Industrieller Charme

Stadtteil-Check Lierenfeld

Industrieller Charme: Stadtteil-Check Lierenfeld Industrieller Charme: Stadtteil-Check Lierenfeld Foto: Andreas Bretz
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Es ist vor allem die industrielle Geschichte Lierenfelds, die Alteingesessene wie Peter Hammes und Neuzugezogene wie Aziz Dakakni schätzen. Beide wünschen sich ein bisschen mehr Gastronomie.

Sein gesamtes Leben wohnt Peter Hammes am Kempgensweg im Süden von Lierenfeld. „In meiner Kindheit gab es hier 14 Geschäfte“, erinnert er sich. Heute ist nur das Geschäft für Tierbedarf seiner Familie übrig geblieben. Denn der Stadtteil hat sich verändert.

Viele Freunde und Verwandte in der Nachbarschaft

Fragt man den 71-Jährigen, was ihm in Lierenfeld am besten gefällt, kann er nicht wirklich eine Erklärung liefern. Weg will er trotzdem nicht. „Ein Umzug kommt für meine Frau und mich nicht infrage“, sagt er. Das liegt nicht nur an dem familiengeführten Betrieb, sondern vor allem an seinem Umfeld.

Viele seiner Freunde und Bekannten wohnen in seiner Nachbarschaft. Früher kickte man gegeneinander. Alter Kempgensweg gegen neuer Kemgensweg hieß das Duell. Heute trifft man sich auf ein Pläuschchen. „Oft kommen Nachbarn in mein Geschäft und wir trinken zusammen einen Kaffee“, erzählt er. Diese in Jahrzehnten gewachsene Gemeinschaft ist es, was Lierenfeld für Peter Hammes ausmacht.

Abseits der kleinen Begegnungen in seinem Laden gebe es nur wenig Möglichkeiten, in Lierenfeld auszugehen. „Wir haben hier leider nicht viel.“ Einzig das Michaelshaus an der Gatherstraße besuche er hin und wieder, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen. Früher habe es mehr Auswahl gegeben. Auch die Geschäftsvielfalt sei nicht mehr so groß. Aber immerhin gebe es einige Supermärkte in Reichweite. „Das ist ja gerade für ältere Menschen wichtig.“ Gut sei hingegen die Anbindung. Sowohl mit dem Auto als auch mit Bus und Bahn sei man schnell in der Innenstadt.

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Der wohl neuste Bewohner

In Hinblick auf das Stadtbild wünscht sich Peter Hammes mehr Grünflächen in Lierenfeld. Was ihm gut gefällt, ist der industrielle Charme, der durch die Umnutzung alter Fabrikhallen erhalten geblieben sei.

Er ist der wohl neuste Bewohner im Stadtteil, am 1. April ist Aziz Dakakni nach Lierenfeld gezogen. Eine hübsche und vor allem bezahlbare Wohnung hat der 29-Jährige an der Erkrather Straße gefunden, ganz in der Nähe seines Arbeitsplatzes auf dem Factory Campus, wo er neben seiner Ausbildung zum Programmierer in Teilzeit beschäftigt ist.

„Es ist sehr zentral hier und trotzdem ruhig“, findet Dakakni, der mehrere Supermärkte gleich um die Ecke und der eine Vorliebe für alte Industriegebiete hat, die Hallen, die Geschichten dahinter. „Man muss nicht immer alles abreißen und neu bauen“, sagt Dakakni, der an den Factory Campus denkt, der sich wünscht, dass es mehr solcher Projekte gibt in Lierenfeld. „Die alten Fabriken könnten wirklich besser genutzt werden.“

Super ist der Stadtteil angebunden, zumindest an andere Viertel, „innerhalb Lierenfelds ist die Vernetzung nicht so gut“, findet Aziz Dakakni, der auch ein bisschen die Gastronomie vermisst. Außer China-Imbiss und Döner-Bude gebe es nicht viel in seiner Nähe. Für ein nettes Abendessen oder einen Drink mit Freunden muss er schon nach Flingern.

„Lierenfeld wird ein bisschen vernachlässigt“, sagt der 29-Jährige, der 2015 aus Syrien nach Deutschland gekommen ist, als „Flüchtling hoch zwei“, wie er es nennt. Zwar ist Dakakni in Syrien geboren, lebte dort aber als Palästina-Flüchtling. In Lierenfeld fühlt er sich wohl, „hier ist es nicht ganz so anonym“, sagt Dakakni, der vorher in Friedrichstadt gewohnt hat. Schon nach den ersten Tagen hat er seine Nachbarn kennengelernt, „die sind sehr freundlich.“

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Quelle: RP