Interview mit den Chefs der Rheinkirmes

"Die Stadt kommt gar nicht mehr zur Ruhe"

Interview mit den Chefs der Rheinkirmes: "Die Stadt kommt gar nicht mehr zur Ruhe" Interview mit den Chefs der Rheinkirmes: "Die Stadt kommt gar nicht mehr zur Ruhe" Foto: Andreas Endermann
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Im Interview verraten Lothar Inden und Thomas König die neuesten Attraktionen des größten Volksfests am Rhein.

Fast hätte Ed Sheeran im Juli in Düsseldorf gespielt – auf dem Parkplatz, der dann traditionell für die Kirmesbesucher gebraucht wird. Die Kirmes-Veranstalter sind also nicht böse über die Absage und machen sich so ihre Gedanken über die Veranstaltungstermine der Stadt.

Herr Inden und Herr König, Sie sind beide Kirmes-Routiniers. Worauf freuen Sie sich besonders?

Lothar Inden Ich bin ja nur ein großer Bewunderer der Fahrgeschäfte, ich habe beschlossen, sie nicht mehr auszuprobieren. Wenn ich so eine Überschlagschaukel benutzen würde, wäre die ganze Woche für mich gelaufen. Ich freue mich also vor allem auf eine friedliche Kirmes mit hoffentlich hoher Besucherzahl und zufriedenen Schaustellern.

Thomas König Ich freue mich immer auf den Blick von den Rheinbrücken oder der Altstadt auf den Kirmesplatz. Wenn abends der Himmel tiefblau ist und die Lichter blinken, ist dieses Panorama einfach genial.

Rheinkirmes-Chefs Lothar Inden und Thomas König (image/jpeg) Lothar Inden und Thomas König im Interview mit RP-Redakteur Arne Lieb.

Eigentlich hätte am letzten Kirmes-Tag, dem 22. Juli, auch das Ed-Sheeran-Konzert auf dem Messeparkplatz stattfinden sollen. Die Zahl der Großveranstaltungen in Düsseldorf steigt immer weiter. Hat die Kirmes zu viel Konkurrenz?

Inden Wir hätten das Konzert grundsätzlich begrüßt. Aber die Absage hat für uns auch einen positiven Nebeneffekt. Der Messeparkplatz ist auch der für die Kirmesgäste. Die hätten an dem Abend ins Vodafone-Parkhaus gemusst. Ich fand den Termin auch insgesamt nicht gut gewählt. Unsere Kirmes findet zum 117. Mal statt und startet traditionell am dritten Juli-Wochenende. Ich frage mich, warum die Termine nicht besser koordiniert werden. Das gilt übrigens auch für den Karneval: Warum muss man das neue Prinzenpaar gerade jetzt vorstellen? Die Kirmes ist die größte Veranstaltung der Stadt, ich finde gut, wenn sie dann auch die volle Aufmerksamkeit hat.

König Ich habe den Eindruck, dass die Stadt gar nicht mehr zur Ruhe kommt. Die Leute wissen dadurch am Ende nicht mehr, wo sie hingehen sollen. Ich glaube ebenfalls, das muss besser koordiniert werden. Ich stelle auf dem Kirmesplatz ja auch nicht alle großen Attraktionen in eine Ecke, sondern verteile sie.

Stichwort Attraktionen: Gibt es besondere Neuheiten, die Sie als Kirmesarchitekt noch beeindrucken?

König Ja. Wir haben zum Beispiel diesmal mit dem „Chaos Pendel“ eine Weltpremiere. Bei den Geräten mit rasantem Überschlag geht die Entwicklung immer weiter. Dieses hat eine dritte Rotationsebene. Das sind Sachen, wo ich mich frage: Wer hält das aus? Das ist wirklich für Hartgesottene.

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Und es gibt wieder eine zweite Wasserbahn.

König Ja. Da haben wir dem Druck der Besucher nachgegeben. Wir hatten mit der „Wildwasser 3“ für viele Jahre die größte Bahn, aber die ist nicht mehr auf Reisen. Ich fand es gut, danach ein Jahr Pause zu machen. Nun kommt mit „Manitus Spuren“, eine kleinere, aber sehr schöne Bahn erstmals nach Düsseldorf.

