Klanginstallation an einem ungewöhnlichen Ort

"Tracks United" - Wogende Klangwellen im U-Bahnhof

Klanginstallation an einem ungewöhnlichen Ort: "Tracks United" - Wogende Klangwellen im U-Bahnhof Klanginstallation an einem ungewöhnlichen Ort: "Tracks United" - Wogende Klangwellen im U-Bahnhof Foto: Ingo Lammert
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Im U-Bahnhof-Aufgang Corneliusplatz schallt derzeit eine Klanginstallation von Waltraud Blischke aus 48 Lautsprechern. Ein Hörtest vor Ort.

Waltraud Blischke geht im "Auditorium" umher, bleibt stehen und prüft, wie ihre Klanginstallation im Raum wirkt. „Gut dass es nicht regnet, dann hätten wir hier eine viel härtere Akustik“, sagt sie. Was zunächst nach einem Soundcheck in einem modernen Kunst-Tempel aus Glas und Stahl wirkt, findet in Wirklichkeit an einem viel prosaischeren Ort statt: Blischke, steht im U-Bahnhof-Aufgang „Corneliusplatz/Königsallee“, der mit seinen glänzenden Wandkacheln und dem weißen Licht tatsächlich eher etwas von einer Galerie hat.

Hier erklingt zurzeit ihr experimentelles DJ-Set „Tracks United“ aus 48 Lautsprechern, die in der Decke verbaut sind und einzeln angesteuert werden können. Dadurch wird die Soundinstallation zu einer dynamischen Klangskulptur: Die elektronisch verfremdeten Geräusche und Silbenfetzen scheinen durch den Raum zu mäandern. Läuft man durch den Gang oder fährt mit der Rolltreppe zum Gleis, schwimmt man auf der Klangwelle oder wird von ihr überwältigt.

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„Hören, woraus die Welt besteht“, das ist der Anspruch von Waltraud Blischke, die Dozentin für Schreiben/Sprechen über Klang an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf ist. Auch bei diesem Projekt hat sie ganz genau in den Raum hineingehorcht: „Jeder Raum hat einen besonderen Eigenklang, den man frei Haus mitgeliefert bekommt.“ 

Genauso minimalistisch ist auch der Ursprung ihres Kunstwerks. Begonnen hat sie mit vier Grundtönen, auf denen sie ihre Improvisationen aufbaute. Textfragmente, das Klicken eines Feuerzeuges – solche Elemente bearbeitete die Musikdozentin und entwickelte daraus einen mehrstündigen „Phantasie-Laut-Text“. Diesen zerschnitt sie in einzelne Tonspuren. „Diese Teile sind wie bei einem Zauberwürfel miteinander kombinierbar“, erklärt die Künstlerin die Idee von „Tracks United“. 24 Stunden dauert es, bis die Soundinstallation einmal durchgelaufen ist. Für jeden Loop setzt ein Computer die Tonspuren zu einem neuen Kunstwerk zusammen – den Bahnfahrern bietet sich also stets ein neues Kunstwerk.

Das „Auditorium“ ist einer von drei Zugängen zum Bahnhof Heinrich-Heine-Allee, die beim Bau der Wehrhahn-Linie von Künstlern, Ingenieuren und Architekten gestaltet wurden. In sechs Bahnhöfen von der Station Kirchplatz bis zur Haltestelle Pempelforter Straße ist auf diese Weise Kunst zu einem festen Bestandteil der Architektur geworden. Das erkennt man auch beim Gang durch das „Auditorium“. Seine Besonderheit besteht in der klangoptimierenden Wandgestaltung. Die geometrische Hügellandschaft auf den Kacheln ist so angelegt, dass möglichst viele Schallwellen gebrochen werden. „Dadurch minimieren wir den Hall“, sagt der Düsseldorfer Konzeptkünstler Ralf Brög, der die U-Bahn-Zugänge an der Heinrich-Heine-Allee gestaltet hat und nun „bespielt“.

Blischkes „Tracks United“ erklingt noch bis zum 24. März im Auditorium. Danach werden Soundinstallationen anderer Klangkünstler folgen.

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Quelle: RP