Sex Geschlechtsverkehr Bett Kuss Lust
Foto: Shutterstock/BAZA Production

Sex bis zum Umfallen. Was sich für die meisten Menschen toll anhört, ist für manche die Hölle. Die Rede ist von Sexsucht, im Fachjargon Hypersexualität genannt.

Immer häufiger geistert der Begriff der Sexsucht durch die Medien, allen voran in Bezug auf das ausschweifende Sexleben diverser Prominenter. Der wohl berühmteste Fall von Sexsucht ist der von Profi-Golfspieler Tiger Woods.

2009 wurde bekannt, dass er seine Frau mehrfach und mit mehreren Frauen betrogen hatte. Kurz darauf begab er sich in Therapie. Der Grund für seine zahlreichen Eskapaden: Sexsucht. Mitleid bekam Tiger Woods damals nicht geschenkt. Im Gegenteil: Er verlor zahlreiche Sponsorenverträge, seine Leistung auf den Golfplätzen dieser Welt litt unter den Folgen seiner Sexsucht und letztlich folgte auch die Scheidung von seiner Frau Elin Nordegren.

Trennung verhindern und Beziehung retten? Mit diesen Tipps kann es klappen

Ein vermeintliches Problem: Sexsucht war zum damaligen Zeitpunkt noch keine anerkannte Krankheit. Das hat sich mittlerweile allerdings geändert, im Juli 2018 erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO, Hypersexualität sei eine psychische Störung.

Doch was genau kennzeichnet eine Sexsucht und wie erkennt man sie? Und ist diese Krankheit überhaupt heilbar? Diese und weitere Fragen wollen wir im Folgenden beantworten.

Was ist Sexsucht?

Im Leben von Menschen, die an einer Sexsucht leiden, ist Sexualität das vorherrschende Thema. Sie gieren quasi ständig nach Befriedigung und erreichen diese durch häufige Selbstbefriedigung oder Geschlechtsverkehr – wenn möglich mit wechselnden Partnern. Die Lust steht nicht mehr im Vordergrund, der Sex wird Mittel zum Zweck und die Häufigkeit muss mit der Zeit immer weiter gesteigert werden. Hier verhält es sich wie bei Alkohol- oder Drogenabhängigen

Übrigens: Der Begriff „Sexsucht“ ist eigentlich nicht korrekt. Denn eine Sucht liegt strenggenommen nicht vor, vielmehr handelt es sich um ein Zwangsverhalten. Wer ganz sauber bleiben will, benutzt den Fachbegriff „Hypersexualität“. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist „Sexsucht“ jedoch deutlich weiter verbreitet.

Was sind die Symptome einer Sexsucht?

Wer aufgrund einer regen Sexualität jetzt Angst hat, krank zu sein, den können wir beruhigen. Denn es liegt nicht automatisch eine Sexsucht vor, nur weil man öfter am Tag an Sex denkt, sich gerne und oft (mit Hilfe von Pornos) selbst befriedigt oder einfach mehrfach täglich Sex haben will.

Kritisch wird es erst dann, wenn all diese Aktivitäten dazu führen, dass ein normales Leben nicht mehr möglich ist. Sexsüchtige verdrängen Alltagsverpflichtungen wie ihre Arbeit oder andere Termine, um ihrem Verlangen nach Befriedigung nachzugehen. An Hypersexualität Leidende können ihren Trieb nur kaum oder gar nicht unterdrücken und lassen dabei auch außer Acht, welche negativen Folgen ihr Handeln haben könnte.

In Verbindung mit der sogenannten Toleranzentwicklung, die Patienten dazu zwingt, sich immer neue Sexualpartner zu nehmen, weil andere schnell an Reiz verlieren, führt das dazu, dass Sexsüchtige als beziehungsunfähig gelten – sofern der eigene Partner dies nicht akzeptiert. Denn wer ständig mit neuen Menschen schlafen will, läuft schnell Gefahr fremdzugehen.

Was sind die Auslöser einer Sexsucht?

Es lässt sich nicht pauschal sagen, wo die Ursachen für eine Sexsucht liegen. Wie bei jeder psychischen Störung könnte ein traumatisches Erlebnis aus der Vergangenheit diese hervorgerufen haben und/oder es liegt eine genetisch bedingte Veranlagung vor.

Panik vor der Liebe: Angst vor einer Beziehung? So geht ihr damit um

Allerdings sollte auch beachtet werden, dass es in Sachen Sexualität in den vergangenen Jahren gewissermaßen zu einer Verrohung der Gesellschaft gekommen ist. Dadurch, dass Pornos leicht im Internet angeschaut werden können, Sex quasi überall gegen Geld zu bekommen ist und unverbindliche sexuelle Beziehungen ein immer größeres Thema werden, sind die Menschen in dieser Hinsicht abgestumpft. Sex wird nicht selten als etwas Praktisches angesehen.

Sollte ich bei Sexsucht einen Arzt aufsuchen?

Bei Sexsucht handelt es sich um eine ernstzunehmende Krankheit. Ist man aufgrund seines Sexualtriebes und der entsprechenden Befriedigung nicht mehr in der Lage, ein geregeltes Leben zu führen, sollte man dringend einen Arzt konsultieren. Dadurch, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO Hypersexualität als Krankheit anerkannt hat, helfen die Krankenkassen bei der Suche nach Therapeuten und trägt unter Umständen sogar (teilweise) die Kosten.

Wie wird Sexsucht behandelt?

Eines vorweg: Von alleine wird die Hypersexualität kaum verschwinden, so sehr man sich auch anstrengen mag. Da es sich um eine Art Zwangsverhalten oder Impulskontrollstörung handelt, die bei jedem Menschen andere Formen annehmen kann, ist eine individuelle psychologische Betreuung unabdingbar.

Im Rahmen einer Therapie wird zum Beispiel ergründet, welche Ursachen der Sexsucht zugrundeliegen, als was der Patient Sex ansieht und was er damit zu kompensieren versucht. Das Ziel liegt nicht darin, den Sextrieb des Betroffenen zu unterdrücken. Er soll lernen, diesen kontrollieren zu können, um wieder echte Lust zu verspüren. Schließlich ist die Sexualität ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens.

Ist Sexsucht heilbar?

Wie ihr seht, lässt sich mit therapeutischer Hilfe die Kontrolle über das eigene Sexleben zurückgewinnen. Sexsucht ist also definitiv heilbar.

Der erste Schritt zurück in ein normales Sex-(Leben) ist jedoch die Einsicht, ein ernstzunehmendes Problem zu haben. Oft geht das mit der Hilfe des Partners oder eines Freundes leichter. Als erste Anlaufstelle können beispielsweise die Beratungsstellen von „Pro Familia“ dienen.