Im Vorfeld gab es Ärger wegen des Standplatzes der Brauerei Uerige. War die Versetzung in eine Nebenstraße die Strafe für das unangekündigte Konzert der Toten Hosen im vergangenen Jahr?

König Nein. Es gibt keine Strafversetzungen. Wer sich wirklich etwas zuschulden kommen lässt, fliegt raus. Das ist im übrigen auch kein schlechter Platz. Es ist zwar nicht eine der Hauptstraßen, aber die Haupt-Nebenstraße und direkt neben der „Wilden Maus XXL“, einer Top-Neuheit. Dazu kommt: Der Uerige hat so viel Stammpublikum, den könnte man auch nach Lörick stellen und die Leute würden kommen.

Aber der Spontan-Auftritt der Toten Hosen hat Sie geärgert.

Inden Ja. Denn das hätte zu einer Katastrophe führen können. Was wäre denn gewesen, wenn etwas passiert wäre? Wir als Veranstalter tragen die Verantwortung für die Sicherheit der Besucher. Man hätte das schon besprechen müssen, als das Sicherheitskonzept erstellt wurde und nicht erst am selben Tag ankündigen. Außerdem haben sich viele Schausteller geärgert, weil sie durch den großen Menschenauflauf ihr Geschäft nicht mehr betreiben konnten.

Die Toten Hosen | Mittwoch, 19. Juli 2017 Die Toten Hosen // Mi 19.07.17 Uerige-Zelt (Kirmes) 156 Fotos

Im vergangenen Jahr gab es Beschwerden von einigen Schaustellern, dass die Lkw-Barrieren gegen Terroranschläge so martialisch sind, dass sie die Besucher vertreiben. Sehen Sie das auch so?

König Die Barrieren sínd natürlich nicht schön. Aber die Polizei fordert sie, und dann müssen wir das machen. Es ist auch richtig, dass die Kirmes geschützt wird, das ist inzwischen Standard. Wir nehmen diesmal aber keine Schaustellerfahrzeuge, sondern Betonklötze, wie man sie auch aus der Altstadt kennt. Das sieht neutraler aus. Die Netzgesellschaft der Stadtwerke und das Amt für Verkehrsmanagement unterstützen uns dabei.

Herr Inden, die St. Sebastianus Schützen von 1316 sind der Veranstalter der Kirmes und werden auch wieder durch die Stadt ziehen. Sie haben ihre Termine am ersten Wochenende, unter anderem die Parade über die Reitallee, aber um eine Stunde nach vorne gezogen. Warum?

Inden Das liegt an der Fußball-WM. An dem Wochenende finden das Finale und das Spiel um Platz 3 statt. Wir konnten ja nicht wissen, wie weit die deutsche Mannschaft kommt. Und einen Plan B konnten wir nicht machen, weil wir die Verträge zum Beispiel mit den Musikgruppen unterzeichnen mussten. Deshalb haben wir den Termin zur Sicherheit nach vorne verlegt. Dafür kann man jetzt im Anschluss die Spiele im Festzelt der Schützen schauen, egal, wer sie am Ende austrägt.

Im Schützen-Festzelt findet auch erstmals ein Oktoberfest-Abend statt. Soll das Zelt häufiger für neue Veranstaltungen geöffnet werden?

Inden Warum nicht? Die Sommerwies’n werden gut angenommen. Wir sind offen, wenn jemand eine gute Idee bietet.

Zu trinken gibt es bei den Schützen ab diesem Jahr nicht mehr Diebels, sondern ausgerechnet Füchschen. Dabei waren Sie doch im vergangegen Jahr verärgert über Füchschen-Chef Peter König, als er verkündete, dass er sein Zelt nicht mehr aufstellen will und als Begründung die Terrorgefahr nannte.

Inden Das sind zwei verschiedene Sachen. Ich glaube, Peter König war schlecht beraten, als er diese Aussagen getroffen hat. Aber wir sind nicht nachtragend. Der Vertrag mit Diebels war ausgelaufen, daher haben wir uns einen neuen Partner gesucht und sind froh, dass es das Füchschen geworden ist.

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Quelle: RP