Café in Düsseldorf-Flingern

Bei Dritan Alsela sind ältere Damen die Stars

Café in Düsseldorf-Flingern: Bei Dritan Alsela sind ältere Damen die Stars Café in Düsseldorf-Flingern: Bei Dritan Alsela sind ältere Damen die Stars Foto: Andreas Bretz
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Der Flingeraner Barista half einer 93-Jährigen aus der Patsche. Selbstverständliche Freundlichkeit – dafür lieben seine Gäste ihn und sein Team.

Ein Samstagnachmittag in Flingern. Eine alte Dame steht im kalten Wind an der Schlüterstraße. Gerade war sie zum Einkaufen im Supermarkt neben der Metro. Gekommen ist sie mit dem Taxi. Jetzt will sie so auch wieder nach Hause fahren – aber es kommt keins. 20 Minuten wartet sie schon. Schließlich gibt sie auf und betritt ein nahegelegenes Café. Es ist das Dritan Alsela – und der namensgebende Chef steht zufällig gerade selbst in der Tür.

„Was kann ich für Sie tun?“, habe er zur ihr gesagt, erzählt Alsela später, als man ihn nach der Geschichte fragt. Die 93-Jährige habe ihn gebeten, ihr ein Taxi zu rufen. „Ihre Hände waren ganz kalt und ich schlug ihr vor, erst mal etwas Warmes zu trinken. Sie bestellte Linsensuppe und eine Tasse Tee.“ Als das Taxi schließlich kam, habe der Fahrer die Dame direkt einladen und losfahren wollen. „Ich habe ihm erklärt, dass er die Dame 20 Minuten hat warten lassen – und jetzt eben warten muss, bis sie sich aufgewärmt hat.“ Als die Dame schließlich zahlen will, winkt der Wirt ab: „Ich habe Ihnen das angeboten, dann müssen Sie nicht zahlen.“

Von sich aus hätte Dritan Alsela die Geschichte sicherlich nicht der Rheinischen Post erzählt. Die Tochter der 93-Jährigen jedoch bewegte das Geschehene so sehr, dass sie der Redaktion in einem Leserbrief davon erzählte. „Offenbar gibt es in unserer Stadt auch noch Menschen, die sich ganz selbstverständlich um ältere und Hilfe suchende Menschen kümmern“, schrieb sie.

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Alsela selbst sieht das Ganze eher als Selbstverständlichkeit. „Ich hoffe, dass das auch jemand für meine Mutter tun würde.“ Schließlich, fügt er hinzu, komme auch immer Gutes zurück, wenn man Gutes tue. „Das hätte jeder von meinen Mitarbeitern gemacht.“

Der 44-Jährige ist auch über die Grenzen der Landeshauptstadt bekannt. In den sozialen Netzwerken folgen über zwei Millionen Menschen seinen Accounts, über die er Fotos von Latte Art (das kunstvolle Verzieren von Getränken mit Milchschaum), Schnappschüsse und Kaffee-Wissen teilt. Er mache das „just for fun“, sagt Alsela abwiegelnd. Er finde es einfach schön, Menschen zu inspirieren. Als „Barista-Gott“ inszeniert werden, das möchte er nicht. „Schließlich machen andere genauso guten Kaffee.“

Im "Dritan Alsela" sind Omas die Stars

Im Café Dritan Alsela wird jeder Gast begrüßt – und jeder gleich behandelt. „Wir haben keine VIPs“, sagt Alsela und lacht. „Außer Omas, die sind unsere Stars“, meint Sarah, die seit sechs Jahren im Café arbeitet. Eine Dame, erzählt Alsela, sei 99 Jahre alt und komme regelmäßig. „Die ist so fit!“ Ihren 100. Geburtstag werde sie im Café feiern, das habe sie ihm versprochen. „Sarah, wie hast du die Geschichte mit der Oma erlebt? Wir hätten alle dasselbe gemacht, oder?“ – „Naja, so gut wie du hätte ich das wohl nicht gelöst“, antwortet sie.

Das Treiben im Café ist geschäftig, aber entspannt. Klassische Kaffeehaus-Atmosphäre. „Hier trifft sich jeder von der Oma bis zum Enkel“, sagt Alsela. Die Atmosphäre schaffe das Team gemeinsam. „Es ist wichtig, dass alle sich wohlfühlen, das ist unsere Philosophie.“ Gast Bruno begrüßt er mit Handschlag. Er sei „von Anfang an dabei“, sagt dieser von sich. „Das Essen ist fantastisch, die Getränke natürlich auch und der Service ist super.“

Ein anderer Gast sagt, das Café sei praktisch sein Wohnzimmer – nur dass hier der Espresso besser schmecke. Er habe das Dritan Alsela zufällig entdeckt. „Seitdem war ich in keinem anderen Café in Düsseldorf“, fügt er hinzu.

Vom Tellerwäscher zum Chef eines Cafés  

Harte Arbeit, Hygiene, Freundlichkeit – das seien seine Werte, sagt Dritan Alsela, der ansonsten nicht gern viel über sich und seine Biografie spricht. Als Tellerwäscher habe er angefangen, sagt er, die Kaffeezubereitung habe er sich selbst beigebracht. Wobei er beides mit Leidenschaft getan habe – darauf komme es an. „Ich bleibe immer auf dem Boden. Wenn nichts mehr funktioniert, dann kann ich immer noch zurück zum Tellerwäscher-Job“, sagt er und lacht. Schließlich habe man nichts zu verlieren, wenn man bei null anfängt.

Dass er der 93-Jährigen geholfen habe, betont er noch einmal, sei für ihn selbstverständlich. Das Interview gebe er vor allem aus einem Grund: „Ich will der Dame auf diesem Weg noch einmal sagen, dass alles in Ordnung ist. Sie soll sich keine Gedanken machen.“

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Quelle: RP