Ungewöhnliche Idee aus Düsseldorf

Wie aus Kaffeemaschinen Kunst wird

Ungewöhnliche Idee aus Düsseldorf: Wie aus Kaffeemaschinen Kunst wird Ungewöhnliche Idee aus Düsseldorf: Wie aus Kaffeemaschinen Kunst wird Foto: Nicole Kampe
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Carsten Mehler macht aus normalen Siebträgermaschinen besondere Einzelstücke. Darunter sind Maschinen mit Fell, andere hat er vergoldet. Und alle produzieren weiterhin prima Kaffee. Halten sollen sie praktisch ein Leben lang.

Sechs Maschinen stehen auf einer dunklen Kommode, manche funkeln und glänzen, in Rotgold oder Gelbgold, andere sind mit ungewöhnlichen Stoffen bezogen, eine ist sogar flauschig. Große Knöpfe und Hebel sind an den Maschinen befestigt, runde Manometer eingebaut, die den Druck anzeigen. Jede Maschine ist ein Einzelstück, keine gleicht der anderen – zumindest nachdem Carsten Mehler sie in die Finger bekommen hat.

Der 51-Jährige macht aus Siebträgermaschinen Kunstwerke, „die aber alle voll gebrauchsfähig sind“, betont Mehler, der selbst eine in seiner Küche stehen hat, die täglich mindestens zwei Tassen Kaffee zum Frühstück macht. An der Herzogstraße hat Carsten Mehler jetzt seinen Showroom Battista eröffnet, in dem er seine Stücke verkauft, denen er alle Namen gibt, wie Queen and King, weil sie eine royalblaue Farbe hat, oder Miss Rosy, die vergoldet und verkupfert ist.

Kaffeemaschinen 1 (image/jpeg) Kleine Feuerlöscher stehen auf einem Tresen im Battista, die der Kaffeemaschinen-Künstler auch umgestaltet hat.

Im Keller des Showrooms hat sich Mehler eine Werkstatt eingerichtet, dort sitzt er, wenn er ganz viel Ruhe braucht. Meistens schraubt er im Verkaufsraum, wo er Leute gucken kann, die vor dem großen Schaufenster stehenbleiben. Der 51-Jährige macht auch Sonderanfertigungen auf Wunsch. Ganz günstig ist so eine Kaffeemaschine nicht, allein der Grundpreis geht bei 1400 Euro los. Dafür sind Mehlers Kreationen einzigartig und sollen eine lange Lebenszeit haben, weil der Kaffee nicht durch die Maschine läuft, das Pulver nur außerhalb mit dem Siebträger in Berührung kommt.

Mehlers liebste Kaffeemaschine heißt Cherryberry. Das Gehäuse hat er in einem Vanilleton lackieren lassen, die Seiten mit einem karierten Stoff bespannt, der so aussieht, als sei er von Burberry. Die Manometer sind rosa, die Griffe vergoldet, die Füße hat er mit Leder umfasst.

Kaffeemaschinen 2 (image/jpeg) Die BFC Steve ist Steve McQueens Porsche aus dem Film Le Mans nachempfunden ist.

Bevor er die Einzelteile bearbeitet, baut Mehler den Siebträger komplett auseinander. Überschaubar ist die Zahl der Teile, der Schrauben und Gummis – in einem kleinen Kästchen bewahrt er alles auf. Inzwischen kann Mehler die verschiedenen Fabrikate aus dem Kopf wieder zusammenbauen. Das sah am Anfang anders aus, drei, vier Maschinen hat er sicher ruiniert. „Ich musste testen, welche Materialien hitzebeständig sind“, sagt er. Bis zu 85 Grad kann so ein Siebträger heiß werden. 5000 Euro kostet die Cherryberry, für 2190 Euro ist die BFC Steve zu haben, die Steve McQueens Porsche aus dem Film Le Mans nachempfunden ist.

Irgendwie ist Kaffee schon immer ein Hobby gewesen für Carsten Mehler. Seinen allerersten Kaffee trank er bei seiner Oma in Holland. Zwölf ist er damals gewesen, aufgeschüttet wurde der Kaffee und in einer hübschen Porzellankanne serviert. „Seitdem bin ich ein Junkie“, sagt der 51-Jährige, der immer mal wieder etwas mit Kaffee gemacht hat.

Kaffeemaschinen 3 (image/jpeg) Die Elektra aus Mailand ist Carsten Mehlers größter Schatz und unverkäuflich.

Mitte der 2000er eröffnete er das Café Bildungsart am Karolingerplatz, gab es irgendwann an eine Mitarbeiterin ab, weil es zu viel wurde. Denn eigentlich hat Mehler noch einen Hauptberuf, er ist in der Hausverwaltung tätig, kümmert sich um die Konzeptentwicklung für neue Wohnräume, stattet Wohnungen aus, die möbliert vermietet werden. Ein Gefühl für Farben und Material hat er bekommen, seit er sich mit Möbeln beschäftigt, viele Küchen hat Mehler eingerichtet. Und immer stand da diese klassische Edelstahl-Kaffeemaschine, die nicht passte. So kam ihm die Idee, Siebträger aufzuhübschen, manche mit Farbe, andere mit einer Kupfer- oder Nickel-Beschichtung.

Und weil Carsten Mehlers Apparate sozusagen die Ferraris unter den Kaffeemaschinen sind, hat er natürlich auch eine Ferrari gemacht, in den Farben Rot und Schwarz, die Manometer sehen aus wie kleine Tachos. Auf der Automobilmesse ist er schon gewesen mit seinen „Renn“-Maschinen. Dort kam ihm dann in den Sinn, kleine Feuerlöscher zu gestalten, die er auf einem Tresen im Showroom ausstellt. Viele Kunden verwechseln sie mit einem Sahnesiphon – wer rechnet schon damit, dass Mehler auch Feuerlöscher designt.

Kaffeemaschinen 4 (image/jpeg) Das Modell Ferrari (r.) darf natürlich auch nicht in der Sammlung fehlen.

Einige Arbeiten gibt der Tüftler raus, ein Pulverbeschichter kümmert sich um die Lackierung, weil die Farbe mit viel Hitze – bis zu 200 Grad – auf das Blech aufgetragen wird. Die meisten Näharbeiten lässt Mehler machen, Nähen ist nicht sein Ding, „schon gar nicht kleine runde Griffe, die aus Leder sind“. Hebel und Knöpfe vergoldet der Düsseldorfer dafür selbst, feilt Stunden, manchmal Tage am richtigen Ton. Gebrauchte Maschinen bearbeitet er nicht, wegen der Garantie. Garantie gibt es dafür von ihm auf die neuen Modelle, auch wenn Mehler sie komplett auseinander- und wieder zusammenschraubt.

Viel Pflege brauchen die Kunstwerke nicht, ab und an entkalken reicht. „Und eine gute Bohne, sonst bringt die beste Maschine nichts“, sagt Mehler.

Battista Herzogstraße 9, Termine nach Vereinbarung unter 015730039080, www.battista-coffee.com

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Quelle: RP