag im Monat Krupp-Magnat Berthold Beitz. Selbst als er schon über 90 war, kam er, und er saß immer am selben Tisch, wie Michael Noack, ehemaliger Restaurantleiter und ebenfalls eine Institution im Victorian, sagt. Mehrfach traf sich Krupp-Lenker Beitz mit seinem einstigen Rivalen Günter Vogelsang von Thyssen. An Tisch 9 besiegelten die beiden mächtigen Konzernchefs den Zusammenschluss ihrer Unternehmen. „Per Handschlag“, wie sich Michael Noack erinnert – und bei Kaviar und Champagner.

Gabriele Henkel saß regelmäßig an Tisch 9 und trank ihre Cola, während ihr Gegenüber, Udo Lindenberg, am Eierlikörchen nippte. Walter Scheel war ein gerngesehener Gast. Ob Herbert Wehner, Johannes Rau oder Helmut Kohl, die Liste der Politiker-Riege ist lang. Die Kanzlerin besuchte 2011 Düsseldorf. Und wo ging sie essen? Im Victorian. Peter Ustinov bevorzugte Tisch 7, Gianni Versace kam vorbei und Modezar Albert Eickhoff war Stammgast. Die Liste der Prominenz ist lang.

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Es waren wunderbare Zeiten, da sind Scherrer und Noack einig. Doch der Glanz ist vorbei. „Man hat vergessen, den Schalter umzudrehen. Das Konzept hätte für die Zukunft überdacht werden müssen“, sagt Volker Drkosch, der vorletzte Patron des Edelrestaurants. Er arbeite nach Scherrer am längsten an der Königstraße (2009 bis 2014).

Danach erkochte Matthias Heim noch mal einen Stern und dann war Schluss mit dem Gourmettempel. Der damalige Pächter änderte das Konzept, und vom Glanz der Sterneküche blieb nichts mehr übrig. Es gab einen weiteren Pächterwechsel, und mit dem Gastronomen Ali Erdogan, der auch Restaurants an der Kö besitzt, wurde nach mehrmonatiger Schließung und Umbauarbeiten aus dem ehemaligen Feinschmecker-Lokal vergangenes Jahr für kurze Zeit ein ganz normaler Italiener.

Und jetzt also das endgültige Aus. Gerüchten zufolge soll statt des Restaurants künftig an der Königstraße eine Edelboutique kommen. Doch da ist nichts dran. Eigentümerin der Immobile ist die Duisburger Immobilienfirma Interrex. Deren Geschäftsführer Georg de Witt erklärte gegenüber unserer Redaktion. „Es gibt keine konkreten Pläne.“ Oberstes Ziel sei es, in das Gebäude hinein und an den Besitz zu kommen – beispielsweise an die hochwertige Küche.

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Quelle: RP